MORGENWELT NACHRICHTEN ------------------------------------------------------- MORGENWELT gibt es nur im Internet unter http://www.morgenwelt.de ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt HEUTE vom 8.6.2001 ------------------------------------------------------------------- 1. Baukunst im Hornissennest 2. Braune Zwerge entstehen wie Sterne 3. Max-Planck-Praesident entschuldigt sich bei NS-Opfern 4. Streit um 250 Millionen Jahre alte Bakterien ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Baukunst im Hornissennest Hornissen und Maurer haben anscheinend viel gemeinsam. Israelische und niederlaendische Forscher entdeckten jetzt, dass die Orientalische Hornisse (Vespa orientalis) am Dach jeder einzelnen Brutwabe ein kleines Kristallkoernchen anbringt. Diese Kristalle koennten aehnlich wie ein Senkblei funktionieren, glauben die Forscher. Fruehere Experimente - etwa mit Hornissen in einer Zentrifuge - hatten gezeigt, dass die Insekten sich beim Bau ihrer Waben nach der Schwerkraft richten. Im Jahr 1992 sollte dieses Verhalten sogar unter der Mikrogravitation im Space Shuttle "Endeavour" untersucht werden. Leider starben die meisten der 180 Hornissenweibchen waehrend des Fluges. Jetzt entdeckten Jacob Ishay von der Universitaet Tel Aviv und seine Kollegen auf elektronenmikroskopischen Aufnahmen die Kristalle. Die Koernchen sind etwa einen Zehntel Millimeter gross und bestehen aus Titan, Eisen und Sauerstoff. Auch etwas Kohlenstoff ist enthalten, der aber vermutlich aus dem Speichel stammt, mit dem die Insekten die Kristalle befestigen. Die Herkunft der Steinchen ist noch nicht geklaert: "Wir glauben, dass die Hornissen die Kristalle in der Umgebung einsammeln. Es ist aber auch moeglich, dass sie diese selbst produzieren, da Titan und Eisen im Hornissenkoerper vorhanden sind", schreiben die Forscher in "Nature". Auch ueber den Sinn dieser Kristalle koennen die Forscher bislang nur spekulieren. Zwar sind die Kristalle magnetisch, vermutlich spielt ihr Gewicht aber die Hauptrolle. Wenn die Tiere die Waben mit den Beinen betrommeln, vibrieren die Kristalle anders als das uebrige leichte Baumaterial. So koennten die Hornissen die Ausrichtung der Waben zur Schwerkraft ermitteln und auch in der Dunkelheit des Nests praezise neue Waende einziehen. ------------------------------------------------------------------- Braune Zwerge entstehen wie Sterne Braune Zwerge entstehen wie Sterne durch den Kollaps von Gaswolken. Das ist das wichtige Ergebnis einer Untersuchung von Braunen Zwergen im Orion-Nebel durch ein internationales Team von Astronomen. Die Forscher unter der Leitung von Jo�o F. Alves von der Europaeischen Suedsternwarte ESO beobachteten ueber 100 dieser Himmelsobjekte mit dem 3,5 Meter grossen New Technology Telescope der ESO auf dem Berg La Silla in Chile. Braune Zwerge sind eine Art "verhinderter" Sterne: Ihre Masse, die zwischen der 10fachen und der 70fachen Masse des Planeten Jupiter liegt, reicht nicht aus, um in ihnen dauerhaft das Feuer der Kernfusion zu entzuenden. Bislang war nicht klar, ob diese Winzlinge wie Sterne beim Kollaps von Gaswolken entstehen, oder sich aehnlich wie Planeten in rotierenden Scheiben um Sterne bilden. Die neue Untersuchung brachte nun Klarheit. Wie die Infrarot-Beobachtungen von ueber hundert Braunen Zwergen im 1.200 Lichtjahre entfernten Trapez-Sternhaufen im Orion-Nebel naemlich zeigen, besitzen mindestens die Haefte dieser Objekte so genannte "protoplanetarische Staubscheiben". Solche Staubscheiben sind typisch fuer junge Sterne - nach Auffassung der Forscher ein eindeutiges Indiz, dass die Braunen Zwerge auf aehnliche Weise entstehen, wie massereichere Sterne. Wie Sterne koennten demnach auch Braune Zwerge Planeten besitzen, erlaeutert Jo�o Alves: "Es ist denkbar, dass die Milchstrasse zahlreiche Planetensysteme um kalte, dunkle, verhinderte Sterne beherbergt." ------------------------------------------------------------------- Max-Planck-Praesident entschuldigt sich bei NS-Opfern Der Praesident der Max-Planck-Gesellschaft, Hubert Markl, hat sich bei den Opfern einer verbrecherischen Wissenschaft im Nationalsozialismus entschuldigt. Anlaesslich des Berliner Symposiums "Biowissenschaften und Menschenversuche an Kaiser-Wilhelm-Instituten - Die Verbindung nach Auschwitz" bat Markl um Verzeihung fuer das Leid, das den Opfern dieser Verbrechen im Namen der Wissenschaft zugefuegt worden sei. In einer Erklaerung schreibt die renommierte Max-Planck-Gesellschaft, sie sei zwar erst 1948 als neue Forschungsorganisation gegruendet worden. Aufgrund vielfaeltiger personeller und ideeller Verflechtungen habe man damals jedoch das Erbe der im Jahr 1911 