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NDR - 04.11.2011 Die Altkleider-Lüge Viele verdienen an den Altkleider-Spenden: Hilfsorganisationen und private Unternehmen. Der größte Teil der Textilien wird in Afrika auf Märkten verkauft, nicht gespendet Erika Mondry Die meisten glauben, dass die hierzulande gesammelten Altkleiderspenden direkt in die Katastrophengebiete der Welt gehen. Was sie nicht wissen: Der größte Teil der gespendeten Bekleidung wird weiterverkauft - zum Kilopreis. Einige Hilfsorganisationen platzieren oft nur ihr Logo auf den Sammelcontainern von Altkleiderfirmen. Ein geringer Teil der Kleidung wird direkt in Deutschland an Bedürftige ausgegeben. Die besten noch brauchbaren Sachen gehen nach Osteuropa und in die arabischen Staaten. Sechzig Prozent der heimischen Ware gelangt nach Afrika. Doch was passiert dort mit den Altkleidern? Die Reportage-Autoren Michael Höft und Christian Jentzsch haben in Tansania nach Antworten gesucht. Ihr Fazit: Nicht nur deutsche Firmen und einige große Hilfsorganisationen verdienen gut an den Kleiderspenden, auch für viele Händler in Afrika sind Altkleiderspenden ein lukratives Geschäft. Selbst die Ärmsten der Armen müssen dafür bezahlen. Die Billigkleider überschwemmen die Märkte des Landes und zwingen die afrikanische Textilbranche in die Knie. [Video] Die Altkleider-Lüge (28:55) http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/die_reportage/videos/diereportage287.html [Fotodokumentation] Tansania: Altkleider überschwemmen die Märkte http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/die_reportage/hintergrund/altkleider111.html -------------------------------------------------------------------------- http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/die_reportage/hintergrund/altkleider109.html Interview Geld verdienen mit Kleiderspenden? Die Ärmsten trifft es am härtesten: Ein Teil der hierzulande gesammelten Altkleider landet auf afrikanischen Märkten und wird dort verkauft - zum Nachteil für die heimische Textilbranche. Die Autoren Michael Höft und Christian Jentzsch sind nach Tansania gereist und dort der Frage nachgegangen: Wo landen die Altkleider und wer verdient daran? Über die Auswirkungen des globalen Altkleiderhandels sprechen sie im Interview. NDR.de: Einige große Hilfsorganisationen wie das Rote Kreuz vermitteln den Eindruck: Wer Kleider spendet, tut etwas Gutes für die Armen der Welt. Wann sind Sie auf die Idee gekommen, dass das so nicht zutrifft? Michael Höft/Christian Jentzsch: Dass ein Teil der gebrauchten Kleider von Verwertungsfirmen ins Ausland weiterverkauft wird, ist schon seit geraumer Zeit ein offenes Geheimnis. Was uns erstaunt hat, waren die Dimensionen des Geschäftes. Und was uns wirklich erschrocken hat, waren die desaströsen wirtschaftlichen Auswirkungen, die der Handel mit den Altkleidern zum Beispiel in Tansania hat. Mit eigenen Augen zu sehen, wie sich eine gut gemeinte Spende ins Gegenteil verkehrt, in den Raub der Existenzgrundlagen der Ärmsten der Armen, wirft denn doch ein ganz anderes Licht auf die Praxis der Wohlfahrtsverbände. NDR.de: Kommen denn tatsächlich gar keine der hierzulande gespendeten Kleidungsstücke bei Bedürftigen an? Höft/Jentzsch: Nein, ganz so ist es natürlich nicht, aber man darf sich davon nicht täuschen lassen. Die großen Wohltätigkeitsorganisationen wie das Deutsche Rote Kreuz haben hierzulande Kleiderkammern, in denen sie Altkleider an Bedürftige verteilen. Nur betrifft das gerade mal einen Bruchteil der gesamten Menge. Der weitaus größere Teil wird an Firmen weiterverkauft, zum Kilopreis. Wenn man sich vorstellt, dass im vergangenen Jahr in Deutschland insgesamt mehr als 700.000 Tonnen Altkleider gesammelt wurden, dann bekommt man vielleicht eine Idee, um welch ungeheure Mengen es hier geht. NDR.de: Wo landet der Großteil der Sachen? Höft/Jentzsch: Die Ware wird nach Qualitätsstufen sortiert und dann weiterverkauft. Was