Hey,

aus gegebenen Anlass möchte ich heute einmal die Grundlagen
zusammenstellen, die notwendig sind, um "Drucksachen" zu erstellen.

Achtung:  Langer Post!!!!

Ein paar Worte vorweg:
Viele Marketing-Materialein werden von uns erstellt und auf den
Webseiten veröffentlicht. Hierzu werden verschiedene Programme genutzt
und verschiedene Formate bereitgestellt. Klasse.
Nur: Die meisten Sachen sind sehr gut für den Bildschirm oder für den
Ausdruck auf dem heimischen Drucker (Laser, Tintenstrahler), jedoch
ungeeignet, um "echte" Drucksachen herzustellen, also Broschüren in der
Offsetdruckerei, CD-Labels im Presswerk und so weiter.
Im Folgenden möchte ich die Anforderungen genau dieses zweiten Teils
erläutern und Werkzeuge empfehlen, mit denen man arbeiten kann.

Bevor ihr etwas erzeugt, überlegt bitte vorher, wozu es später genutzt
werden soll - und fangt es gleich richtig an. Ein ich Draw und Writer
erstelltes Prospekt kann leider nie so gedruckt werden noch können die
Daten 1:1 übernommen werden - es ist also schade, wenn die Arbeit
doppelt gemacht werden muss.

Die Grundlagen:
Alles, was "professionell" hergestellt wird, unterliegt gewissen Regeln.
 Eine der wichtigsten ist, dass übelicherweise nur mit vier Farben
gedruckt wird (Cyan, Magenta, Yellow und Schwarz - CMYK) und aus diesen
vier Farben werden alle anderen abgeleitet. Wenn etwas also in die
Druckerei soll, dann muss es auch in diesen vier Farben aufbereitet
werden - im sogenannten CMYK Farbraum. Leider arbeiten wir am Bildschirm
nur mit dem RGB Farbraum - und die meisten Digitalbilder sind auch "nur"
RGB. OpenOffice.org beispielsweise kann nur RGB Farben verarbeiten
(intern) - scheidet also für die wirkliche Druckvorstufe komplett aus.
Alle Grafiken oder Bilder (Logos) müssen also in CMYK angelegt sein oder
von uns umgewandelt werden.
Ein klassisches Profiprogramm wäre hier für Pixelbilder Photoshop - der
Klassiker. Auch Gimp hat inzwischen CMYK Kapazitäten und ist in der
Lage, RGB Bilder umzuwandeln. Bei neu erstellten Grafiken muss man
darauf achten, dass diese von vorn herein im CMYK Farbraum erstellt
werden. Die Unterschiede beider Farbräume sind leider schon zu sehen.
Ein normales RGB Bild wirkt in CMYK "satter", etwas dunkler. Es gibt
zwar Umrechnungstabellen RGB <-> CMYK, das alles ist jedoch mit Vorsicht
zu geniessen. Ein CMYK Bild wird auf dem Bildschirm immer in RGB
wiedergegeben - die Farben stimmen also nie. Dafür werden in der Praxis
Farbprofile genutzt und Bildschirme und Programme "kalibriert", das aber
dürfte für uns nicht zutreffen.
Also Wichtig: alle Grafiken und Bilder muüssen in CMYK vorliegen! Einem
PDF-File sieht man zunächst nicht an, ob da noch RGB Dateien drin sind -
dafür gibt es spezielle Analysetools. Wer aber sauber arbeitet, kommt
nicht in die Problematik.
Eine andere Variante ist - um Farben zu sparen und Druckdurchläufe -
Drucksachen nur mit ein-, zwei oder drei Farben zu erstellen -
sogenannten Volltonfarben. Jetzt wird der Farbton nicht aus den
Prozessfarben (siehe oben) gemischt, sondern als vorgemischte Farbe
direkt gedruckt. Theoretisch ist wieder jede Farbe aus den vier
Prozessfarben mischbar, es haben sich aber einige Standardfarben
etabliert, auf die man zurückgreifen kann. Üblicherweise ist das die HKS
Farbtabelle (Standard, in der Regel überall vorhanden). Auch weit
verbreitet sind die Pantone Farben (aber teuerer) - in unterschiedlichen
Ausprägungen.
Erzeugt man ein Druckwerk nur mit Volltonfarben, so dürfen auch nur
diese Volltonfarben genutzt werden - allerdings auch in Nuancen, also
zum Beispiel 10%. Das Programm muss anschliessend in der Lage sein,
Farbauszüge zu drucken (die sind immer vollsschwarz, repräsentieren aber
die einzelnen Druckfarben). Und spätestens hier trennt sich die "Spreu
vom Weizen", was die Programme anbetrifft (siehe weiter unten).

