.ausgestrahlt - gemeinsam gegen Atomenergie
Pressemitteilung

Hamburg, 20. Juli 2016


Brunsbüttel: Habeck macht Unsicherheit zum Regelfall

Castor ist weniger riskant als Nasslager aber nicht sicher genug /
Abenteuerliche juristische Begründung


Schleswig-Holsteins Umweltminister Habeck will zulassen, dass
hochradioaktive abgebrannte Brennelemente aus dem Nasslager des AKW
Brunsbüttel in Castor-Behälter gepackt und in die Zwischenlager-Halle
auf dem Kraftwerksgelände gestellt werden – und dies, obwohl die
Genehmigung für das Zwischenlager gerichtlich aufgehoben wurde.

Dazu erklärt Jochen Stay, Sprecher der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt:

„Zwar ist die Lagerung in Castor-Behältern weniger riskant als im
Nasslager, aber eben nicht sicher genug in einer Halle, deren Sicherheit
gegen Beschuss und Flugzeugabstürze nicht nachgewiesen ist. Wenn Habeck
sagt, das Zwischenlager sei das stabilste Gebäude auf dem
Kraftwerksgelände, so ist das zwar in der relativ gesehen richtig, sagt
aber nichts über die tatsächliche Sicherheit aus.

Wer mit drei Autos zum TÜV kommt, deren Bremsen defekt sind und darum
bittet, die Plakette auf den Wagen zu kleben, der von den dreien am
wenigsten unsicher ist, wird Kopfschütteln ernten. Doch genau so
argumentiert Habeck.

Dazu kommt seine abenteuerliche juristische Begründung. Weil die
Zwischenlagerung in der Halle gerichtlich verboten ist, spricht er jetzt
von Bereitstellungslagerung, meint aber faktisch dasselbe: Castor steht
im Zwischenlager.

Für die Bereitstellungslagerung brauche es aber laut Habeck gar keine
Genehmigung, da ja der Betreiber sowieso mit Kernbrennstoffen auf seinem
Gelände hantieren darf. So nach dem Motto: Was brauche ich für mein Auto
eine TÜV-Plakette, ich habe doch einen Führerschein.

Wer so argumentiert, braucht künftig nie wieder eine Genehmigung für ein
Atommüll-Lager auf einem AKW-Gelände, wie unsicher es auch sein mag.

Das ist das grundlegende Problem bei Habecks Handeln: Er will zwar im
Fall Brunsbüttel relativ gesehen mehr Sicherheit, reißt damit aber
juristische Standards ein, die bisher überall für mehr Sicherheit bei
der Atommüll-Lagerung sorgen sollen. Wird Brunsbüttel zum Präzedenzfall,
dann gibt es unterm Strich mehr und nicht weniger Risiko. Habeck macht
damit Unsicherheit zum Regelfall.

Habecks Vorgehen wäre gerade noch akzeptabel, wenn er es juristisch
besser absichert und gleichzeitig forciert daran arbeiten würde, die
unsichere Lagerhalle in Brunsbüttel zeitnah durch ein deutlich
stabileres Lager vor Ort zu ersetzen. Der Minister setzt dagegen alles
auf die Karte, dass der neue Antrag von Vattenfall, die bestehende Halle
weiter zu nutzen, in einigen Jahren bewilligt wird. Gelingt der
Sicherheits-Nachweis dann aber erneut nicht, steht Habeck mit leeren
Händen da.“


Rückfragen an
Jochen Stay, Tel.: 0170-9358759
http://www.ausgestrahlt.de

.ausgestrahlt ist eine bundesweite Anti-Atom-Organisation, die
AtomkraftgegnerInnen darin unterstützt, aus ihrer Haltung öffentlichen
Protest zu machen.
-- 
Pressedienst von ausgestrahlt.de
Für Rückfragen mailto:[email protected]
oder im Internet unter:
https://www.ausgestrahlt.de

Antwort per Email an