MORGENWELT NACHRICHTEN ------------------------------------------------------- MORGENWELT gibt es nur im Internet unter http://www.morgenwelt.de ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt HEUTE vom 10.9.2001 ------------------------------------------------------------------- 1. Schottland: Riesenwelle vor 7.800 Jahren 2. Zeitschriften gegen Ausverkauf der Forschung 3. Kaeferlarven bevorzugen zwittrige Pflanzen 4. Computer-Maus unter Beobachtung ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- Schottland: Riesenwelle vor 7.800 Jahren Ein massiver Landrutsch vor der Kueste von Suedwest-Norwegen verwandelte England vor 7.800 Jahren in eine Insel. Darueber berichtete Professor David Smith vom Institut fuer Geographie der Universitaet Coventry auf dem "Science Festival" der British Association for the Advancement of Science in Glasgow. Archaeologen hatten in Inverness an der schottischen Ostkueste ein Lager von Steinzeitjaegern entdeckt, das offenbar von mehreren Flutwellen ueberrascht worden war. Die Waffen und Werkzeuge der fruehen Menschen lagen ueberall verstreut und waren von einer 25 Zentimeter dicken Sandschicht bedeckt. "Es muss sich um zwei, drei, vielleicht vier grosse Wellen von fuenf bis zehn Metern Hoehe gehandelt haben, auf die kleinere gefolgt sind," erlaeuterte der Geologe gegenueber dem Nachrichtendienst der BBC. "Es sieht alles danach aus, als ob die Menschen nichtsahnend in ihrem Lager sassen, als die Meereswellen mit der Gewalt eines Expresszuges zuschlugen." Spuren der katastrophalen Flutwelle finden sich entlang der schottischen Ost- und Nordkueste noch sechseinhalb Meter ueber dem heutigen Meeresspiegel. Eine Radiokarbon-Datierung der Sedimente ergab ein Alter von etwa 7.800 Jahren. Zum selben Zeitpunkt ereignete sich im Meer vor Storegga in Suedwest-Norwegen ein Landrutsch unvorstellbaren Ausmasses: Geroellhalden der zurueckweichenden Eiszeit-Gletscher rutschten in die Nordsee und bedeckten eine Flaeche von der Groesse Schottlands. Der Meeresspiegel lag damals einige Meter tiefer als heute. Die englischen Inseln waren durch eine flache Landbruecke mit Daenemark und den Niederlanden verbunden. Durch das Schmelzen der Gletscher stieg der Wasserspiegel in der Nordsee, waehrend der Landruecken in Nordengland und Schottland angehoben wurde. "Zu jener Zeit wurde England vom europaeischen Kontinent isoliert," erklaert Professor Smith. "Offenbar hat diese Flutwelle den Prozess der Trennung noch beschleunigt." ----Anzeige-------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- EIN VERFUEHRERISCHES ANGEBOT: Sie moechten noch mehr News aus Wissenschaft und Forschung? 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In einigen Faellen haetten die als Autoren genannten Mediziner nur geringen oder keinen Einfluss auf Planung und Durchfuehrung der Studie gehabt. Teilweise haetten sie nicht einmal die Rohdaten zu Gesicht bekommen oder seien an der Interpretation der Ergebnisse nicht beteiligt gewesen. Stattdessen haetten Mitarbeiter von Pharmaunternehmen die eigentliche Arbeit erledigt. Auch die Entscheidung fuer oder gegen eine Veroeffentlichung liege mitunter nicht vollstaendig bei den Autoren. Bei einer Umfrage unter 3.300 Wissenschaftlern habe jeder fuenfte berichtet, dass die Publikation seiner Forschungsergebnisse schon einmal um mindestens sechs Monate hinausgezoegert worden sei - unter anderem, um die Veroeffentlichung unerwuenschter Resultate aufzuhalten. "Leser und Herausgeber werden auf diese Weise betrogen", so Richard Smith, der Herausgeber des "British Medical Journal". Zukuenftig muesse daher mit jedem zur Veroeffentlichung eingereichten Forschungsartikel dargelegt werden, welchen Anteil die als Autoren genannten Mediziner beziehungsweise ihre Geldgeber an der Studie hatten. Koenne dieser Punkt nicht zufriedenstellend geklaert werden, soll es nach dem Willen der Herausgeber zu keiner Veroeffentlichung kommen. Zudem sollen die Autoren eine Erklaerung unterzeichnen, dass sie volle Kontrolle ueber die Studie und ihre Veroeffentlichung hatten. aehnliche Editorials sollen zeitgleich in den anderen an das International Committee of Medical Journal Editors angeschlossenen Fachzeitschriften erscheinen. Zu diesem Kreis gehoeren neben dem "British Medical Journal" auch so renommierte Journals wie "The Lancet", das "Journal of the American Medical Association" oder das "New England Journal of Medicine". "Diese Initiative der Zeitschriftenherausgeber sollte nicht als Angriff auf die pharmazeutische Industrie gewertet werden", so