Quelle: http://www.spiegel.de/netzwelt/technologie/0,1518,363904,00.html

Europaparlament stimmt gegen Software-Patente

Das Europaparlament hat den umstrittenen Entwurf von EU-Kommission und
EU-Rat zur Einführung von Software-Patenten abgelehnt. Die Abgeordneten
wiesen das EU-Gesetz heute in Straßburg mit überwältigender Mehrheit zurück.

Proteste erfolgreich: Gegner der Softwarerichtlinie entfalteten am
Dienstag ein Plakat vor dem EU-Parlament
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Attac/Campact
Proteste erfolgreich: Gegner der Softwarerichtlinie entfalteten am
Dienstag ein Plakat vor dem EU-Parlament
Straßburg - Wer hätte das gedacht. Noch vor wenigen Tagen schien es kaum
möglich, dass sich Europas Parlamentarier in Straßburg so klar gegen die
Software-Patent-Richtlinie aussprechen würden. Heute hat das
Europaparlament der Kommissionsvorlage die Zustimmung dazu verweigert.
Sowohl Abgeordnete der konservativen EVP als auch der Sozialdemokraten
und anderer Parteien stimmten gegen die Vorlage der EU-Kommission.

Zum ursprünglich eingereichten Entwurf hatten die Abgeordneten insgesamt
178 Änderungsanträge eingereicht, die auch Ergebnis einer beispiellosen
Lobbyarbeit von Gegnern wie Befürwortern waren. Viele Parlamentarier
fürchteten zuletzt, dass die Richtlinie damit zu einem bürokratischen
Monstrum werden könnte. Deshalb solle die EU-Kommission einen neuen
Vorschlag vorlegen, hieß es in mehreren Fraktionen.

Große Unternehmen wie SAP oder Nokia befürworteten die Regelung, während
freie Software-Entwickler dagegen sind. In den USA ist Software
patentierbar; Konzerne wie Microsoft oder IBM haben sich bereits
Hunderte Patente gesichert.

Open-Source-Anhänger und kleinere Softwarehersteller befürchten, dass
sie nach der Patentierung selbst einfachster Software-Bausteine mit
finanziellen Ansprüchen von Patentinhabern überhäuft werden. Geplant
sind in der Richtlinie aber grundsätzlich nur Patente auf
Computer-implementierte Innovationen, also Anwendungen etwa für Autos,
Mobiltelefone oder Waschmaschinen. Umstritten unter den Abgeordneten ist
aber, wie klar die Trennungslinie hier zu ziehen ist.

Dass die Richtlinie im Parlament scheitern würde, hatte sich in den
vergangenen Tagen abgezeichnet. Die Fraktion der konservativen EVP
tendierte unmittelbar vor der entscheidenden Abstimmung dazu, die auf
dem Tisch liegende Vorlage abzulehnen. Auch Grüne und Sozialdemokraten
hatten sich vorab darauf verständigt, die Richtlinie abzulehnen. "Wir
werden dagegen stimmen", hatte der Vorsitzende der sozialistischen
Fraktion, Martin Schulz (SPD), heute Morgen in Straßburg angekündigt.

"Die Emotionen sind derzeit so aufgeladen, dass keine rationale
Entscheidung möglich ist", hieß es bei der EVP. Die EU-Kommission solle
einen neuen Vorschlag erarbeiten. Die EVP strebe im Gegensatz zur
jetzigen Vorlage an, dass urheberrechtliche Bestimmungen für Software in
das seit Jahren geplante EU-Gemeinschaftspatent aufgenommen würden. Das
Gemeinschaftspatent liegt derzeit aber auf Eis.

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## Florian Effenberger
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