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Pasasauer Neue Presse - 10.02.2012 Ausbau von AKW Temelin: Tschechien will Ängste nehmen Tschechische Experten sollen in den nächsten Monaten in Deutschland umfassend über den Ausbau des umstrittenen, grenznahen Atomkraftwerks Temelin informieren. Die Umweltministerien Deutschlands und Tschechiens würden in Kürze über die genaue Organisation der Dialogforen beraten, sagte der tschechische Ministerpräsident Petr Necas am Freitag in Berlin. Temelin liegt rund 60 Kilometer von der bayerischen Landesgrenze entfernt. Der Atommeiler ist wegen seiner Kombination von amerikanischen Leitsystemen mit russischer Reaktortechnik umstritten und sorgt besonders in Bayern für erhebliche Sicherheitssorgen. Tschechien plant, das AKW um zwei Reaktorblöcke zu erweitern. Der Startschuss soll im Juli mit der Auswahl eines Reaktorherstellers fallen. Die Baukosten werden auf mindestens 20 Milliarden Euro veranschlagt. Es wird mit einer Bauzeit bis etwa 2023 gerechnet. Bisher sind in Temelin zwei Reaktorblöcke am Netz, hinzu kommen in Dukovany vier Blöcke. Die Leistung beträgt insgesamt 3890 Megawatt und deckt knapp ein Drittel der tschechischen Stromversorgung. Necas betonte, die Atomanlagen stünden im internationalen Vergleich sehr gut da. Man respektiere die deutsche Energiewende, bitte aber auch darum, den eigenen Ausbau der Atomkraft zu akzeptieren. "Wir wollen maximale Transparenz", sagte der konservative Politiker am Rande einer Tagung des CDU-Wirtschaftsrats. Er hatte die Informationsoffensive bereits im vergangenen Jahr in einem Schreiben an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) angeboten. Allerdings scheint dies keine formale Beteiligung deutscher Bürger mit umfassenden Rechten zur Stellungnahme zu sein. Die atompolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Sylvia Kotting-Uhl, betonte in Berlin: "Noch ist das Angebot eine Katze im Sack. Reine PR-Events mit Hochglanzbroschüren aber ohne verbindliche Rechte für die Öffentlichkeit wären nicht begrüßenswert." Abgesehen davon sei es eine "Schande, dass Tschechien der Bundesregierung eine bessere Beteiligung der deutschen Bevölkerung geradezu aufdrängen muss". dpa ----------------------------------------------------------------------- http://www.sueddeutsche.de/s5F382/462943/Temelin.html Süddeutsche Zeitung - 11.02.2012 Prag will besser über Temelin informieren Berlin - Im Streit um die geplanten neuen Blöcke des tschechischen Atomkraftwerks Temelin will die Regierung in Prag nun "maximale Transparenz" walten lassen. Dazu sollen auch Informationsveranstaltungen in Deutschland gehören. "Für uns ist sehr wichtig, dass die Öffentlichkeit das Gefühl hat, gut informiert zu werden", sagte der tschechische Ministerpräsident Petr Necas am Freitag in Berlin. In den nächsten Wochen sollten die Umweltministerien beider Länder die Vorbereitungen treffen. Necas hatte solche Veranstaltungen schon Ende November in einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgeschlagen. Schließlich dürfe die "Problematik des Kernkraftwerks keine negativen Auswirkungen auf die Qualität unserer gegenseitigen Beziehungen haben", hieß es darin. In Bayern, aber auch in Österreich, trifft das Vorhaben auf Widerstand. Formal werden die Treffen kaum Folgen haben. "Diese Veranstaltungen sind etwas, wozu wir nicht verpflichtet sind", sagte Necas. Von Plänen für einen massiven Ausbau der Atomenergie hat Prag aber offenbar Abstand genommen. "Ein Drittel, das ist ein Anteil, bei dem wir bleiben wollen", sagte er. miba ----------------------------------------------------------------------- http://www.wirtschaftsblatt.at/home/international/osteuropa/-507350/ WirtschaftsBlatt - 13.02.2012 Tschechien plant Atomkraft sprunghaft auszubauen Zusätzlich zu den bereits bekannten Ausbauplänen soll ein weiterer Reaktor den Atomstromanteil in Tschechien auf rund 50 Prozent