On Thu, 9 Sep 2021 00:05:46 +0200
Thomas Schmidt <[email protected]> wrote:

> Hallo Konrad!
> 
> So eine ausführliche Antwort, vielen Dank!
> 
> > ganzheitliches Paket  
> 
> Ja, vom Drehknopf bis zur Datenvisualisierung ist es ein Produkt, dem
> viele wilde Annahmen zugrundeliegen. Das sollte ich wirklich
> deutlicher sagen, danke für den Hinweis.
> 
> 
> > Also geben wir dem Teil einen ehrlichen Namen: es ist ein I2C
> > basierter I/O Expander speziell für den RPi. Punkt.  

Sehe ich ähnlich. Es gibt im Wesentlichen ein Analog-Board und ein
Digital-Board; beide besitzen einen lokalen I²C-Bus und werden über den
Extrovertiert-Bus angebunden an den Raspi. 

> Hehe, spannende Sichtweise. Für dich ist nur das Kernstück von
> Bedeutung, der Bus mit paar Chips links und rechts. Weil du ein Linux
> mit diversen Anforderungen an Hardware und exotischer Software aus dem
> Ärmel schüttelst,

Niemand schüttelt hier einfach was so nebenher aus dem Ärmel. Nur hat
halt jeder von uns irgendwelche Erfahrungen, die es im Einzelfall
leichter machen, ein Projekt zu realisieren.

> genauso wie du mal eben die Board-Layouts für
> anfällige I2C-Chips aus dem Kopf zeichnest. Das möchte ein Museum aber

Autsch! Was sind denn anfällige I²C-Chips? Ich hab ja nun vom EEPROM
bis zum UKW-Tuner schon einiges an I²C-ICs in der Hand gehabt; aber
anfällig. Alle haben bisher die Spezifikationen eingehalten.

> auch haben. Für mich war dieses kleine Drumherum 800 Stunden
> Entwicklungszeit.

Das ist doch völlig real. Ich bin mit Projekten groß geworden, da war
die kleinste Maßeinheit Mannjahre und die Projektkosten wurden in Mio
DM/€ abgerechnet. 
Und im professionellen Umfeld gehts auch ganz schnell um CE-Zeichen,
EMV, RoHS, ElektroG, Zulassungen/Zertifikate (CSA, UL, ...) Klima-,
Stoß- und Schwingungsprüfungen, Zuverlässigkeitsuntersuchungen. Das
kostet nicht nur Geld. Die 800 h sind voll Ok., aber auch nicht wirklich
was Besonderes.
 
> > Was ist eigentlich die Zielgruppe?  
> 
> Als Medienagentur sind meine Zielgruppe die Ausstellungsleitungen der
> Museen, die so ein Exponat haben wollen. Als Open-Source-Entwickler
> ist meine Zielgruppe jeder, der irgendwie Spaß damit hat. Die
> erweiterte Zielgruppe sind Medienbutzen, die Tischlerei, Grafik und
> Frontend an der Hand haben, aber das Bedienpanel mit der Elektronik
> inklusive Raspi fertig geliefert haben wollen.

Dann kommuniziert das doch auch so; der Privatkunde ist doch eher ein
Nebengeschäft.

> Einen reinen Versand
> von Komponenten wie ELV oder Beratung habe ich nicht geplant, sorry
> Bastler.

Siehe oben - es ist nicht klar erkennbar. 

> > Schränkt Dich aber auch auf eine sehr begrenzte Nutzergruppe
> > ein: RPi Fans, die aus unergründlichen Gründen Arduino hassen und
> > sich keine Industrietechnik leisten wollen, aber trotzdem bereit
> > sind industrielle Preise zu bezahlen.  
> 
> Guter Punkt. Ich hatte schon eine Anfrage für eine 3D-Anwendung, die
> konnte ich mit dem RPi nicht machen. 95% der Grafik im Museum schafft
> der RPi aber. Mit 10 Watt in einer kleinen robusten reproduzierbaren
> Kiste.
> Anforderungen ohne Grafik und auch sonst wenig Rechenleistung gibt es
> auch, da ist Arduino super. Das ist aber auch eine ganz andere Welt,
> würde ich sagen. Und bevor ich Arduino an RPi baue und beides
> programmiere, mache ich lieber Exponiert, zumindest war das mein
> Gedanke.

Ich denke, wir sollten uns nicht in der Frage verzetteln, was das beste
Konzept ist. Auch ich würde einiges anders machen, aber das ist nicht
der Punkt. Du hast ein, aus deiner Sicht, modulares System geschaffen,
welches für dich beherrschbar und universell ist.