total hinüber ist, muss recycelt werden, dazu sind die sammelnden Firmen per Gesetz verpflichtet. Das ist natürlich nicht gut für die Kasse, aber es führt die Materialien dem Rohstoffkreislauf wieder zu und ist eine ganz anständige Sache. Je nach Qualitätsstufen wird dann der Preis bestimmt und weiterverkauft. Die besten Sachen gehen in die arabischen Staaten und nach Osteuropa, vor allem nach Russland. Die minderwertigen Kleider kommen in die Dritte Welt, vor allem nach Afrika - aber nicht als Spende, sondern ebenfalls als Handelsgut. NDR.de: Wer sind die Profiteure in diesem Geschäft? Höft/Jentzsch: Es profitieren eigentlich alle Verkäufer in der Handelskette, das ist ein global organisierter Markt. Aber man muss betonen, dass es sich im Prinzip um ganz legale Geschäfte handelt. Die Wohltätigkeitsorganisationen werden für die Kleiderspenden bezahlt und verwenden die Einkünfte zu ihren erklärten Zielen. Was uns nachdenklich gemacht hat, sind vielmehr die moralischen Fragen, die mit diesem Geschäft einhergehen: Sollten Hilfsverbände in einem Geschäft mitmischen, das mit karitativen Inhalten gar nichts zu tun hat, im Gegenteil höchst umstritten ist und woanders zu schweren sozialen und gesellschaftlichen Verwerfungen führt? Und ist es nicht ein intransparentes Spiel mit der Hilfsbereitschaft vom Menschen, wenn suggeriert wird, dass die Kleider direkt Bedürftigen zugutekommen? Warum werden die Spender nicht darüber aufgeklärt, dass ein großer Teil der Kleidung schlichtweg verkauft wird? Und ist denjenigen, die dieses Geschäft betreiben - also Wohltätigkeitsorganisationen, Aufkäufern und Zwischenhändlern - wirklich nicht klar, was sie in Afrika damit anrichten? NDR.de: Sie sind selbst nach Afrika gereist. In Tansania ist durch die Kleiderspenden aus Industrieländern wie Deutschland der heimische Textilmarkt ruiniert worden. Wie konnte das passieren? Höft/Jentzsch: Das ist das gnadenlose Gesetz des Marktes. Die Händler auf dem Altkleidermarkt haben einen unschätzbaren und unschlagbaren Vorteil auf ihrer Seite: Sie müssen ihre Ware nicht herstellen. Sie müssen sie nur einsammeln, sortieren und transportieren. Niemand, der etwas erst herstellen muss, kann damit preislich konkurrieren. Niemand in Afrika, aber auch nirgendwo sonst könnte das jemand. Die gewaltigen Massen an Billigkleidern haben die Märkte überschwemmt. Dadurch kam es zu einer dramatischen Absatzkrise einheimischer Waren, und im Falle von Tansania zu einem regelrechten Zusammenbruch der heimischen Textilbranche. NDR:de: Was hat Sie während der Dreharbeiten am meisten schockiert? Höft/Jentzsch: Wir haben ehemalige Textilarbeiterfamilien getroffen, die manchmal tagelang buchstäblich nichts mehr zu essen hatten und von schwarzem Tee überleben mussten. Wenn man dann deren Kinder in gebrauchten Sachen aus den Industrieländern sieht, dann macht einen das einfach fassungslos und traurig. Und man denkt, es kann nicht sein, dass sich die ehrlichen deutschen Spender daran mitschuldig machen, dass sie nicht wissen, welche Konsequenzen ihre Spenden haben können. Und man zweifelt an dem Begriff der "Wohltätigkeitsorganisation", wenn sie ihr Geld für zweifellos gute Zwecke auf dem Rücken dieser Menschen einstreichen. NDR.de: Wie schwer war es, jemanden vor die Kamera zu bekommen, der sich zum Thema äußert? Höft/Jentzsch: Überhaupt nicht schwer. In Afrika haben wir eine große Offenheit gespürt, über das Altkleiderproblem zu sprechen - allerdings vor allem bei den betroffenen Arbeitslosen und den Opfern des Zusammenbruchs der Textilindustrie. Aber auch die kleinen Händler, die jetzt die Konsequenzen des Altkleidermonopols zu spüren bekommen, wollten reden. Sie merken, dass nun, wo es keine einheimischen Alternativen mehr gibt, die Preise für die Altkleider steigen und steigen. Die großen Händler, die Monopolisten, hingegen waren schweigsam und diskret bis abweisend und verschlossen. Die wollen sich nicht in die