erhöhen. Der tschechische Industrie- und Handelsminister Martin Kuba hat in einer TV-Debatte den Bau eines neuen Reaktors im südmährischen Atomkraftwerk Dukovany in Aussicht gestellt. Gemeinsam mit den zwei geplanten neuen Blöcken im südböhmischen Atomkraftwerk Temelin beabsichtigt Tschechien demnach, in den kommenden Jahren insgesamt drei neue Reaktoren zu errichten. Damit würde der Anteil der Kernenergie an der tschechischen Stromproduktion von derzeit 30 auf circa 50 Prozent steigen. "Damit (mit dem Bau von drei Blöcken) kämen wir auf 50 Prozent der Stromproduktion aus atomaren Quellen", sagte Kuba. Die Pläne seines Vorgängers Martin Kocourek, wonach dieser Anteil künftig bis auf 80 Prozent steigen könnte, bezeichnete Kuba als zu ambitiös. Der Konservative Kuba von der Demokratischen Bürgerpartei (ODS) zeigte sich so in der TV-Debatte am Sonntag einig mit dem früheren sozialdemokratischen Industrie- und Handelsminister Milan Urban, der die Regierungspläne zum Ausbau der Atomindustrie unterstützt. "Der dritte und vierte Block in Temelin (dort gibt es jetzt zwei Blöcke, Anm.) ist eine klare Angelegenheit. Eine Schlüsselfrage ist aber auch, dass man in Dukovany den Betrieb nicht nur aufrechterhält, sondern von vier auf fünf Blöcke erweitert", sagte Urban, derzeit Energiesprecher der oppositionellen Sozialdemokraten (CSSD). Kuba und Urban sagten übereinstimmend auch, dass der Ausbau Temelins aus eigenen Quellen des zu zwei Dritteln staatlichen Tschechischen Energiekonzerns (CEZ) finanziert werden sollte. Kuba hatte kürzlich frühere Pläne gebremst, wonach in Tschechien bis 2060 insgesamt 18 neue Atomreaktoren gebaut werden könnten. Dies sei "aus ökonomischer Sicht nicht realistisch", erklärte Kuba, der bis Juni ein neues energiepolitisches Konzept für Tschechien vorlegen soll. (APA) ----------------------------------------------------------------------- http://ooe.orf.at/news/stories/2521331/ ORF - 16.02.2012 Atomgegner wollen Aktivitäten weiter verstärken Alle im oberösterreichischen Landtag vertretenen Parteien sowie Atomgegner-Organisationen wollen sich auf den Widerstand gegen den Ausbau des Kernkraftwerkes Temelin und auf einen gesamteuropäischen Atomausstieg konzentrieren. Das kündigten sie nach einem Anti-Atom-Gipfel am Mittwoch in Linz an. Neben der Verstärkung der Informationsarbeit in Tschechien, diverser Rechtsschritte und der Zusammenarbeit mit Atomgegnern in anderen Ländern soll eine neue Strategie eingeschlagen werden: Eine Kooperation mit offenen, modernen Teilen der tschechischen Wirtschaft, Industrie und des Finanzsektors, die sich Sorgen machen, dass das Binden von Unsummen an Kapital an die Kernkraft Tschechien wirtschaftlich ins Abseits bringen und von den großen Zukunftsmärkten der grünen Technologie abkoppeln würde. Der Ausbau eines einzigen Reaktorblockes von Temelin werde auf zumindest vier Mrd. Euro geschätzt, lautet dabei ein Argument. Weiters solle die österreichische Bundesregierung eine Klage wegen Verstoßes gegen die Wettbewerbsregeln durch Milliardensubventionen an die Atomwirtschaft einbringen, fordert der Anti-Atom-Gipfel. Unter anderem würden weder die Kosten der Endlagerung noch jener der Versicherungsprämien bei Unfällen in den Strompreis eingerechnet. Gesamteuropäischer Atomausstieg gefordert Das sei der Schlüssel, um diese Energieform in Europa unwirtschaftlich zu machen und damit den gesamteuropäischen Atomausstieg schrittweise durchzusetzen. Der Atomgipfel befasste sich zudem mit Berichten und Analysen, wonach die tschechischen und slowakischen Atomkraftwerke die Aufträge der „Stresstests“ nicht erfüllt hätten und eklatante Mängel aufwiesen. Das Erdbebenrisiko am Standort Temelin werde unterschätzt, und die Haftungen für die Atomkraftwerke der EU seien völlig unzureichend. Die oberösterreichischen Atomgegner wollen am Fukushima-Gedenktag die offenen Sicherheitsfragen in Temelin - insbesondere die