Smith. Viele Firmen haetten hohe ethische Standards und daher keine Probleme mit der neuen Politik. "Pharmafirmen werden nicht durch dubiose Publikations- oder Marketingstrategien erfolgreich, sondern durch die Entwicklung wichtiger neuer Medikamente." ------------------------------------------------------------------- Kaeferlarven bevorzugen zwittrige Pflanzen Auf ungewoehnliche Weise mischen Ruesselkaefer sich in das Geschlechtsleben von Malvengewaechsen ein. Wie kanadische Botaniker entdeckten, fressen die Kaeferlarven bevorzugt Samen von zwittrigen Praeriemalven. Rein weibliche Pflanzen lassen sie dagegen nahezu unbehelligt und sorgen so dafuer, dass diese sich gegen ihre zweigeschlechtliche Konkurrenz behaupten koennen. Bei etwa zwei Prozent aller Pflanzenarten treten sowohl zwittrige als auch rein weibliche Individuen auf. Zu diesen so genannten gynodioezischen Pflanzen gehoert auch die nordamerikanische Praeriemalve (Sidalcea hendersonii). Eingeschlechtlich weibliche Pflanzen machen bei dieser Art einen relativ grossen Anteil von bis zu vierzig Prozent der Populationen aus. Den Gruenden dafuer wollten Melanie Marshall und Fred Garner von der University of British Columbia in Vancouver auf die Spur kommen. Als Ursache konnten die Forscher die Larven von Ruesselkaefern ausmachen. Bei ihren Freilandexperimenten beobachteten sie, dass die Kaeferlarven bis zu vierzig Prozent der Samen von zweigeschlechtlichen Pflanzen fressen. Dagegen verspeisten die Larven nur sechs Prozent der Samen von eingeschlechtlichen Exemplaren, berichten die Forscher im "American Journal of Botany". Warum die Larven den Zwittern den Vorzug geben, ist raetselhaft. Die Forscher spekulieren jedoch, dass die Tiere von dem schmackhaften Pollen der zweigeschlechtlichen Blueten angezogen werden. ------------------------------------------------------------------- Computer-Maus unter Beobachtung Wie sich Internet-Besucher durch eine Webseite bewegen, kann bisher nur ungenau beobachtet werden. Verfolgen laesst sich lediglich, ob der Surfer weiterfuehrende Links anklickt. Kuenftig koennen aber auch die Mausbewegungen der Besucher erfasst werden, sagen jetzt Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge. Sie entwickelten unter dem Projektnamen "Cheese" ein Skript, das nach Aussage der Forscher unabhaengig vom benutzen Browser die Mausbewegungen des Besuchers nachvollziehen kann. In ersten Versuchen liessen die Forscher 17 Testpersonen 18 verschiedene Webseiten besuchen. Dabei sollten die Probanden unter anderem Musik-CDs und DVDs ihrer Wahl bei "Amazon.com" und "Barnes&Noble.com" einkaufen. Waehrenddessen wurde erfasst, wie der Mauszeiger ueber Links streifte und wie lange er auf einer Position ruhte. Nach dem virtuellen Shopping wurden die Testpersonen befragt, welches ihr zweiter potentieller Einkauf gewesen waere. Die Forscher behaupten, durch die Auswertung der Mausbewegungen sei es ihnen gelungen, diesen moeglichen Zweitkauf mit einer Genauigkeit von 65 bis 75 Prozent vorherzusagen. Dies gelinge, weil sich die ueberwiegende Zahl der Surfer nach gleichem Muster durch die Webseiten bewege. Beispielsweise suchten die meisten Surfer instinktiv nach freier "weisser" Flaeche auf einer Webseite, um den Mauszeiger dort "abzulegen" und nicht versehentlich Links anzuklicken. Ziel der MIT-Forscher ist es, eine dynamische Technik zum Aufbau von Webseiten zu entwickeln. Diese sollen eines Tages flexibel auf den Besucher reagieren und ihm je nach Lese- und Klick-Verhalten persoenliche Webseiten anbieten. ------------------------------------------------------------------- Weitere Tages-Meldungen der MorgenWelt-Redaktion finden Sie online unter http://www.scienceticker.de ------------------------------------------------------------------- ------------------------------------------------------------------- MORGENWELT, alle Rechte - auch der auszugsweisen Verwertung - vorbehalten. ------------------------------------------------------------------- Redaktion: Stefan Jacobasch, Carsten Meinke Astronomie und Raumfahrt: Rainer Kayser ------------------------------------------------------------------- Homepage: http://www.morgenwelt.de Wissenschaft: http://www.morgenwelt.de/wissenschaft Kultur: http://www.morgenwelt.de/kultur Presseschau: http://www.morgenwelt.de/presseschau Archiv: http://www.morgenwelt.de/archiv ------------------------------------------------------------------- MorgenWelt wird herausgegeben von: Volker Lange MorgenWelt e.V. 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