Karten schauen lassen. NDR.de: Was müsste sich Ihrer Meinung nach verändern, damit es in Zukunft besser funktionieren kann? Höft/Jentzsch: Wir brauchen einfach viel mehr Transparenz und Ehrlichkeit. Jeder Spender muss wissen, was mit seiner Gabe passiert, wohin sie geht, wie sie vermarktet wird und wer daran verdient. Das sind uns die Wohltätigkeitsorganisationen einfach schuldig. Und diese Organisationen sollten sich wirklich fragen, auf welche Weise sie Geld verdienen wollen. NDR.de: Was können die deutschen Verbraucher tun, damit sich die Situation nicht zuspitzt? Höft/Jentzsch: Es ist leider immer dasselbe: Jedem einzelnen von uns kommt eine große Verantwortung zu, sowohl wenn ich etwas kaufe, als auch wenn ich etwas wegwerfe. Alles hat Konsequenzen. Es reicht nicht, einfach zu vertrauen und zu glauben, mit einer Kleiderspende tue ich grundsätzlich etwas Gutes. Jeder sollte sich überlegen, welche Alternativen es gibt. Und damit ist gar nicht gemeint, dass jeder jetzt zum Konsumkritiker wird und seine Pullover fürs Leben zukünftig wieder selbst strickt. Aber jeder sollte sich klarmachen, dass es eine ganze Menge Möglichkeiten zwischen Wegwerfen, Spenden und Recyceln gibt und dann entsprechend entscheiden. Am wichtigsten ist dabei vielleicht ein ganz einfacher Gedanke: Selbst wenn ich ein Kleidungsstück nicht mehr mag, wenn es alt ist und ich den Platz gerne für etwas anderes hätte, mit Altkleidern halte ich einen Wert in der Hand, keinen Müll. Und ich kann selbst entscheiden, was ich mit diesem Wert anfange. Das Gespräch führte Beatrix Hasse. -------------------------------------------------------------------------- http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/die_reportage/hintergrund/altkleider139.html "Das Gefühl für den Wert der Kleidung verloren" Billigware liegt im Trend. Für viele ist es leichter ein T-Shirt zu ersetzen, wenn es nur drei Euro kostet. Beginnt eine neue Modesaison, landen abgelegte Klamotten einfach in der Kleidersammlung. Ein verhängnisvoller Trend, meint Jutta Sundermann, Gründungsmitglied des globalisierungskritischen Netzwerks attac. Im Interview erklärt sie, warum es an der Zeit ist, umzudenken. NDR.de: Es kommt immer mehr billige Kleidung auf den Markt. Man kann T-Shirts kaufen für vier oder fünf Euro, manchmal sogar günstiger. Wie kann das sein? Jutta Sundermann: Es ist ein Dilemma, dass die Produktion von Textilien heute mit einer langen Reihe von Menschenrechtsverletzungen und Gesundheitsgefährdungen einher geht. Um die Produktion so billig wie möglich zu machen, suchen sich die Textilhändler und Produzenten schon lange die Länder mit dem niedrigsten Lohn aus. Eines der sehr häufig ausgewählten Länder ist Bangladesch. Dort sind die Arbeitsbedingungen für die Menschen in der Textilproduktion zum großen Teil furchtbar: Frauen sind gezwungen, massiv viele Überstunden zu machen, die Entlohnung ist schlecht, es gibt kaum Arbeitsschutz, immer wieder treten Krankheiten und Verletzungen auf. Wir hören wiederholt von Katastrophen, zum Beispiel brennenden Fabriken, deren Notausgänge zugestellt oder verriegelt sind, so dass Näherinnen zu Tode kommen. Außerdem werden immer wieder Extras produziert - wie zum Beispiel die supercoolen sandgestrahlten Jeans, die Jugendliche auch hier gern anziehen. Sie sehen schon beim Kaufen ein bisschen abgenutzt aus. Diese Sandstrahltechnik trimmt den Stoff auf alt, hat aber lebensgefährliche Nebenwirkungen für die Fabrikarbeiter: Wer diese Stoffe bearbeitet, kann die tödliche Lungenkrankheit Silikose bekommen. Bloß damit die Jeans hier einem Trend entspricht, sterben woanders Menschen. NDR.de: Diese Menschen gehören zu den Verlierern in dieser ganzen Kette. Wen zählen Sie zu den Gewinnern im globalen Kleiderhandel? Sundermann: Vielleicht sind die meisten Zuschauerinnen und Zuschauer Gewinner, weil sie die Möglichkeit haben, sehr günstig an Kleidung heranzukommen. Wenn früher Kleidung für die