Schriften
Ein absolut leidiges Thema.... Also: Verwendet nur "gute" Schriften,
also ordentlich gezeichnete, skalierbare Fonts. Die Qualität ist nicht
so einfach zu erkennen, da gehört einfach etwas Erfahrung dazu. Geht mit
Schrifttypen, Schnitten und Größen sparsam um - nichts wirkt schlimmer
als ein Dokument, in dem 10 verschiedene Schriften verwendet werden.
Legt für Schriften immer eine eigene Ebene an - plaziert dort die
Schrift drauf - lasst alles 50.000 mal korrekturlesen und checken - und
wenn alles OK ist, erstellt eine Kopie der Ebene, blendet eine Ebene aus
und wandelt die andere komplett in Kurven um - dadurch werden die
Schriftinformationen aufgehoben, die Schrift ist nicht mehr editierbar,
dafür aber auch unabhängig vom Font. Jetzt kann Sie in der angezeigten
Form überall gedruckt werden.
Die Option "Schriften oder Texte in Kurven" heist natürlich in den
jeweiligen Programmen anders, aber ihr versteht, was gemeint ist.
Ganz wichtig: wird die Schrift nicht umgewandelt, so ersetzt die
Belichtungsmaschine die Schrift mit dort eingebauten Fonts - und das
passt nie - auch wenn die Namen der Schriften gleich sind!
Es gibt die Möglichkeit, Schriften auch einzubetten - aber erstens wird
dann die Datei deutlich größer und zweitens ist auch das kein Allheilmittel.

Seitenlayout
Wenn ihr kein "Profiprogramm" wie bsw. Adobe Indesign verwendet ist es
wichtig zu wissen, dass der Ausdruck Übermass haben muss und ein paar
wichtige Zeichen auf dem Rand stehen sollten: Passkreuze, Schnittmarken,
Farbmarkierungen. Die Druckertreiber von Adobe können das automatisch
setzen, viele andere Programme jedoch nicht.
Wenn ihr also ein Druckwerk erstellt, so passt die Seitengröße nicht der
späteren Ausgabe-Größe an, sondern etwa rund herum 1 - 1,5 cm mehr. Nun
braucht man natürlich einen optischen Anhaltspunkt, wie die Grafik
später fertig aussehen soll. Bitte legt keine sichtbaren Rahmen
drumherum - das sieht nicht nur bescheiden aus (Trauerrand) sondern
bringt zusätzliche Probleme: so genau kann man gar nicht schneiden und
das Auge erkennt auch die kleinsten Unterschiede!
Arbeitet mit Hilfslinien oder legt einen Rahmen auf eine eigene Ebene,
die später nicht mitgedruckt wird!
Dann fügt Passkreuze (Kringel mit Kreuzen drin teilweise ausgefüllt)
hinzu (daran wird später die Druckmaschien ausgerichtet - damit die
Farben passen) und Schnittmarken. Das sind kleine Striche außerhalb der
Zeichnung (etwa 2mm vom späteren Rand weg), die im Grunde genommen den
späteren Ausschnitt markieren. Sie werden zum Schneiden benutzt.
Wichtig: Alle randnahen Farben, Flächen oder Grafikobjekte sollen/müssen
 über den Rand hinausreichen (2-3 mm), damit beim späteren Schneiden
nicht weisse Stellen übrigbelieben (BLitzer).

Ausgabemedium:
Alles, was in den Print geht, sollte als skalierbare Vektorgrafik
angelegt sein. Dadurch entfallen die "Treppenstufen" und man kann
korrigieren. OK, bei Pixelbildern geht das natürlich nicht - aber bei
allen anderen.
Alle Druckereien mögen heute sehr gerne PDF-Files, nur sind das nicht
die  allseits bekannte PDF-Dateien aus OOo! Wenn eine Druckerei von
PDF-Dateien spricht, meint sie die mit dem Adobe Destiller erzeugten
Druckdateien - und nur die! OK, auch andere Programme können solch eine
Ausgabe hinbekommen, aber so viel sind das auch nicht. Also wichtig: PDF
ist nicht gleich PDF! Nachdem nun fast alle Druckereien meist eigene
Grafikabteilungen haben und Nachbesserungen bzw. Anpassungen vornehmen
können, reicht es manchmal auch, die Orginaldateien zu senden.  Aber:
Draußen gibt es fast nur die folgenden Programme: Adobe Photoshop,
Indesign, Quark XPress, Freehand, und inzwischen oft auch Corel Draw.
Arbeitet ihr also mit diesen Programmen, so macht es durchaus Sinn, die
Orginaldateien zu übergeben - dann allerdings unbedingt auch die Schriften!
In allen anderen Fällen: PDF oder ersatzweise EPS (ein verkapeltes
Postskript-Format, Vektorgrafiken). Mit EPS Dateien kann fast jeder
umgehen - und manche Programme können die sogar wieder interpretieren.
In der Regel werden aber EPS Dateinen von Programmen nur als "leerer
Kasten" dargestellt, es fehlt also die Kontrolle, was wirklich drin ist.
Hier kann man entgegenwirken, indem man eine EPS mit Tiff Vorschau
erstellt - jetzt wird neben dem eingentliche Postscript-File auch ein
minder auflösendes Tif-Bildchen (Pixelgrafik) erstellt und mitgeliefert.
Diese Pixelgrafik sieht man dann auf dem Bildschirm -kein Anhaltspunkt
der Qualität, sondern nur des Inhalts.
Die EPS Datein werden erst im Belichter interpretiert und aufgelöst.
Aber auch hier gibt es unterschiedliche Versionen. PostScipt 1.1 (heute
kaum noch genutzt) , PS 1.2, PS 1.3, x-PDF ... Neuere Versionen bieten
meist zusätzliche Features, üblich ist heute der 1.3 Standard, muss aber
im Einzelfall mit der Herstellerfirma abgestimmt werden.
Auch wichtig: Die EPS Dateine sind "endgültig", darum kümmert sich
niemand mehr. Hier muss alles passen, die Grafiken müssen CMYK, meist
300 dpi sein, Schriften entweder eingebettet oder umgewandelt und so
weiter.