Erdbebengefahr - thematisieren und planen dazu für den 11. März eine Aktion direkt vor dem Atomkraftwerk. Außerdem soll ein Anti-Temelin-Gipfel der Anrainerregionen, zu dem Oberösterreich für den 18. Mai in Linz einlädt, die Verbreiterung und Verstärkung des Widerstandes unterstützen. ------------------------------------------------------------------------------------- http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/weltzeit/1678448/ Deutschlandradio - 16.02.2012 Tschechien strahlt Das AKW Temelin und die blühenden Landschaften Von Stefan Heinlein Der beschlossene Ausbau des tschechischen AKW Temelin wird in Deutschland und Österreich mit Sorge beobachtet. In Tschechien dagegen freuen sich Lokalpolitiker und Bewohner über den geplanten Bau von zwei weiteren Reaktoren. Sie hoffen auf einen nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung und viele neue Jobs. Der Hofhund stört die Mittagsruhe in Temelin. Im Zentrum des 300-Seelen-Dorfes liegt die Gastwirtschaft. Über der Eingangstür leuchtet grell orange das Logo von CEZ. Der Energiekonzern hat den Saal der Kneipe als Kulturzentrum renoviert. Regelmäßig gibt es dort kleine Konzerte und Theatervorstellungen. Gastwirt Josef Strubinsky ist dankbar für die Finanzspritze: "Das Kraftwerk bedeutet Arbeit für uns. Die Leute kommen zum Essen oder auf ein Bier vorbei. Wir könnten sonst hier nicht existieren. Sie werden niemanden in Temelin finden der das anders sieht." An den Holztischen sitzen Arbeiter in blauen Overalls. Auch Petr und Martin sind Stammgäste. Sie sind in Temelin geboren und stolz auf ihr Atomkraftwerk: "Das ist für uns eine ganz wichtige Sache. Das AKW gibt unserem Dorf jedes Jahr viel Geld für die Erneuerung der Straßen, der Gasleitungen oder der Sportplätze. Außerdem veranstalten sie für uns einmal im Jahr ein großes Fest." Umgerechnet gut vier Millionen Euro jährlich investiert der halbstaatliche Energiekonzern CEZ in den Ausbau der Infrastruktur im gesamten südböhmischen Kreis, erklärt Temelin-Sprecher Marek Svitak. Man wolle ein guter Nachbar für die örtliche Bevölkerung sein. "Unser Kraftwerk ist hier schon seit fast zehn Jahren in Betrieb und wir wollen noch lange Zeit bleiben. Wir arbeiten mit den Städten und Gemeinden eng zusammen. Wir renovieren Häuser oder die kaputte Kanalisation und finanzieren auch viele Kultur- und Sportprojekte." "Jaderka" - Kernkraftwerkchen - so lautet der liebevolle Kosename des AKW bei den Menschen in Temelin. Seit 5 Jahren ist Petr Machacek der Bürgermeister. Der geplante Ausbau von Temelin sei eine Riesenchance: "Das AKW hat bei uns die besten Bedingungen. Es wäre dumm diese zwei neuen Reaktoren nicht zu bauen. Das bringt viele Jobs und es kommen neue Leute und das ist sehr wichtig für unsere Region." Dem Millionenengagement von CEZ haben die AKW-Gegner nur wenig entgegen zu setzen. Ihr Protest wird von den meisten Menschen mit Schulterzucken registriert und von den Medien weitgehend ignoriert, meint Edward Sequens von der Umweltschutzorganisation Kalla: "CEZ kauft sich die Sympathien. Es fliessen jedes Jahr hunderte Millionen Kronen in die Region Südböhmen. Geld das die Städte und Gemeinden sonst nie erhalten würden. Die Zustimmung der Menschen zur Atomkraft wird ganz einfach mit Geld bezahlt." ---------------------------------------------------------------------- ++ Weitergeleitet durch DNR Redaktionsbüro Info-Service ++ Abbestellen: mailto:[email protected]?subject=kein-infoservice ++ Veröffentlichungsrechte bei den AutorInnen ++ Bitte insbesondere nicht auf Webseiten stellen ++ Weitere Umwelt-Infodienste: www.dnr.de/umweltinfo ++ Umweltpolitische Monatszeitschrift: www.dnr.de/umwelt-aktuell ++ Bitte prüfen Sie, ob diese E-Mail wirklich ausgedruckt werden muss. Danke! ++ _______________________________________________ Pressemeldungen mailing list [email protected] https://lists.wikimedia.org/mailman/listinfo/pressemeldungen