Kinder zu kurz war, dann wurde an die Hosen noch etwas angenäht, Socken wurden gestopft und die Löcher an den Knien durch Flicken überdeckt. Das ist fast vollständig verschwunden. Wir haben inzwischen einen viel größeren Durchsatz an Textilien und die allermeisten leisten sich Sachen, die gerade hip sind und füllen im nächsten Jahr wieder ihren Kleiderschrank komplett neu. Das heißt auf der anderen Seite, dass sie ganz viele Kleider übrig haben. NDR.de: Besonders preiswerte Mode lässt sich also schneller austauschen und landet schon im Kleidersack, nur weil sie aus der Mode ist. Was muss denn passieren, damit sich diese Wegwerfmentalität ändert? Sundermann: Auf vielen Ebenen muss eine ganze Menge passieren. Es muss gesetzliche Rahmenbedingungen geben. Wir brauchen Verbote und Sanktionsmechanismen, damit sich Unternehmen um die Wahrung der Menschenrechte in der Produktion, auch bei ihren Zulieferunternehmen kümmern. Wir können natürlich auch selbst überlegen, ob wir nicht doch vielleicht einen Flicken auf die Hose machen, wenn ein Loch drin ist. Man muss nicht immer neu kaufen, sondern kann Kleidung sehr gut mal tauschen. An vielen Orten gibt es nicht nur Flohmärkte, sondern attraktiv organisierte Kleiderbörsen. Die dort angebotenen Textilien sind günstiger und sozial- und umweltverträglicher als neue. Textilien bestehen aus Rohstoffen. Die Baumwolle muss angebaut werden, wird oft mit Pestiziden behandelt. Zum Großteil ist es gentechnisch veränderte Baumwolle - zum Beispiel in Indien, wo die Gentechnik-Unternehmen ganz massiv zugeschlagen haben. Im Zusammenhang mit den Textilien gibt es wieder viele Produkte, die uns Bauchschmerzen bereiten: etwa Farbstoffe, die gesundheitsschädigend sein können. Es ist sogar ein Gesundheitstipp, Second-Hand-Kleidung anzuziehen, weil da die erste Charge ausgedampft ist. NDR.de: Eine Lösung ist, die Kleidung richtig abzutragen. Man kann sie aber auch als Spende an Hilfsorganisationen geben. Ein Großteil dieser Spenden wird aber tatsächlich weiterverkauft, häufig nach Afrika. Dort verdienen wieder Händler an der Ware. Warum gibt es hierzulande so wenig Aufklärung über die Verkaufspraxis von Altkleidung? Sundermann: Ich glaube, es gibt immer mal wieder eine Welle der Aufklärung. Wir haben über die Jahre schon ein paar Mal alarmierende Nachrichten gehört - oft verbunden mit einem einzelnen Skandal oder mit der Frage danach, was mit der Textilindustrie in einem afrikanischen Land passiert, wenn dort plötzlich containerweise Altkleider ankommen, die zwar verkauft werden und jede Menge Zwischenhändler mitfinanzieren, aber zugleich so günstig sind, dass die lokalen Produzenten damit nicht konkurrieren können. Trotzdem ist des dringend weiter nötig hinzuschauen. Es gibt keine monokausale Problematik, es ist kompliziert. Nicht allein der Import von Altkleidern ruiniert die gesamte Textilproduktion in diesen Ländern. NDR.de: Welche Gründe führen noch dazu? Sundermann: Ich war gerade selbst fünf Wochen in Kenia und habe dort viele Initiativen besucht, habe in Nairobi in mehreren Slums mit Leuten gesprochen - auch über das Thema Kleidung. Auf einigen Kleidermärkten zogen die Verkäuferinnen jede Menge Kleiderballen aus Europa auseinander und es gab dann Kinder- und Erwachsenenkleidung aus den hiesigen Altkleidercontainern. Aber es sind zahlreiche Gründe, warum vor Ort keine eigene Produktion funktioniert. Tatsächlich ist in Kenia bei jedem Gespräch das Thema Korruption aufgekommen. Die Möglichkeit, etwas geplant weiterzuentwickeln, wird dadurch häufig zerstört. Dauernd versucht jemand, noch ein Geschäft zu machen - das geht ganz oben auf Regierungsebene los und zieht sich bis auf die lokale Ebene durch. Es kommen aber auch immer wieder internationale Eingriffe dazu, das mittlerweile ausgelaufene Welttextilabkommen und die neuen Regeln der Welthandelsorganisation WTO. Verschiedene Exportquoten haben dazu geführt, dass findige Textilproduzenten in