Hallo,

anbei der 2. Entwurf der Pressemitteilung. Wenn niemand mehr Einwände erhebt, dann würde ich den Text morgen so "freigeben" und André ist hoffentlich so lieb, ihn zu verschicken, auch wenn ich die Schweiz anfangs versehentlich ausgegrenzt habe. Ich mag die Eidgenossen doch. ;-)

Danke an Christopher Frank für die Hilfe bei der Überarbeitung, er hatte noch einige gute Ideen, die ich aufgenommen habe!

Zum Verschicken:
Wollen wir nur die großen Zeitschriften und Portale anschreiben oder alle? Was denkt ihr? Ansonsten entscheide ich das morgen Früh spontan. :-)

Zur Startseite:
Ich würde einen Link auf der Startseite anbringen, Titel "Deutschsprachiges Projekt von OpenOffice.org spricht sich gegen Softwarepatente aus" und dann auf die PM verlinken. Seid ihr damit einverstanden?

Viele Grüße
Flo


Pressemitteilung vom 30. Juni 2005
- Entwurf, nicht zur Veröffentlichung -

Deutschsprachiges Projekt von OpenOffice.org spricht sich
gegen Softwarepatente aus


Das deutschsprachige Projekt von OpenOffice.org hat eine Aktion gegen Softwarepatente gestartet, um seine Bedenken gegen die geplante Richtlinie zur Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen zu äußern. Kommende Woche, am 6. Juli, wird das Europäische Parlament seine Entscheidung zur Richtline treffen, die große Auswirkungen auf künftige Entwicklungen im Open Source-Bereich mit sich bringen könnte. Auch OpenOffice.org wäre dann wie fast alle anderen freien Softwareprojekte möglicherweise von zahlreichen Trivialpatenten - unter anderem gibt es bereits Patente auf den Fortschrittsbalken und Bestellungen im Internet per Mausklick sowie schwebende Paletten und die Anzeige von TrueType-Schriftarten - bedroht, die die Weiterentwicklung hemmen oder ganz brachliegen lassen könnten.

Bei der Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen in der derzeit angestrebten Form geht es nicht darum, geistiges Eigentum zu schützen, denn Software genießt bereits jetzt den urheberrechtlichen Schutz, der den Entwicklern somit ausreichend Schutzrechte an die Hand gibt, um gegen widerrechtliche Verbreitung oder Plagiate vorzugehen. Durch einen zusätzlichen Patentschutz wird keine Innovation gefördert oder ein etwaiger Wettbewerbsnachteil gegenüber dem Ausland aufgeholt, wie es von den Befürwortern der Richtlinie immer wieder gesagt wird, sondern gezielt großen Unternehmen eine Möglichkeit an die Hand gegeben, ihre Wettbewerber zu blockieren.

Ähnlich wie für kleine und mittlere Unternehmen, bedeuten Softwarepatente ein hohes Risiko für die Entwickler von freier Software, die zumeist ehrenamtlich tätig sind. Vor Implementierung neuer Funktionen müsste eine umfangreiche, teure und langwierige Patentrecherche durchgeführt werden, die die finanziellen und zeitlichen Möglichkeiten der Projekte bei weitem übersteigt. Mehr noch, selbst nach erfolgter Prüfung besteht weiterhin das Risiko, sich Patentansprüchen ausgesetzt zu sehen, da erteilte Patente von den Gerichten anders ausgelegt werden könnten oder nicht alle denkbaren Patente bei der Suche berücksichtigt wurden. Während große Unternehmen sich durch gegenseitige Lizenzerteilung weiterhin auf die Entwicklungsarbeit konzentrieren können, besteht für die freien Projekte das Risiko, dass die Entwicklung vollends zum Erliegen kommt. Allein das Prozesskostenrisiko ist für die privat tätigen Entwickler, die zumeist mit ihrem gesamten Privatvermögen haften müssen, derart hoch, dass es fraglich ist, ob sich noch Mitwirkende an freien Projekten finden werden. Im Klartext heißt das, dass die Zukunft von freien Projekten wie OpenOffice.org erheblich gefährdet ist und ihr Fortbestehen äußert fraglich ist, sollte die Richtlinie in der vorgelegten Fassung verabschiedet werden. Für Unternehmen, die Software einsetzen, bedeutet dies dann de facto die Abhängigkeit von dem Anbieter, der die meisten Patente in sich vereinigen kann, sodass neue Monopolstellungen entstehen und der Wettbewerb behindert wird.

