MORGENWELT NACHRICHTEN ------------------------------------------------------- MORGENWELT gibt es nur im Internet unter http://www.morgenwelt.de ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt HEUTE vom 1.3.2001 ------------------------------------------------------------------- 1. Eis-Vulkanismus auf Jupitermond 2. Fisch-Fossil erhellt Wirbeltier-Evolution 3. Schmelzen ohne Hitze 4. Auf Computer einreden ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Eis-Vulkanismus auf Jupitermond Die Oberflaeche des Jupitermondes Ganymed wurde wesentlich durch Vulkanismus gepraegt. Allerdings stroemte dabei nicht Lava, sondern Eis an die Oberflaeche. Das glauben amerikanische Planetenforscher, die Aufnahmen der Jupitersonden Voyager und Galileo zu stereokopischen Bildern kombinierten. So konnten sie den Hoehenverlauf verschiedener Regionen auf der Oberflaeche von Ganymed kartieren. Dabei zeigte sich, dass es sich bei bestimmten, hellen Regionen um mit Wassereis gefuellte, tiefliegende Gebiete - so genannte "Troege" - handelt. Aus der Analyse der Raender glauben die Forscher eine Vergletscherung ausschliessen zu koennen. Es muesse sich um Material gehandelt haben, das wie Lava geflossen sei. Die Wissenschaftler glauben daher, dass das Eis durch tektonische Aktivitaet als matschiges Wasser-Eis-Gemisch an die Oberflaeche getreten ist. Das Alter der Eisregionen wird von den Forschern auf etwa eine Milliarde Jahre geschaetzt. Quelle: Nature, 1.3.01 Forschung: Paul M. Schenk, Washington University, St. Louis, in Nature Vol. 410 No. 6824 p 57-60 ------------------------------------------------------------------- Fisch-Fossil erhellt Wirbeltier-Evolution Die evolutionaeren Wurzeln aller Wirbeltiere gehen auf die Fische zurueck. Doch obwohl schon zahllose fossile Fische gefunden wurden, weist der gemeinsame Stammbaum noch immer viele Luecken auf. Britische und chinesische Forscher glauben jetzt, dem Evolutionspuzzle ein weiteres Steinchen einfuegen zu koennen. Sie entdeckten im suedlichen China einen bisher unbekannten, rund 400 Millionen Jahre alten Fleischflosser aus dem Devon. Das Fossil ueberraschte die Forscher vor allem durch seine Verwandtschaft zu den heutigen Haien. Der fossile Fisch besitzt naemlich im Auge eine spezielle, nur vom Hai bekannte Gewebestruktur, die den Augapfel haelt. Die Vorlaeufer des Haies hatten aber bereits Millionen Jahre frueher den gemeinsamen Stammbaum in einem eigenen Zweig verlassen. Die Forscher spekulieren nun, die fruehen Fische koennten Gemeinsamkeiten laenger geteilt haben als bisher vermutet. Moeglicherweise war die Spezialisierung der verschiedenen Arten weniger ausgepraegt als gedacht. Schliesslich glauben die Forscher sogar, in China wegen der zahlreichen Funde die Wiege der Wirbeltiere ausmachen zu koennen. Quelle: Nature, 1.3.01 Forschung: Per Erik Ahlberg, Natural History Museum London, Xiaobo Yu, Kean University, New Jersey, in Nature Vol. 410 No. 6824 p 81-84 ------------------------------------------------------------------- Schmelzen ohne Hitze Physikern in Jena ist es gelungen, die Oberflaeche eines Quarzkristalls allein durch elektromagnetische Energie zu schmelzen. Eine nicht mal tausendstel Millimeter dicke Schicht schmolz unter einem Laserstrahl, bevor sie sich erhitzen konnte. Damit haben die Forscher erstmals nachgewiesen, dass es so etwas wie eine solche nichtthermische Schmelze ueberhaupt gibt. Zum Einsatz kam ein extrem kurzer Laser-Impuls von 100 bis 200 Femtosekunden. Diese Zeit ist kuerzer als der Billionste Teil einer Sekunde. Dass ein so kurzer Impuls bereits ausreicht, um die Atome an der Kristalloberflaeche in Bewegung zu bringen, ueberraschte selbst die Experten. Eine Hitzentwicklung findet erst nach etwa zehn Picosekunden, also nach zehn Billionstel Sekunden, statt. Interessant sind ihre Arbeiten vor allem fuer viele andere Forschungsgebiete in der Chemie, der Physik und auch der Strukturbiologie. Mit derartig kurz gepulsten Laser- und Roentgenstrahlen koenne man quasi in Zeitlupe ultraschnelle Prozesse in der Natur beobachten, sagen die Forscher. Quelle: Friedrich-Schiller-Universitaet Jena, 28.2.01 Forschung: Dr. Udo Uschmann, Prof. Dr. Eckhart Foerster, Forschungsgruppe Roentgenoptik, in in Nature 1.3.01, Vol. 410 No. 6824 p 65-68 ------------------------------------------------------------------- Auf Computer einreden Vermutlich hat jeder Computerbesitzer sich schon einmal gewuenscht, sein Rechner moege ihn verstehen. Diesen Wunsch glaubt eine israelische Software-Firma jetzt erfuellen zu koennen. Ihr Programm lernt eine Sprache auf aehnliche Weise wie menschliche Kinder, naemlich durch Zuhoeren, Nachahmen und Rueckmeldungen von den "Eltern". Bislang arbeiteten Sprachprogramme mit statistischen Techniken, die Wortlisten mit vorprogrammierten grammatischen Strukturen verknuepfen. Das neue Programm dagegen ist mit einer grossen Zahl von Lernalgorithmen ausgestattet. Es lernt, indem ihm - per Tastatur - Kindergeschichten erzaehlt werden. Wie menschliche Kinder auch gibt das Programm von Zeit zu Zeit seinen Kommentar zu der Handlung ab und erwartet eine Rueckmeldung vom Erzaehler. Anhand dieser Rueckmeldungen verfeinert es seine Sprachfaehigkeiten immer mehr. Nach Angaben der Firma ist das Programm mittlerweile auf dem sprachlichen Niveau eines fuenfzehn Monate alten Saeuglings angelangt. Eine echte Unterhaltung sei vermutlich moeglich, wenn das Sprach- verstaendnis auf das Niveau eines fuenfjaehrigen Kindes gesteigert werden koenne. Moeglicherweise koenne das Programm dann sogar einen Sinn fuer Humor besitzen. Quelle: New Scientist Online News, 28.2.01 Forschung: Jason Hutchens, Artificial Intelligence Enterprises (Ai), Tel Aviv, Israel ------------------------------------------------------------------- Weitere Tages-Meldungen der MorgenWelt-Redaktion finden Sie online unter http://www.morgenwelt.de/nachrichten Die MorgenWelt gibt es auch in einer englischen Ausgabe: http://www.futureframe.de ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- MORGENWELT, alle Rechte - auch der auszugsweisen Verwertung - vorbehalten. ------------------------------------------------------------------- Redaktion: Stefan Jacobasch, Carsten Meinke Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser ------------------------------------------------------------------- Homepage: http://www.morgenwelt.de Wissenschaft: http://www.morgenwelt.de/wissenschaft Kultur: http://www.morgenwelt.de/kultur Presseschau: http://www.morgenwelt.de/presseschau Archiv: http://www.morgenwelt.de/archiv ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt wird herausgegeben von: Volker Lange MorgenWelt e.V. 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