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Redaktion: Kathrin Klinkusch, Britta Hennigs, Linda Baumann
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P R E S S E D I E N S T  ----  NR. 89/10 ---- 10.8.2010 
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Umwelt/Verbände
NABU-Jahresbilanz 2009 - Stabile Verbandsentwicklung trotz
Wirtschaftskrise
Tschimpke: Energiepolitik wird zur Messlatte für Schwarz-Gelb

Berlin - Der NABU konnte auch im Krisenjahr 2009 auf breite
Unterstützung in der Bevölkerung bauen. Die Verbandsentwicklung blieb
trotz Wirtschaftskrise stabil. Die Mitgliederzahl hat sogar leicht auf
426.000 zugenommen (2008: 419.000). Hinzu kommen noch über 40.000
Förderer, die den NABU dauerhaft unterstützen. Die Einnahmen aus
Mitgliedsbeiträgen, Spenden und Erbschaften konnten weiter gesteigert
werden und bilden mit einem Anteil von 79 Prozent das Fundament der
Naturschutzarbeit. Den größten Anteil der Einnahmen von insgesamt 20,9
Millionen Euro machten mit 13,5 Millionen Euro (2008: 13,3 Millionen
Euro) die Mitgliedsbeiträge aus. 

„Die Erschütterungen auf den Finanzmärkten weltweit haben viele
Menschen getroffen oder verunsichert. Ich freue mich, dass wir auch in
Krisenzeiten viel Zuspruch genießen. Inzwischen blicken wir auf eine
111-jährige Verbandsgeschichte. Jeder 200. Deutsche ist ein
NABU-Mitglied. Das motiviert - wir werden uns auch weiterhin mit aller
Kraft für die Belange des Natur- und Umweltschutzes einsetzen“, sagte
NABU-Präsident Olaf Tschimpke anlässlich der Vorstellung des
Jahresberichts 2009 in Berlin.

Der schwarz-gelben Bundesregierung attestierte der NABU-Präsident eine
schwache Öko-Bilanz. Tschimpke: „In Planung sind immer noch unsinnige
Straßenbauprojekte und der Schienenverkehr wird weiter benachteiligt.
Auf EU-Ebene blockiert Agrarministerin Aigner den ökologischen Umbau der
Agrarsubventionen, und auch die Aufweichung der sogenannten
Eingriffsregelung im Naturschutzrecht ist zu beklagen.“ 
Positiv zu bewerten sei die Sicherung von naturschutzfachlich
bedeutsamen Flächen als „Nationales Naturerbe“ und der Wille, ein
Bundesprogramm für den Erhalt der biologischen Vielfalt einzurichten.

Die Bewährungsprobe der Großen Koalition stehe im Herbst mit der
Vorstellung des Energiekonzeptes an. „Die Energiepolitik wird zur
Messlatte für Schwarz-Gelb. Das Ziel muss sein: weg von Atom und Kohle
hin zu erneuerbaren Energien. Sollte das Konzept nur dazu dienen, eine
Laufzeitverlängerung für die deutschen Atomkraftwerke zu rechtfertigen,
wird die Bundesregierung an ihren eigenen, im Koalitionsvertrag
festgeschriebenen Ansprüchen scheitern“, so Tschimpke. Das Konzept
müsse ermitteln, bis wann und unter welchen Voraussetzungen
erneuerbare Energien im Strom-, Wärme- und Verkehrsbereich Öl, Kohle,
Gas und Uran ersetzen können. Das alles verbunden mit klaren Vorgaben
zur Einsparung von Energie, um Ressourcen und Ökosysteme zu schonen. 

Tschimpke: „Der aktuelle Streit in der Union um längere Betriebszeiten
für Atommeiler lässt tief blicken. Forderungen nach einer
Laufzeitverlängerung für Reaktoren bis zu 14 Jahren führen ein
zukunftsfähiges Energiekonzept bereits im Vorfeld ad absurdum.
Atomenergie ist eine überflüssige Risikotechnologie. Bei dem bereits
jetzt absehbaren Ausbau der erneuerbaren Energien brauchen wir ab 2020
keine Atomenergie mehr.“

Unter dem Motto „Fast weg“ startete der NABU im vergangenen Jahr eine
bundesweite Kampagne gegen das Artensterben. Im Zentrum standen bedrohte
Arten wie Weißstorch, Laubfrosch, Kabeljau und Wolf sowie die
„Naturschutzmacher“: die vielen ehrenamtlich Aktiven in den rund
2.000 NABU-Orts- und Kreisgruppen, die sich vor Ort für den Artenschutz
engagieren. Die Kampagne ist in diesem Sommer fortgesetzt worden. 

Ein wichtiger Schwerpunkt der Verbandsarbeit war und ist der
Klimaschutz. Der UN-Klimagipfel in Kopenhagen Ende 2009 endete mit
großer Ernüchterung. „Konkrete Verpflichtungen zur Reduktion des
Treibhausgasausstoßes wollten vor allem die Industrienationen nicht
eingehen. Der Klimagipfel in Kopenhagen scheiterte auch an der
uneinheitlichen Haltung der EU, die die Bundesregierung mit zu
verantworten hat“, so Tschimpke. Für einen weltweit wirksamen
Klimaschutz sei eine Verringerung der Treibhausgase in den
Industriestaaten um 40 Prozent bis 2020 und um 95 Prozent bis 2050
erforderlich. Die internationalen Klimaverhandlungen müssten
letztendlich in einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag münden, wenn
sie tatsächlich erfolgreich sein wollen. 

Von der bevorstehenden Weltnaturschutzkonferenz im japanischen Nagoya
(18.-29.10.) erwartet der NABU klare Signale im Kampf gegen das
Artensterben. „In Nagoya müssen die Regierungen der Welt eine
ambitionierte Strategie zur Rettung der biologischen Vielfalt und von
Ökosystemen beschließen. Bis 2020 muss die Trendwende erreicht und
ein Großteil der Arten und Lebensräume auf dem Weg der Erholung sein“,
betonte der NABU-Präsident. Das weltweite Netz von Schutzgebieten müsse
auf die Weltmeere ausgedehnt werden und ausreichend finanziert werden.

Vor diesem Hintergrund wies Tschimpke auf den großen wirtschaftlichen
Wert intakter Ökosysteme hin. Laut der UN-Studie „The Economics of
Ecosystems and Biodiversity“ (TEEB) verursachen Unternehmen in Natur
und Umwelt Schäden von etwa 2,2 Billionen (= 2.200 Milliarden) US-Dollar
im Jahr. „Die Gratis-Dienstleistungen der Natur müssen sich endlich als
Faktor in ökonomische Bilanzen wiederfinden. Die Erde darf nicht länger
ein frei verfügbares Rohstofflager für die Konzerne dieser Welt sein“,
so Tschimpke.

Die NABU-Aktiven leisten bundesweit pro Jahr 3,3 Millionen
ehrenamtliche Arbeitsstunden. Der NABU förderte 2009 die Arbeit seiner
Orts- und Kreisgruppen mit 7,3 Millionen Euro. Der Anteil der
allgemeinen Verwaltungsausgaben konnte von sechs auf fünf Prozent der
Gesamtausgaben gesenkt werden.

NABU-Jahresbericht im Internet zu finden unter
www.NABU.de/Jahresbericht 

Für Rückfragen:
Kathrin Klinkusch
NABU-Pressesprecherin
Tel. 030-284984-1510 






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