Ländern wie Nigeria Produktionsstätten ihrer Firma aufgemacht haben. Als sich die Spielregeln 2005 änderten, fiel dort eine von außen aufgeblähte Produktion in sich zusammen. Beides: Die ausländischen Direktinvestitionen und das Ende des kurzzeitigen Booms hatte Auswirkungen auf die lokale Textilproduktion. Allein in Südafrika verloren deshalb fast 70.000, in Indonesien mehr als 100.000 Menschen ihre Arbeit. Die verbliebene Produktion bewegt sich vor allem in einem Preissegment, das für die meisten Menschen vor Ort überhaupt nicht in Frage kommt und das deswegen für Touristen oder für den Export gedacht ist. NDR.de: Kommen wir nochmal auf die Altkleider zurück. Wie sollten Altkleider, zum Beispiel aus Deutschland, optimal verwertet werden? Sundermann: Ich finde das schwierig. Eine Weile war ich mal davon überzeugt, dass man sie als Lumpen verwerten muss. Aber das ist sehr ambivalent: Ich habe von den Leuten in den Slums gehört, dass dank dieser Altkleider selbst die sehr armen Kinder und Erwachsenen dort ziemlich vernünftig angezogen sind. Sie können sich die Kleidungsstücke dann eben doch leisten: bunte T-Shirts und Hosen, die sie sonst nirgendwo kaufen könnten. Das Einkommen der Ärmsten ist dort dramatisch niedrig. Es reicht regelmäßig nicht aus, nicht zum Sattwerden, schon gar nicht für Bildung und Gesundheit - und auch nicht für Textilien. Aber tatsächlich waren in den Slums von Nairobi die meisten Kinder und Erwachsenen recht ordentlich angezogen. Nur Schuhe gab es nicht auf dem Altkleidermarkt. Das waren dann irgendwelche sehr zerfetzten, uralten Flip-Flops. NDR.de: Insgesamt sollte ein Verbraucher also weniger kaufen und die Kleidung lieber auftragen. Wenn er gebrauchte Kleider weggibt, dann so direkt wie möglich an Menschen, die die Stücke weiterverwerten? Sundermann: Tatsächlich, das ist es wirklich. Leider ist es im Moment ein bisschen gegen den Mainstream. Aber es ist ganz wichtig, dass wir da wieder stärker hinkommen. Was in der Textilproduktion passiert, kann man durch Auflagen, Sozialgesetze und bestimmte Maßnahmen an einigen Punkten entschärfen. Aber wir haben ein Stück weit das Gefühl verloren für den Wert der Kleidung, die wir tragen, und für den Wert der Rohstoffe, die da drinstecken. Baumwolle ist ein hochkomplexes und kompliziertes Produkt. Wenn wir meinen, wir können die T-Shirts nach zwei Mal Tragen nie wieder anziehen oder wir kaufen sie für drei Euro und glauben, unserem Portemonnaie und vielleicht auch der Welt etwas Gutes getan zu haben, dann müssen wir auch ein bisschen die Augen aufmachen und schauen, an welchen Stellen wir weggehen können von diesem Trend, der so verhängnisvoll ist. Weitere Informationen Billig-Mode dank Ausbeutung? H&M und KiK sind in die Schlagzeilen geraten http://www.n-joy.de/news_wissen/gruenemode101.html Attac Deutschland http://www.attac.de/ Kampagne für Saubere Kleidung http://www.saubere-kleidung.de/ Was meinen Sie? Einige größere Wohltätigkeitsorganisationen sammeln Altkleider, die an Firmen verkauft werden. Die Bedürftigen haben nichts davon. Was sagen Sie dazu? Wir freuen uns über Ihre Meinung. http://www.ndr.de/apps/php/forum/showthread.php?t=55102 _______________________________________________________________________ ++ Weitergeleitet durch DNR Redaktionsbüro Fachverteiler ++ Bitte entschuldigen Sie doppelte und unverlangte Sendungen ++ Bitte ggf. in eigener Organisation weiterleiten ++ Fachverteiler abbestellen: mailto:[email protected]?subject=keine-mails ++ Veröffentlichungsrechte bei den AutorInnen ++ Bitte insbesondere nicht auf Webseiten stellen ++ Weitere Umwelt-Infodienste: www.dnr.de/umweltinfo ++ Umweltpolitische Monatszeitschrift: www.dnr.de/umwelt-aktuell ++ Bitte prüfen Sie, ob diese E-Mail wirklich ausgedruckt werden muss. Danke! ++ _______________________________________________ Pressemeldungen mailing list [email protected] https://lists.wikimedia.org/mailman/listinfo/pressemeldungen