Auflösung
Alle Druckfiles sollten mit mindestens 300 dpi (dots per inch) angelegt
werden, und das ist insbesondere bei Grafiken wichtig. Bildschirmbilder
haben in der Regel nur 72/96 dpi (mehr kann ein Bildschirm nicht
anzeigen), für den Druck eindeutig zu wenig. Auch hier muss das Bild
entsprechend umgewandelt werden (Photoshop, Gimp) und erst dann in das
Layoutprogramm eingefügt werden. Achtung: Viele Programme binden die
Grafik nicht komplett ein sondern verknüpfen nur. Dann muss natürlich
die Orginalgrafik ebenfalls mit zur Druckerei - mit passenden Pfaden.

Projekte
Wer ein Projekt beginnt, ist auch meist verantwortlich für spätere
Änderungen. Nur er hat alle Resourcen, alle Programmeinstellungen und
die Details. Es ist schwierig, ein Projekt auf unterschiedlichen
Rechnern zu verwirklichen (Zuarbeit einmal abgesehen). Also: Sichert
häufig, und seid bereit, Änderungen einzubauen - auch längerfristig.

Programme
Bei soviel Anforderungen ein paar Sätze zu den möglcihen Programmen:
Völlig ungeeignet sind Programme wie OpenOffice.org oder MS Office. Die
haben nicht die geeigneten Ressourcen.
Profiprogramme sind:
Adobe Indesign (Seitenlayout), Quark XPress (Seitenlayout), Adobe
FrameMaker(Bücher), Adobe PhotoShop (Bilder), Adobe Illustrater
(Vektorgrafiken), Makromedia Freehand (Vektorgrafiken) und mit
Abstrichen Corel Draw. OK, alles keine preiswerten Programme :-)

Aus der freien Szene:
Gimp (Bildbearbeitung), Scribus (Seitenlayout), Inkscape (Vektorgrafik)
Ich denke, dieses Dreigespann deckt alle Erfordernisse ab - aber leider
auch nur mit einschränkungen.
Gimp: hervorragende Pixelbild-Bearbeitung, allerdings Schwerpunkt RGB,
kann jetzt auch CMYK, muss aber manuell eingestellt werden!
Scribus: Sehr gute Druckvorstufe, professionelles Schriftbild und
Features, das ideale Satzprogramm. Schwächen bei sehr großen Dokumenten,
selbstdefinierten Übergrößen und Details. Ist noch teilwiese instabil
und "mäkelig" bei unsauberen Schriftfonts. Beim SVG Import noch
Schwächen (keine Ebenen, manche Features fehlen)
Inkscape: Führendes freies Vektorzeichenprogramm. Erstellt aber nur SVG
Dateien und EPS (Kein PDF Export), ist sehr weit im SVG, dadurch aber
meist inkompatibel zu anderen Programmen. Wenn amn Grafiken dort
erstellt, sollte man nicht alles mögliche nutzen - sondern konservativ
arbeiten und "SVG plain" nutzen - das verstehen die meisten Programme.

Zusätzlich:
Gostsript/GSView zur Überprüfung und Ansicht von EPS/PS Dateien, Adobe
Acrobat Reader in Version 7 + - Für PDF Überprüfung.

Som, das ist nicht vollständig, aber ein erster Ansatz. Werde den
Artikel irgendwo mal verlinken - für die Zukunft.

Viele Grüße
Thomas

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