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MorgenWelt HEUTE vom 22.2.2001
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1. Reissen statt Zerbeissen
2. Gene des Lepra-Erregers entschluesselt
3. Raetselhafte Steine auf dem Mars
4. Aale bleiben heimattreu
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Reissen statt Zerbeissen

Neue Erkenntnisse ueber die Fressgewohnheiten des Allosaurus hat 
eine britische Forscherin jetzt vorgelegt. Dazu wurde der Schaedel 
eines Allosaurus fragilis mit Hilfe der Computer-Tomografie 
eingescannt und im Rechner nachgebaut. Mit einem Programm, 
das normalerweise Ingenieure zum Konstruieren nutzen, konnten 
die Kraefte des Kiefers berechnet werden. 

Der Schaedel des Allosaurus war sehr schlank und gross, dank 
mehrerer Loecher - so genannter "Schaedelfenster" - zugleich 
auch recht leicht. Die Rekonstruktion ergab, dass der Schaedel 
ueber eine sehr kompakte und kraeftige Muskulatur verfuegt haben 
muss. Die 80 oder mehr Zaehne konnten dagegen nur ueberraschend 
schwach zubeissen, schreibt die Forscherin in der heutigen 
Ausgabe von "Nature". Sie kommt zu dem Schluss, der Allosaurus 
habe seiner Beute Fleischstuecke aus dem Koerper gerissen, 
aber nicht wie etwa der Tyrannosaurus rex ganze Knochen durch-
beissen koennen. Das Gebiss des Tyrannosaurus war schwerer, 
konnte aber auch mindestens viermal so kraeftig zubeiss
en.

Weil der Kopf so leicht war, konnte Allosaurus wahrscheinlich 
sehr schnell auf seine Beute zustossen. Zu seinen Opfern sollen 
nicht nur kleinere Tiere gehoert haben. Auch wesentlich groesseren 
Pflanzenfressern hat er vermutlich schwere Wunden zugefuegt und 
sie so geschwaecht. Trotz fehlender Kieferkraft duerfte sich der 
Jaeger an doppelt so grosse Opfer herangewagt haben.

Quelle: Nature, 22.2.01
Forschung: Emily J. Rayfield, Department of Earth Sciences, 
University of Cambridge, in Nature Vol. 409, No. 6823, pp 1033-1037 
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Gene des Lepra-Erregers entschluesselt
 
Einer internationalen Forschergruppe ist es gelungen, die Gene 
des Lepra-Erregers (Mycobacterium leprae) zu entschluesseln. 
Dabei wurde unter anderem entdeckt, dass der Erreger im Laufe der 
Evolution mehr Gene verloren hat als jeder bisher untersuchte 
Organismus. Das Bakterium nistet sich in weissen Blutkoerperchen 
und im Unfeld von Nerven ein. Es waechst sehr langsam und teilt 
sich nur etwa alle 14 Tage.

Viele Lepra-Gene sind offenbar gar nicht aktiv, sagen jetzt die 
Forscher. Darunter sollen sich auch Informationen zur Zellatmung 
befinden, die bei Erregern normalerweise lebenswichtig sind. 
Dies ergaben Vergleich mit der Tuberkulose, einem genetisch nahe 
Verwandten der Lepra. Die Forscher sehen in der Beschraenkung 
auf vergleichsweise wenige Gene einen Beleg fuer die hohen 
Spezialisierung des Bakteriums. 
 
Die Wissenschaftler hoffen, jetzt neue Medikamente gegen die Lepra 
entwickeln zu koennen. Bekannt ist das Bakterium seit 1873. 
Trotzdem sind wichtige Informationen, so etwa seine UEbertragungswege, 
noch immer unbekannt. Lepra kann nicht geheilt, sondern nur gestoppt 
werden.

Quelle: Nature, 22.2.2001 
Forschung: Stewart T. Cole, Pasteur-Institut Paris, K. Eiglmeier, 
J. Parkhill, in Nature Vol. 409, Nr. 6823, pp 1007-1011
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Raetselhafte Steine auf dem Mars

Ein Haufen dunkler Steine verwirrt die Planetenforscher. Die Steine 
befinden sich auf der Nilosyrtis-Hochebene auf dem Mars und sind 
wesentlich dunkler als ihre Umgebung. Sie wurden zufaellig im Rahmen 
eines Schuelerprojekts entdeckt. In dem Projekt hatten Kinder im 
Alter von 10 bis 16 Jahren die Gelegenheit, Bilder der Sonde "Mars 
Global Surveyor" auszuwerten. Die Wissenschaftler der Nasa sind 
ueber die Entdeckung verbluefft. Sie haben noch keine Erklaerung 
fuer die Herkunft der Steine. 

Die dunklen Brocken sind 15 bis 25 Meter gross, die meisten von 
ihnen befinden sich in einem rund 200 Meter grossen Gebiet. Weitere 
Steine sind entlang eines etwa einen Kilometer langen Streifens 
verteilt. Da sich die Steine auf abschuessigem Gelaende befinden, 
koennte sich ihre Verteilung nach Ansicht der Forscher durch 
Zerfall- und Verwitterungsprozesse erklaeren lassen. Der Ursprung 
des dunklen Materials sei jedoch voellig unklar. 

Der Mars Global Surveyor, der die Steine fotografiert hat, umkreist 
bereits seit September 1997 den roten Planeten. Die amerikanische 
Sonde dient vor allem einer vollstaendigen Kartografierung der 
Marsoberflaeche mit hoher Aufloesung.

Quelle: NASA/JPL, 22.2.01 
Forschung: Projekt "Red Rover Goes to Mars" und JPL/NASA
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Aale bleiben heimattreu
 
Alljaehrlich ziehen geschlechtsreife Aale aus Europa, Nordafrika 
und Nordamerika zur Paarung in die Sargassosee. Diese liegt im 
nordamerikanischen Becken des Atlantischen Ozeans. Bislang hatte 
man angenommen, dass hier ein reger Genaustausch stattfindet, 
wenn Aale aus verschiedenen Regionen sich paaren. Dem ist aber 
nicht so, fanden deutsche und kanadische Biologen jetzt heraus. 
Anscheinend paaren sich Aale bevorzugt mit Aalen aus dem gleichen 
Gebiet. 

Die Forscher analysierten bestimmte Regionen aus dem Aal-Erbgut, 
die als Mikrosatelliten bezeichnet werden. Zu ihrer Ueberraschung 
fanden sie, dass anhand der Laenge dieser Mikrosatelliten gesagt 
werden konnte, woher ein Aal stammte. Damit nicht genug: Die 
Laengenunterschiede waren zudem um so groesser, je weiter die 
Herkunftsregionen der Aale geografisch voneinander getrennt waren. 

Als Begruendung schlagen die Forscher eine einfache Erklaerung vor: 
Je nach Herkunftsregion brauchen die Aale schlicht unterschiedlich 
lang fuer ihre Reise ins Sargassomeer. Daher kommen beispielsweise 
Aale aus Norwegen erst dann im Paarungsgebiet an, wenn ihre 
franzoesischen Artgenossen schon laengst abgelaicht haben. Und daher 
bleibt ihnen gar nichts anderes uebrig, als sich wieder mit ihren 
nordeuropaeischen Vettern einzulassen.
 
Quelle: Nature, Vol. 409, No. 6823, 22.2.01, pp 1037-1040 
Forschung: Thierry Wirth, Max-Planck-Institut fuer Infektionsbiologie, 
Berlin, und Louis Bernatchez, Université Laval, Quebec
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