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MorgenWelt HEUTE vom 2.5.2001
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1. Erkennen sich Delfine im Spiegel?
2. Bundesregierung beschliesst "Nationalen Ethikrat"
3. Rotierendes Schwarzes Loch entdeckt
4. Haendigkeit des Lebens: Waehlerischer Kalk
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Erkennen sich Delfine im Spiegel?

Sich selbst im Spiegel zu erkennen, ist eine im Tierreich nur 
sehr selten anzutreffende Faeigkeit. Bisher wird diese Stufe der 
Selbsterkenntnis nur Menschen und einigen Affenarten zugestanden. 
Die meisten Tiere ignorieren sich selbst im Spiegel oder reagieren 
auf das Bild wie auf ein fremdes Tier. Doch jetzt berichten 
amerikanische Meeresforscher, auch Delfine koennten sich selbst 
im Spiegel erkennen.

Dr. Diana Reiss und ihre Kollegen am New Yorker Aquarium hatten 
mit zwei Delfinen experimentiert, die sie spielerisch mit Farbzeichen 
markierten. Teilweise wurde die Markierung auch nur mit Wasser 
anstelle von Tinte vorgetaeuscht, um die Reaktion der Delfine zu 
testen. Die beiden Tiere seien jeweils zum Spiegel geschwommen, 
um ihre Markierung zu betrachten, berichten die Wissenschaftler. 
Sie interpretieren dieses Verhalten als Faehigkeit, sich selbst 
und andere Lebewesen als Individuen zu begreifen.

"Die Versuche werden Diskussionen ueber die Evolution des Gehirns 
anregen", erwartet Dr. Reiss. Die Hirnentwicklung von Delfinen und 
Primaten geht naemlich auf rund 60 Millionen Jahre alte gemeinsame 
Wurzeln zurueck. Die Faehigkeit zur Selbstwahrnehmung koennte bereits 
vor 60 Millionen Jahren angelegt gewesen sein, spekulieren die 
Delfin-Forscher. Erst spaeter trennten sich die Wege: Bei Primaten 
bildeten sich Stirnlappen, die den Delfinen fehlen, waehrend diese 
zusammen mit den Walen ganz eigene Auspraegungen im Neocortex 
hervorbrachten. 

Kritiker der These bezweifeln allerdings, dass der Spiegeltest 
derart weitreichende Schlussfolgerungen zulaesst. Erkennen sich 
die Delfine womoeglich gar nicht? Nachdenklich stimmen Versuche 
mit Papageien, die Dr. Irene Pepperberg von der University of Arizona 
ebenfalls zum Spiegeltest herangezogen hatte. Die Voegel konnten bis 
zu 50 verschiedene Gegenstaende im Spiegel identifizieren. 
Sich selbst erkannten sie trotzdem nicht.
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Bundesregierung beschliesst "Nationalen Ethikrat"

Die Bundesregierung hat heute die Einrichtung eines Nationalen 
Ethikrats beschlossen. Dieser soll sich als Experten-Gremium mit 
moralischen Fragen und Grenzen der Bio- und Gentechnik beschaeftigen. 
Der Rat werde Regierung und Parlament beraten, heisst es im 
Gruendungskonzept. Das Gremium solle auch Einfluss auf konkrete 
politische Entscheidungen nehmen, sagte Bundeskanzler Schroeder. 

Der Ethikrat werde kein geschlossener Zirkel sein, so der Kanzler, 
sondern ein Forum des Dialogs, in dem sich die verschiedenen 
wissenschaftlichen, gesellschaftlichen, philosophischen und 
theologischen Positionen wiederfinden sollen. "Ich bin sicher," 
sagte der Kanzler in Berlin, "dass der nationale Ethikrat dazu 
beitragen wird, die Diskussion um die Gentechnik viel intensiver 
und viel transparenter als bisher zu fuehren."

Der Nationale Ethikrat wird vom Bundeskanzler auf vier Jahre berufen. 
Er besteht aus 23 Mitgliedern (Liste unter 
http://www.morgenwelt.de/news/9888148657363.shtml )
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Rotierendes Schwarzes Loch entdeckt 
 
Dem amerikanischen Astronomen Tod Strohmayer ist es gelungen, 
die Rotation eines Schwarzen Lochs nachzuweisen. Der am Goddard 
Space Flight Center der amerikanischen Raumfahrtbehoerde Nasa 
taetige Forscher spuerte mit Hilfe eines Roentgensatelliten 
charakteristische Strahlungsimpulse auf, die sich nur durch die 
extrem schnelle Drehung des Schwarzen Lochs erklaeren lassen.