Freie Software wird in vielen Unternehmen und der Verwaltung eingesetzt, wie nicht zuletzt die laufenden Migrationen der Stadt München oder des Kantons Genf zeigen. Sie steht ihren kommerziellen Pendants qualitativ in keinster Weise nach und bedeutet gerade in Zeiten leerer Kassen eine Kostenersparnis, die auch dem Steuerzahler zugute kommt. Weltweit profitieren viele Millionen Menschen von den Vorzügen von freier Software und verschiedenste Regierungsprogramme weltweit beschäftigten sich mit der Umstellung auf freie Alternativen. Umso unverständlicher ist die Haltung des Europäischen Parlamentes, sich uneingeschränkt für die Patentierbarkeit computerimplementierter Erfindungen auszusprechen.

„Unsere Sorge ist, dass die meisten Politiker, die kommende Woche über die Richtlinie zu entscheiden haben, sich der Problematik nicht bewusst sind. Genau hier möchten wir ansetzen.“, so Florian Effenberger vom deutschsprachigen Projekt von OpenOffice.org. Es geht nicht darum, berechtigte Schutzrechte zu verweigern, sondern darum, Trivialpatente zu vermeiden. „Gerade im deutschsprachigen Raum sprechen sich auch viele große Firmen gegen Softwarepatente aus und bestätigen die Ansicht, dass für einen ausreichenden und vollumfänglichen Schutz ihres geistigen Eigentums Softwarepatente nicht nur überflüssig, sondern sogar hinderlich sind.“, so Effenberger weiter. Es sei absolut offen, ob und in welcher Form die Entwicklung freier Software in Europa aufrecht erhalten werden kann, zumal trotz vorliegender Richtlinie nach wie vor ungeklärt ist, was genau patentierbar sein soll und diese Entscheidung im Falle einer Verabschiedung der Richtlinie derzeit den Gerichten obliegen würde, sodass auch eine Rechtssicherheit für Entwickler nicht gegeben ist.

„Softwarepatente sind die Lizenz zum Atmen der Luft“, fasst Wolfgang Henderkes, Mitglied im deutschsprachigen Projekt von OpenOffice.org, die Problematik passend zusammen.


Presse-Kontakt
Florian Effenberger <[EMAIL PROTECTED]>
Webseite: http://de.openoffice.org


Weitere Links
Förderverein für eine Freie Informationelle Infrastruktur e.V.
http://www.ffii.org/index.de.html

NoSoftwarePatents.com
http://www.nosoftwarepatents.com/de/m/intro/index.html

Patentfrei
http://www.patentfrei.de


Über OpenOffice.org
OpenOffice.org ist die führende Open Source Office Suite, die dank ihrer Plattformunabhängigkeit und ihres offenen, XML-basierten Dateiformats nahtlos in jede Arbeits- und Entwicklungsumgebung integriert werden kann. Verfügbar für eine Vielzahl von Sprachen, stellt OpenOffice.org mittlerweile den Standard im Bereich freier Officeprogramme dar. Neben einer Textverarbeitung mit direktem PDF-Export gibt es Module für Tabellenkalkulation, Präsentation, Zeichnung sowie die neu integrierte HSQL-Datenbank. Darüber hinaus beherrscht OpenOffice.org den Im- und Export zahlreicher Fremdformate und bringt - ganz im Sinne von Kompatibilität und Interoperabilität - einen integrierten Assistenten zur Konvertierung bestehender Dokumente mit. Durch die offenen Schnittstellen und die enthaltene Makrosprache ist auch die Anbindung für Entwickler leicht zu realisieren.

--
## Florian Effenberger
## Marketing/Öffentlichkeitsarbeit/Presse
## OpenOffice.org - http://de.openoffice.org

---------------------------------------------------------------------
To unsubscribe, e-mail: [EMAIL PROTECTED]
For additional commands, e-mail: [EMAIL PROTECTED]

Antwort per Email an