Am 23.01.2010 um 16:43 schrieb Peter Kuhm:

> On Wed, 20 Jan 2010 06:32:35 +0000 Stefan Lutschinger wrote:
>
>> Was noch vor Jahren undenkbar gewesen waere - Jurymitglieder  
>> stellen sich zur Wahl und oeffentlichen Diskussion (!) - ist heute  
>> in Wien Realitaet.
>
> auch ich bin ganz hin & weg aber werde wohl erst in kommenden  
> Jahren diese bahnbrechende, partizipatorische Mitgestaltung richtig  
> wuerdigen und lobpreisen koennen.

Hi Peter,

zur Klarstellung, mein Mail war keinesfalls zynisch gemeint.

Nichtsdestotrotz kann ich mich deiner Kritik vom 14. Dez nur  
vollinhaltlich anschliessen. Hätte ich meinen britischen oder  
russischen Studierenden die Vergabeentscheidung im Rahmen eines  
Demokratieworkshops als hypothetische Aufgabe gestellt (und wären  
diese zum selben Ergebnis gekommen wie die Jury 2008/2009), müsste  
ich deren Resultat mit 'Nicht genügend' beurteilen:

> Diese Jury hat im 2. Halbjahr 2008 befunden, dass in diesem Bereich  
> weniger Geld ausgeschuettet wird, angeblich weil die Projekte nicht  
> gut genug waren. Die Differenzsumme von 9.200,- wurde dann von der  
> Verwaltung freihaendig als Nachfoerderung an Paraflows vergeben  
> (ebenso wie die 4.400,- die laut Vergabewahl eigentlich an  
> wahltotal.at gehen sollten)


bzw.

> Offenbar waren die Einreichungen auch im 2. Halbjahr 2009 nicht so  
> interessant weil "Tonspur" hier gleich 12.800,- + 12.000,- bekam  
> dem schon im Jahr 2008 2x 5000,- zugesprochen wurde. Vielleicht ist  
> das Projekt aber auch ueberragend gut? Ich kenn Tonspur nur als  
> relativ unauffaellige Soundinstallation in einem kleinen  
> hofseitigen Durchgang beim MQ (beim Mistkuebelraum).


http://listen.esel.at/pipermail/liste/2009-December/008578.html

Stellen wir in Rechnung, dass auch der (von der MA7) ungeliebte  
Jurybeisitz der Communites im 1. Jahr gleich wieder diskret entsorgt  
wurde wie der Banken-Untersuchungsausschuss 2007, so muss man im  
Grunde von einem Totalversagen aller Instanzen sprechen. Beschwerden,  
richten Sie bitte ans Salzamt. Und wie im echten Leben erfährst du  
dann 2 Jahre später, was es dich gekostet hat.

Wir wollen aber auch nicht vergessen, dass die Direktwahl durch die  
Communites durch nichts anderes als den angedrohten Monochrom-Boykott  
der  kommenden Wahlen abgeschafft wurde, weil es bei einer  
Vergabewahl im letzten Jahr eine qualifizierte Mehrheit gab, die  
fand, dass ein paar Tausender weniger für diese Gruppe immer noch  
grosszügig genug bemessen sind.

Wenn sich unter all diesen Voraussetzungen dennoch wieder  
qualifizierte Menschen mit hoher internationaler Reputation für einen  
Pappenstiel - 150 Euro pro Jurysitzung - um die Position eines  
Jurymitglieds bewerben und sich einer öffentlichen Debatte und  
demokratischen Wahl stellen, dann möchte ich dies nicht nur als  
innovativ, sondern sogar als revolutionär bezeichnen.

Wieviele vergleichbare Beispiele gibt es denn hierfür?

Die Realität im österreichischen staatlichen Förderwesen sieht doch  
so aus, dass bei einer beliebigen 5-köpfigen Jury die jeweils  
zuständige IG mit aller Kraft rudern und agitieren muss, um  
Mitsprache bei der Besetzung von zumindest einem Jurymitglied zu  
erhalten.

Herzlichen Gruss aus London,
Stefan


-- 
http://www.classwargames.net

'I am a proletarian free of prejudice. I ask you to excuse me for my  
rudeness and form of exposition, for I have been writing not in a  
study with unlimited free time but in the field on a cart, when I  
could take myself away from the fieldwork.'

A. Zemskov 1917
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