gegruendeten Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft angetreten. Inzwischen seien Belege fuer eine geistige und teilweise auch aktive Mitwirkung von Mitarbeitern dieser Gesellschaft an NS-Verbrechen vorgelegt worden. Dies betreffe vor allem die Rassenpolitik der Nationalsozialisten. Markl entschuldigte sich auch dafuer, dass die Max-Planck-Gesellschaft lange Zeit nur wenig zur Aufklaerung der Geschichte ihrer Vorgaenger-Organisation unternommen und sich zu spaet ihrer historischen Verantwortung gestellt habe. Nun wolle die Gesellschaft nach Kraeften zur Aufklaerung der Geschichte der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft in der Zeit des Nationalsozialismus beitragen. ------------------------------------------------------------------- Streit um 250 Millionen Jahre alte Bakterien Ist es moeglich, dass Bakterien in Salzkristallen eingeschlossen werden und dann schlafend 250 Millionen Jahre ueberdauern? Ueber diese Frage streiten derzeit amerikanische und israelische Molekularbiologen. Der Befuerworter der Ueberlebensthese, Russell Vreeland von der West Chester University, Pennsylvania, hatte im letzten Jahr fuer Aufsehen gesorgt. In 250 Millionen Jahre altem Salzgestein, das in New Mexiko aus 610 Metern Tiefe ans Licht geholt worden war, wollte er die umstrittenen Einzeller ausgemacht haben. Nach der Befreiung aus dem Kristall habe er die kleinen Schlaefer in waessriger Salzloesung zu neuem Leben erweckt, berichtete Vreeland damals. Die Fachwelt war von dem Bakterium der neuen Art 2-9-3 begeistert, denn so altes Leben hatte noch kein Forscher vor Vreeland praesentieren koennen. Das bis dahin aelteste lebende Bakterium stammt aus Sporen, die vor 25 bis 40 Millionen Jahren in Bernstein eingeschlossen worden waren. Zwei israelische Experten stellen die Auferstehung der Salzbakterien jetzt im Fachblatt "Molecular Biology and Evolution" in Frage. Prof. Dan Graur und Dr. Tal Pupko von der Universitaet Tel Aviv hatten die Art 2-9-3 genetisch untersucht. Sie verglichen dann das Erbgut mit mehreren Gen-Datenbanken und stellten kaum Unterschiede zu modernen Bakterien fest. Ihre Schlussfolgerung: Das Salz war verunreinigt, vielleicht durch Mikroben, die lange Zeit nach der Kristallbildung in das Gestein eindrangen. Vreeland mag sich der nuechternen Einschaetzung nicht anschliessen. "Die Moeglichkeit einer Verunreinigung betraegt nicht einmal eins zu einer Million", sagte der Forscher gegenueber der BBC. Die israelischen Kollegen haetten ihm ihre Untersuchung vorgelegt, seine Einsprueche in der Publikation aber nicht beruecksichtigt. Vreeland bezweifelt zum einen, dass seine ersten Schritte der Wiederbelebung von Kollegen ueberhaupt noch nachvollzogen werden koennten, weil die Bakterien seitdem munter vor sich hin mutierten - wie schnell, das koenne niemand sagen. Zum anderen seien Bakterien der Art 2-9-3 vielleicht schon wiederholt von Wasser aus ihrem Salzgefaengnis gespuelt worden und haetten so moderne Staemme beeinflusst. Eines ist sicher: Die Diskussion in der Fachwelt wird anhalten, denn weitere Veroeffentlichungen zu 2-9-3 sind bereits angekuendigt. ------------------------------------------------------------------- Weitere Tages-Meldungen der MorgenWelt-Redaktion finden Sie online unter http://www.scienceticker.de Die MorgenWelt gibt es auch in einer englischen Ausgabe: http://www.futureframe.de ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- MORGENWELT, alle Rechte - auch der auszugsweisen Verwertung - vorbehalten. ------------------------------------------------------------------- Redaktion: Stefan Jacobasch, Carsten Meinke Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser ------------------------------------------------------------------- Homepage: http://www.morgenwelt.de Wissenschaft: http://www.morgenwelt.de/wissenschaft Kultur: http://www.morgenwelt.de/kultur Presseschau: http://www.morgenwelt.de/presseschau Archiv: http://www.morgenwelt.de/archiv ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt wird herausgegeben von: Volker Lange MorgenWelt Media GmbH Alstertwiete 3 20099 Hamburg Tel. 040-386 13 582 Fax. 040-386 13 583 eMail: [EMAIL PROTECTED] ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Wenn Sie den Newsletter abbestellen moechten, dann schicken Sie einfach eine leere eMail unter Ihrer Empfaengeradresse an [EMAIL PROTECTED] Moechten Sie Ihr Abo auf eine neue eMail-Adresse ummelden oder haben Sie Fragen und Probleme, wenden Sie sich bitte an [EMAIL PROTECTED] ---------------------------------------------------------------------- Financial Times Deutschland - 50% sparen und die Uhr geh�rt Ihnen! 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