> Industrietechnik ist ein wichtiger Punkt. Vielleicht habe ich da zu
> wenig recherchiert. So weit ich weiß sind die Drehgeber, LEDs und Zeug
> mit RS485 Größenordnungen teurer. Wenn du googlebare Begriffe hast,

Industrielle Produkte sind nicht einfach mal so um Größenordnungen
teurer. Diese Produkte müssen auch viele Anforderungen erfüllen, die
eine Labortischversion nicht kann. Beginnt bei der EMV, Zulassungen
(UL/CSA/VDE), Einsatztemperaturbereichen und endet beim Tod während der
Schwingungs- oder Stoßprüfung und dem CE-Zeichen. Dazu kommt die
Einhaltung von Standards etc.

> wie ich die Klimastation mit Arduino oder Industrietechnik hätte bauen
> können, wäre das sehr spannend. Vielleicht habe ich da nur völlig
> falsch gesucht. https://exponiert.org/projekte/klimastation/index.html

Die Frage steht doch so überhaupt nicht im Raum. Entweder realisiere
ich ein Projekt aus einem Pool universeller Komponenten, einem
modularen Bausteinsystem, oder ich entwickle eine, auf den Kunden
zugeschnittene Lösung.  

> > "Abklatsch"? Du verwendest einen halbwegs standardisierten I2C Bus
> > Extender ohne irgendwelche Extras drumherum mit einem niedlichen
> > Steckerchen. Nicht mehr, nicht weniger.  

I²C ist sehr sauber dokumentiert; seit 1982!

> Stimmt. Der Bus ist I2C, nur mit mehr Strom.

Dein Exponiert-Bus ist kein I²C-Bus! Du überträgst halt nur das
I²C-Protokoll auf deiner langen Leitung, nicht mehr und nicht weniger!
I²C kann nun mal nur an Lasten bis zu 400 pF arbeiten und ist
ein asymmetrischer Bus. 

> > Die Verbindung zwischen Sensor und I/O
> > Board muss immernoch vergleichsweise kurz sein  
> 
> Beim Analog-Board ja, das Board muss zum Sensor, daher der aufwändige
> Bus zum Rechner.

Analoge Signale haben ganz andere Anforderungen; das beginnt schon bei
der Trennung von analoger und digitaler Masse. Spielt bei dir sicher
keine große Rolle, aber ich komme halt aus einer anderen Ecke. 

> Das Digital-Board ist durch die 1nF an jedem Eingang ziemlich robust
> auch bei bisschen Strippe.

Das waren die Kondis, die mir sofort ins Auge stachen. Man sollte immer
die Ursache von Störungen angehen. Sowas ist keine Lösung. Leitungen
abschirmen, Übersprechen verhindern, Prellen entweder durch Hardware
(FF) oder durch Software eliminieren. 

> I2C ist bei den Boards nicht rausgeführt, vielleicht mache ich mal
> einen Adapter vom Exponiert-Bus auf Standard I2C.

Die einfache Anbindung von I²C-Komponenten habe ich auch vermisst.
 
> > Preise auf der Webseite völlig überzogen  
> 
> Tut mir leid. Das ist einfach die Schutzgebühr um auf die Platine eine
> Briefmarke zu kleben. Die Kicad-Datei kann wer mag gerne bei Aisler
> hochladen und hat einen Berg Platinen für weniger Geld.
> 
> > Die Bauteile bekomme ich für einen Bruchteil online  
> 
> Der Preis ist halt immer fürs Quatschen und Denken. Es sind
> absichtlich alles billige Fertigteile, kein uC.
> Einen stabilen Taster mit LED ohne Vorwiderstand kaufe ich bei Farnell
> für 17€, die sind ziemlich exotisch.

Die ganze Preiskommunikation würde ich nochmal überdenken.

a) Reiner Verkauf von PCBs, Komponenten etc. an privat/gewerblich
b) Projektgeschäft. Da gibt es nicht den Preis oder die Preisspanne.
Anfrage -Lastenheft - Angebot - ... -Pflichtenheft usw.
Das ist immer individuell.
 
> > Du verkaufst hier Beratungsleistungen für Leute, deren Expertise
> > außerhalb der Elektronik liegt. Habe ich da irgendwas falsch
> > verstanden?  
> 
> Hast alles richtig verstanden. Ich vermute, dass ich am Ehesten
> fertige Bedienpanele oder fertige Exponate verkaufe.
> 
> > ich habe keinerlei Sourcen oder
> > Schaltpläne auf der Seite gefunden.  
> 
> Das ist eigentlich alles hier unten verlinkt:
> https://exponiert.org/technik/index.html
> Nur die Kicad-Daten habe ich nicht online, weil ich noch nicht kapiert
> habe, welche Dateien wie gebraucht werden.
> 
> > stell mal Deine Fragen. Dann schauen wir weiter.  
> 
> Ich wollte es nur mal vorstellen, gerade weil hier Automatisierung
> immer wieder eine Rolle spielt. Und weil es kluge Leute gibt, die aus
> anderen Perspektiven gucken. Hab keine Fragen :-)
> 
> Thomas
> 
> 

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