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MorgenWelt HEUTE vom 6.6.2001
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1. Noch immer BSE-Gefahr im Schlachthaus
2. Impfkamapgne gegen Treibhausgase
3. Wie schnell expandiert das Universum?
4. Intuitiver suchen im Netz
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Noch immer BSE-Gefahr im Schlachthaus

In britischen Schlachthaeusern ist die BSE-Gefahr noch nicht gebannt.
Unbelastetes Fleisch kann dort immer noch durch verseuchtes
verunreinigt werden. Vor diesem Risiko haben jetzt Wissenschaftler
der britischen "Royal Society" in einer neuen Studie gewarnt. Sie
kritisieren die Reinigungsmassnahmen der Schlachthoefe als
unzureichend.

Britische Rinder, die aelter als 30 Monate sind und unter
BSE-Verdacht stehen, duerfen nicht zu menschlichen Nahrungsmitteln
verarbeitet werden. Die betroffenen Tiere werden allerdings in
denselben Schlachthoefen wie alle anderen Rinder auch getoetet. Und
genau darin sehen die Forscher ein Gefahren-Potenzial: BSE (Bovine
Spongiforme Enzephalopathie) wird nach bisheriger Kenntnis durch ein
mutiertes Protein, ein so genanntes Prion, ausgeloest. Um eine
Uebertragung krankhafter Prionen auf gesundes Fleisch
auszuschliessen, hat die Europaeische Union eine zeitliche Trennung
verfuegt. Demnach duerfen gesunde und unter BSE-Verdacht stehende
Rinder nicht am selben Tag geschlachtet werden.

Als Vorsichtsmassnahme reiche dies aber nicht aus, befinden jetzt die
Forscher in ihrer Studie. "Wir muessen sicher sein koennen, dass von
Schlachtbaenken und Werkzeugen keine Infektionsgefahr ausgeht",
mahnte Prof. Brian Heap, Vize-Praesident der "Royal Society", bei der
Vorstellung der Studie in London. Die krankhaften Prionen koennten
selbst 600 Grad Hitze ueberstehen und seien daher durch herkoemmliche
Reinigung und Sterilisation nicht abzutoeten. Zur Beseitigung von
potenziellen BSE-Schlachtabfaellen seien daher entweder spezielle
fleischfressende Bakterien oder eine Vakuum-Verbrennung bei 850 Grad
Celsius ratsam.

Die Forscher erinnern zudem daran, dass noch immer ueber 430.000
Tonnen potenziell verseuchtes Fleisch und Knochenmehl in britischen
Lagerhaeusern auf ihre Vernichtung warten. Auch diese Altlasten
muessten endlich sicher beseitigt werden.
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Impfkamapgne gegen Treibhausgase

Auf ungewoehnliche Weise will Australien den Methanausstoss seiner
Viehbestaende senken. Im Rahmen einer grossangelegten Impfkampagne
soll die Zahl methanproduzierender Mikroben im Verdauungstrakt der
Tiere reduziert werden. Wie die nationale Forschungsorganisation
CSIRO meldet, haben australische Farmer bereits ueber 600.000 Schafe
und 400.000 Rinder fuer das Impfprogramm angemeldet.

Methan ist ein rund zwanzig Mal staerkeres Treibhausgas als
Kohlendioxid. Ein grosser Teil des Gases gelangt aus Rindern und
Schafen in die Atmosphaere. Produziert wird es von Mikroben, die im
Pansen der Tiere leben. "Schafe und Rinder sind fuer rund 14 Prozent
aller Treibhausgas-Emissionen Australiens verantwortlich, gemessen in
Kohlendioxid-AEquivalenten", erlaeutert CSIRO-Mitarbeiter Rob Kelly.

Angesichts der globalen Erwaermung arbeiten australische Forscher
daher schon seit Jahren an Methoden, diese Methanemissionen zu
reduzieren. Wie die Forschungsorganisation berichtet, erbrachten
Versuche mit einem Impfstoff jetzt ermutigende Ergebnisse.

"Basierend auf unseren bisherigen Versuchen mit Schafen erwarten wir,
dass der kommerzielle Impfstoff die Methanemissionen der Tiere um
etwa 20 Prozent senken wird", so Kelly. Dies entspraeche einer
Einsparung von 300.000 Tonnen Kohlendioxid.

"Wir glauben auch, dass die Produktivitaet der Tiere leicht zunehmen
wird. Bei Schafen koennte sogar die Wollproduktion steigen, da Methan
ein Abfallprodukt der Nahrungsverwertung ist. Eine Minderung der
Methanproduktion laesst daher mehr Naehrstoffe fuer das Tier uebrig",
hofft Kelly.

Solche Hoffnungen scheinen auch die australischen Farmer zu hegen.
"Der Ruecklauf, den wir in den letzten Wochen erhalten haben, ist
fantastisch", freut sich Kelly. Bis zum Start des Programms seien
jedoch noch mehr Anmeldungen notwendig. "Unser Ziel sind eine Million
Rinder und zwei Millionen Schafe, die in den Jahren 2005 bis 2012
einmal jaehrlich geimpft werden."
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Wie schnell expandiert das Universum?