"Praktisch jeder Himmelskoerper rotiert: Planeten, Sterne, Galaxien", 
erlaeutert Strohmayer, "doch bei Schwarzen Loechern ist es sehr viel 
schwerer, diese Drehbewegung zu beobachten, denn sie haben keine 
feste Oberflaeche." Die Astronomen koennen ihre Schluesse deshalb 
nur aus der Strahlung ziehen, die von der Materie ausgesendet wird, 
die in das Schwerkraft-Monster hineinfaellt.

Das von Strohmayer beobachtete Schwarze Loch mit der Katalogbezeichnung 
GRO J1655-40 besitzt die siebenfache Masse unserer Sonne. Es handelt 
sich um den UEberrest eines grossen Sterns, der durch eine Supernova-
Explosion zerstoert wurde. Die Reste des Sterns sind nach der 
Explosion haltlos zu einem Schwarzen Loch zusammengestuerzt, einer 
Schwerkraftfalle, deren immensen Anziehungskraft nicht einmal 
Strahlung zu entkommen vermag.

Die von Strohmayer mit Hilfe des Roentgensatelliten "Rossi Explorer" 
aufgespuerten Strahlungsimpulse haben ihren Ursprung in heisser 
Materie, die auf spiralfoermigen Bahnen in das Schwarze Loch 
hineinstuerzt. "Die Rotation des Schwarzen Lochs verzerrt die 
Struktur des Raums in seiner Umgebung", so der Astronom. 
Dadurch bekommen die Strahlungsimpulse eine besondere Form, 
aus der sich auf die Drehung des Schwarzen Lochs schliessen laesst.
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Haendigkeit des Lebens: Waehlerischer Kalk 
 
Schlichter Kalkstein koennte entscheidend an der Entstehung des 
Lebens beteiligt gewesen sein. Darauf deuten Versuche hin, die 
Geowissenschaftler der Carnegie Institution in Washington jetzt 
durchgefuehrt haben. Demnach koennten Kalk und andere Minerale 
dafuer gesorgt haben, dass die heutigen Organismen fast 
ausschliesslich mit nur einer von zwei moeglichen Molekuelformen 
arbeiten.

Ausgangspunkt dieser These ist die Tatsache, dass Aminosaeuren 
und Zucker in zwei Varianten vorkommen. Deren Zusammensetzung ist 
zwar absolut identisch, ihre Bausteine sind jedoch spiegelbildlich 
zueinander angeordnet. Daher lassen sie sich - wie eine linke und 
eine rechte Hand - auch durch Drehen und Wenden nicht zur Deckung 
bringen. Die belebte Natur nutzt jeweils nur eine dieser 
Molekuelformen. Wie diese Haendigkeit des Lebens in einer verduennten 
"Ursuppe" entstanden sein koennte, ist jedoch schleierhaft.

"Seit den bahnbrechenden Experimenten Stanley Millers in den 50er 
Jahren wissen wir, dass Aminosaeuren auch praebiotisch relativ 
leicht entstehen", erlaeutert Robert Hazen, einer der Forscher. 
"Die wahre Herausforderung ist nun, wie diese Aminosaeuren 
aufkonzentriert und [nach ihrer Form] selektiert werden."

In den "Proceedings of the National Academy of Sciences" berichten 
die Forscher, dass die zwei spiegelbildlichen Formen der Aminosaeure 
Aspartat sich bevorzugt an verschiedenen Flaechen eines Calcit-
Kristalls anlagern. Sie glauben, dass die ersten Molekuele des 
Lebens auf solchen Mineraloberflaechen entstanden sind. Und indem 
dort nur gleichartige Aminosaeuren miteinander reagierten, koennte 
so die Haendigkeit des Lebens entstanden sein. 
 
"Unsere Experimente zeigen, dass Aminosaeuren auf Calcit-Oberflaechen 
sehr einfach selektiert und aufkonzentriert werden. Weitere Versuche 
werden jetzt zeigen, ob Calcit auch die Bildung von Aminosaeure-Ketten 
foerdert", so Hazen.
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Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser
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