.ausgestrahlt - gemeinsam gegen Atomenergie
Pressemitteilung

Hamburg, 11. Oktober 2015


Gabriel irrt: Atom-Stresstest gibt keine Entwarnung

Gutachten beruht auf Zahlen der AKW-Betreiber, Kostensteigerungen werden
unterschätzt


Zu den Ergebnissen den Stresstests über Atom-Rückstellungen erklärt
Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt:

„Die Ergebnisse des Stresstests bedeuten keine Entwarnung für die
Steuerzahler. Sowohl die Methoden der Gutachter als auch die Bewertung
des Stresstests durch Bundeswirtschaftsminister Gabriel blenden
zahlreiche Risiken aus, die selbst in den Worst-Case-Szenarien nicht
aufgenommen sind. Beunruhigend ist zudem, dass in den letzten Tagen
Informationen aufgetaucht sind, nach denen die Stromkonzerne Einfluss
auf die im Gutachten verwenden Berechnungsmethoden genommen haben.

Das größte Problem: Die Kosten fallen nicht heute an, also zu einem
Zeitpunkt, bei dem bei den AKW-Betreibern wirklich noch einiges zu holen
ist, sondern teilweise erst in Jahrzehnten. Ob das Geld dann auch noch
da ist, oder längst als Dividende bei den Aktionären gelandet ist,
beantwortet das Gutachten überhaupt nicht. Um die Folgekosten über
Jahrzehnte zu sichern, ist es deshalb dringend nötig, Eon, RWE und Co
jetzt zur Kasse zu bitten und einen öffentlich-rechtlichen Fonds für die
Folgekosten der Atomkraft zu bilden, verbunden mit einer
Nachschusspflicht für die Stromkonzerne, wenn es teurer wird als
prognostiziert.

Ein zentraler Teil des Gutachtens, nämlich die Abschätzung der Kosten
für den Abriss der Atomkraftwerke und der Lagerung des Atommülls, beruht
weitgehend auf Angaben der Stromkonzerne und ihrer Tochterunternehmen
wie der Gesellschaft für Nuclearservice (GNS). Die Wirtschaftsprüfer
stellen auf Seite 3 ihres Gutachtens klar: ‚Hinsichtlich der Richtigkeit
der uns zur Verfügung gestellten Informationen gehen wir (…)
grundsätzlich von der Richtigkeit dieser Informationen aus und
übernehmen insofern keine eigene Verantwortung‘. Sprich: Die
AKW-Betreiber sagen, wie viele Rückstellungen es braucht und die
Wirtschaftsprüfer bescheinigen Gabriel dass alles gut ist.

Kostensteigerungen bei den extrem aufwändigen und komplexen
Atommüll-Projekten werden im Stresstest mit maximal 1,9 Prozent pro Jahr
angenommen. Wir wissen von anderen Großprojekten, dass ganz andere
Kostenexplosionen möglich sind, obwohl eine Philharmonie oder ein
Flughafen deutlich weniger aufwändig zu errichten sind als ein
Atommüll-Lager für eine Million Jahre. Auch die Erfahrung mit bisherigen
Atom-Abrissprojekten zeigt dies: Der Abriss des AKW Würgassen war
viermal so teuer als ursprünglich veranschlagt. Die Kosten für den Abbau
des AKW Stade sind explodiert, als man radioaktive Belastungen des
Betonsockels entdeckte, mit denen niemand gerechnet hatte.

Die Gutachter gehen davon aus, dass die Einnahmen der Stromkonzerne und
damit ihre Möglichkeit, die Folgekosten der Atomkraft-Nutzung zu zahlen,
ab 2040 bis zum Ende des Jahrhunderts kontinuierlich ansteigen. Das ist
insofern abenteuerlich, als dass derzeit nicht einmal sicher ist, ob die
Unternehmen überhaupt die nächsten zehn Jahre überstehen.

Wenn die Gutachter behaupten, das aktuelle Reinvermögen der
Stromkonzerne reiche aus, die Atom-Kosten zu begleichen, dann blenden
sie völlig aus, dass sich die Werte dieses Vermögens seit einigen Jahren
auf rasanter Talfahrt befinden. Schreibt man diese Entwicklung fort, ist
in absehbarer Zeit nicht mehr viel zu holen.

Sigmar Gabriel pickt sich in seiner Bewertung beschwichtigende Teile des
Gutachtens heraus, verschweigt aber die besorgniserregende Aussagen. So
spricht er davon, dass die Kostenschätzung für den Abriss von AKW über
internationalen Vergleichswerten liegen, blendet aber aus, dass die
Prognosen für die langfristigen Lagerkosten für den Atommüll deutlich
unter denen anderer Länder liegen.“


Rückfragen an
Jochen Stay, Tel.: 0170-9358759
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.ausgestrahlt ist eine bundesweite Anti-Atom-Organisation, die
AtomkraftgegnerInnen darin unterstützt, aus ihrer Haltung öffentlichen
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