"Wir haben es geschafft!" freut sich Wendy Freedman. Nach
elfjaehriger Forschungsarbeit mit dem Weltraumteleskop Hubble glaubt
die amerikanische Astronomin nun die endgueltige Antwort auf eine der
fundamentalen Fragen der Kosmologie gefunden zu haben: Wie schnell
expandiert unser Universum? Ihre Antwort: Mit einer Geschwindigkeit
von 72 Kilometern pro Sekunde je Megaparsec Entfernung.

In den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts entdeckten die
Himmelsforscher, dass der Kosmos nicht statisch, also
unveraenderlich, ist, sondern sich permanent ausdehnt. Demnach, so
schlossen die Astronomen sofort, ist das Universum vor vielen
Milliarden Jahren aus einem extrem heissen und dichten Urzustand -
dem Urknall - entstanden. Aber wann genau war dieser Urknall - und
wie schnell dehnt sich das Universum aus?

Die Beantwortung dieser Frage wurde zu einem der so genannten "key
projects" (Schluesselprojekte) des vor elf Jahren gestarteten
Hubble-Teleskops. Die Astronomen beschreiben die Expansion des Kosmos
mit dem "Hubble-Parameter". Er gibt an, mit welcher Geschwindigkeit
(in Kilometern pro Sekunde) der Abstand zweier ein Megaparsec
voneinander entfernter Objekte durch die Expansion anwaechst. Ein
Megaparsec sind 3,26 Millionen Lichtjahre.

Vor dem Start des Weltraum-Teleskops schwankten die von den
Astronomen ermittelten Werte fuer diesen Hubble-Parameter zwischen 50
und 100.  "Unser Ergebnis liegt ziemlich genau in der Mitte",
erklaert Wendy Freedman. Mit ihrem Team von 15 Astronomen aus den
USA, Kanada und Australien hat sie zahlreiche veraenderliche Sterne -
so genannte "Cepheiden" - in fernen Galaxien untersucht. Aus deren
Helligkeitsschwankungen laesst sich ihre Entfernung bestimmen - und
damit gewissermassen eine Messlatte an den Kosmos anlegen.

Das Ergebnis von Freedman und ihrem Team ist in guter
Uebereinstimmung mit alternativen Verfahren, die auf Untersuchungen
der kosmischen Hintergrundstrahlung basieren. "Wir haben jetzt ein
konsistentes Bild, viele verschiedene Indizien zeigen auf den
gleichen Punkt", so die Forscherin.

Andere Kosmologen mahnen gleichwohl zur Vorsicht. "Konsistent zu sein
ist nicht gleichbedeutend damit, Recht zu haben", meint etwa Edward
Kolb von der Universitaet Chicago. Das Problem sind, so Kolb, die
Cepheiden. Diese veraenderlichen Sterne werden von den Astronomen
immer noch nicht komplett verstanden. So seien systematische Fehler
bei der Bestimmung der Expansionsgeschwindigkeit nicht voellig
auszuschliessen. Das letzte Wort in dieser Frage ist also
moeglicherweise doch noch nicht gesprochen.
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Intuitiver suchen im Netz

Das World Wide Web veraendert sich mit jedem Tag, da staendig Seiten
hinzugefuegt oder wieder geloescht werden. Ordnung in das Chaos
wollen amerikanische Entwickler jetzt mit einer neuartigen
Suchmaschine bringen. Diese gibt ihre Resultate nicht mehr in Form
langer Trefferlisten aus, sondern - der Struktur des WWW entsprechend
- als Grafik eines Netzwerkes.

"Wir glauben, dass es die Art und Weise veraendern wird, wie Leute
Dinge im Netz suchen und lernen", meint Daniel Kauwell vom Beckman
Institute der Universitaet von Illinois. Kauwell ist einer der
Entwickler des auf den Namen "VisIT" getauften Programmes.

"VisIT" stellt die gefundenen Seiten als kleine Symbole dar, die nach
ihrer Herkunft angeordnet sind. Je besser der Inhalt einer Seite mit
der Suchanfrage uebereinstimmt, desto naeher rueckt ihr Symbol zur
Mitte der Grafik. Diese Anordnung kann der Benutzer nach Belieben
veraendern.

Zudem werden Verknuepfungen der Seiten untereinander als Pfeile
zwischen den Symbolen dargestellt. Der Anwender erkennt so auf
Anhieb, auf welche Seite besonders oft verwiesen wird. Vermutlich
enthaelt diese besonders viele und relevante Informationen. Die
Pfeile zeigen ausserdem an, welche Seiten thematisch zusammengehoeren.

Da man ausserdem noch eine beliebige Hintergrundgrafik waehlen
koenne, sei das Programm ein wertvolles Werkzeug fuer die Lehre,
glauben Kauwell und seine Kollegen. Beispielsweise koennte ein
Medizinprofessor eine Suche zu anatomischen Themen durchfuehren und
die Seitensymbole dann so ueber einem anatomischen Bild anordnen,
dass sich weitere Informationen zu der jeweiligen Koerperstruktur
abrufen lassen. In dieser Form koennte er das Ergebnis an seine
Studenten weitergeben.

Eine beta-Version von VisIT fuer Windows-Rechner steht unter
http://www.visit.uiuc.edu zur Verfuegung
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Die MorgenWelt gibt es auch in einer englischen Ausgabe:
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Redaktion: Stefan Jacobasch, Carsten Meinke
Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser
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