.ausgestrahlt - gemeinsam gegen Atomenergie
Pressemitteilung

Hamburg, 19. Juni 2015


Mit Hendricks Plan ist der Castor-Streit noch nicht gelöst

Technische, politische und juristische Fragen weiter völlig ungeklärt.
Neue Proteste drohen


Zu den Meldungen über den Plan von Bundesumweltministerin Hendricks, die
26 Castoren, die noch aus dem Ausland nach Deutschland kommen sollen,
auf vier Bundesländer aufzuteilen, erklärt Jochen Stay, Sprecher der
Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt:

„Ich bezweifle, dass damit der Streit um die 26 Castoren beendet ist.
Bisher gibt es nur vage Verabredungen mit den AKW-Betreibern.
Technische, politische und juristische Probleme sind damit noch nicht
aus dem Weg geräumt. In den betroffenen Bundesländern und Standorten ist
noch vieles ungeklärt.

So sind in dem für Schleswig-Holstein anvisierten Zwischenlager Brokdorf
nur noch wenige Stellplätze frei, die von der dortigen Landesregierung
für Castor-Behälter aus dem nahe gelegenen Brunsbüttel vorgesehen sind.
Denn das Zwischenlager Brunsbüttel hat nach Urteil des
Bundesverwaltungsgerichts keine Betriebsgenehmigung mehr. Im Reaktorkern
des AKW lagern aber noch viele Brennelemente, die in Castor-Behälter
verpackt werden und irgendwo gelagert werden müssen. In Brokdorf kann
nur der Müll aus Sellafield oder der Müll aus Brunsbüttel gelagert
werden. Für beide ist kein Platz.

Die Staatsregierung in München ist weiterhin grundsätzlich gegen
Castor-Transporte nach Bayern. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier
verknüpft die Annahmebereitschaft für Biblis mit der Zusage des Bundes,
etwaige Schadenersatzansprüche von RWE aufgrund des
Fukushima-Moratoriums 2011 zu übernehmen. Und der CDU-Bürgermeister von
Philippsburg in Baden-Württemberg hat bereits massive Proteste
angekündigt. Hendricks ist es in den letzten zwei Jahren nicht gelungen,
die Bundesländer zu überzeugen. Mir erschließt sich nicht, wie dies mit
dem neuen Plan gelingen sollte.

Unklar bleibt auch, ob an den von Hendricks anvisierten Standorten heiße
Zellen zur Reparatur undichter Castor-Behälter gebaut werden und wer das
alles bezahlt. Bisher war nur bekannt, dass sich die AKW-Betreiber
weigern, zusätzliche Kosten zu übernehmen.

Zudem ist der Plan juristisch heikel: Nachdem das
Bundesverwaltungsgericht dem Zwischenlager Brunsbüttel die
Betriebserlaubnis wegen fehlender Stabilität entzogen hat, stehen auch
die Genehmigungen aller anderen Castor-Hallen auf tönernen Füßen.

Und letztendlich wird sich an den neuen Castor-Transporten neuer Protest
entzünden, weil die Atommüll-Politik der Bundesregierung die
grundsätzlichen Streitpunkte nicht aufgelöst hat. Von einem
gesellschaftlichen Konsens in Sachen strahlender Abfälle sind wir weit
entfernt. Entsprechend werden die Transporte zu einer neuer Kraftprobe
zwischen Bundesregierung und Anti-Atom-Bewegung.“


Rückfragen an
Jochen Stay, Tel.: 0170-9358759
http://www.ausgestrahlt.de

.ausgestrahlt ist eine bundesweite Anti-Atom-Organisation, die
AtomkraftgegnerInnen darin unterstützt, aus ihrer Haltung öffentlichen
Protest zu machen.

-- 
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