Hi Matthias,
(& Leo & ... ,)

ist schon wieder eine Weile her seit Playfulness!

Am 07.12.2009 um 14:17 schrieb Matthias Tarasiewicz:

> 1) falls jemand anderer einreicht, wird dies von der stadt  
> abgeschmettert (siehe dazu zb. die einreichung von nikolic, oder  
> auch die coded cultures einreichung 2007 zusammen mit esel, die  
> beide abgelehnt wurden)

Ihr beide - 5uper.net und eSeL - seid bestimmt bloss zu 'arty' gewesen.
Du weisst ja, man kann manchmal bei Verhandlungen mit Sozialdemokrat/ 
inn/en mit klassenkämpferischen Ansagen punkten, also wenn man gegen  
die (vermeindlich) bürgerliche 'Kunst' die Breite und den  
"niederschwelligen Zugang" zur 'Kultur' betont.
Johannes' Elitismus-Vorwurf ist das aktuellste Beispiel eines solchen  
Versuchs, in Ermangelung einer abgeschlossenen Berufsausbildung diese  
durch eine trotzige Pol-Pot-Stimmung zu kompensieren. Die Ironie  
dabei ist, dass der Kunstbegriff von eSeL und 5uper.net offenbar  
weiter gefasst ist und mehr Menschen bewegt als der Kulturbegriff von  
Monochrom/Teichenberg.

Wenn ich zB auf der Paraflows-Website (http://www.paraflows.at) lese ---

> Eine eigens für paraflows 09 konzipierte, temporäre  
> Containerlandschaft auf dem Karlsplatz bietet Raum für die  
> Ausstellung URBAN HACKING, sie bildet gleichsam einen Knotenpunkt  
> zwischen Künstlerhaus, Karlskirche und project space, vereint  
> Geschichtsträchtiges und Zeitgenössisches.

--- dann fällt mir zum Stichwort 'Geschichtsträchtiges' sofort eSeLs  
Ausstellung UPDATE. kunstrukturenschaffen&nutzen im Künstlerhaus Wien  
ein.

Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal das k/haus so  
berstend voll erlebt habe wie bei dieser Vernissage, bei der nahezu  
alle vertreten waren, die sich zur digitalen Wiener Szene zählen.
Sogar Kollege Rakuschan alias FER war damals noch dabei mit einem  
systemtheoretisch fundierten Vortrag, in dem er wieder mal die Lacher  
auf seiner Seite hatte, als er Benito Mussolini zitiert hat ("die  
Sonne der Anarchie").

Fünf Jahre später:

All die Visionen von Gemeinschaft, kollektiv nutzbaren Strukturen  
('UPDATE. kunstrukturenschaffen&nutzen') wie zB einen Gerätepark,  
Ressourcensharing, mehr Geld für alle, ja sogar eine gemeinsame  
digitale Währung zur Abrechnung kooperativer Tätigkeit war mal im  
Gespräch - was ist heute davon übrig geblieben?

Nichts.

Wir sind auf den Status von 2004 zurückgeworfen, wo eine Gruppe nach  
und nach alle materiellen Ressourcen aufgesaugt hat.

Hier braucht es 2010 eine Korrektur.

Cheers,
Stefan

-- 

http://www.classwargames.net

'I am a proletarian free of prejudice. I ask you to excuse me for my  
rudeness and form of exposition, for I have been writing not in a  
study with unlimited free time but in the field on a cart, when I  
could take myself away from the fieldwork.'

A. Zemskov 1917
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