http://www.pnp.de/nachrichten/bayern/340165.html

Pasasauer Neue Presse - 10.02.2012

Ausbau von AKW Temelin: Tschechien will Ängste nehmen

Tschechische Experten sollen in den nächsten Monaten in Deutschland umfassend 
über den Ausbau des umstrittenen, grenznahen Atomkraftwerks Temelin 
informieren. Die Umweltministerien Deutschlands und Tschechiens würden in Kürze 
über die genaue Organisation der Dialogforen beraten, sagte der tschechische 
Ministerpräsident Petr Necas am Freitag in Berlin.

Temelin liegt rund 60 Kilometer von der bayerischen Landesgrenze entfernt. Der 
Atommeiler ist wegen seiner Kombination von amerikanischen Leitsystemen mit 
russischer Reaktortechnik umstritten und sorgt besonders in Bayern für 
erhebliche Sicherheitssorgen.


Tschechien plant, das AKW um zwei Reaktorblöcke zu erweitern. Der Startschuss 
soll im Juli mit der Auswahl eines Reaktorherstellers fallen. Die Baukosten 
werden auf mindestens 20 Milliarden Euro veranschlagt. Es wird mit einer 
Bauzeit bis etwa 2023 gerechnet.

Bisher sind in Temelin zwei Reaktorblöcke am Netz, hinzu kommen in Dukovany 
vier Blöcke. Die Leistung beträgt insgesamt 3890 Megawatt und deckt knapp ein 
Drittel der tschechischen Stromversorgung.

Necas betonte, die Atomanlagen stünden im internationalen Vergleich sehr gut 
da. Man respektiere die deutsche Energiewende, bitte aber auch darum, den 
eigenen Ausbau der Atomkraft zu akzeptieren. "Wir wollen maximale Transparenz", 
sagte der konservative Politiker am Rande einer Tagung des CDU-Wirtschaftsrats.

Er hatte die Informationsoffensive bereits im vergangenen Jahr in einem 
Schreiben an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) angeboten. Allerdings scheint dies 
keine formale Beteiligung deutscher Bürger mit umfassenden Rechten zur 
Stellungnahme zu sein.

Die atompolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Sylvia Kotting-Uhl, betonte 
in Berlin: "Noch ist das Angebot eine Katze im Sack. Reine PR-Events mit 
Hochglanzbroschüren aber ohne verbindliche Rechte für die Öffentlichkeit wären 
nicht begrüßenswert." Abgesehen davon sei es eine "Schande, dass Tschechien der 
Bundesregierung eine bessere Beteiligung der deutschen Bevölkerung geradezu 
aufdrängen muss". 

dpa

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http://www.sueddeutsche.de/s5F382/462943/Temelin.html

Süddeutsche Zeitung - 11.02.2012

Prag will besser über Temelin informieren

Berlin - Im Streit um die geplanten neuen Blöcke des tschechischen 
Atomkraftwerks Temelin will die Regierung in Prag nun "maximale Transparenz" 
walten lassen. Dazu sollen auch Informationsveranstaltungen in Deutschland 
gehören. "Für uns ist sehr wichtig, dass die Öffentlichkeit das Gefühl hat, gut 
informiert zu werden", sagte der tschechische Ministerpräsident Petr Necas am 
Freitag in Berlin. In den nächsten Wochen sollten die Umweltministerien beider 
Länder die Vorbereitungen treffen. Necas hatte solche Veranstaltungen schon 
Ende November in einem Brief an Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vorgeschlagen. 
Schließlich dürfe die "Problematik des Kernkraftwerks keine negativen 
Auswirkungen auf die Qualität unserer gegenseitigen Beziehungen haben", hieß es 
darin.

In Bayern, aber auch in Österreich, trifft das Vorhaben auf Widerstand. Formal 
werden die Treffen kaum Folgen haben. "Diese Veranstaltungen sind etwas, wozu 
wir nicht verpflichtet sind", sagte Necas. Von Plänen für einen massiven Ausbau 
der Atomenergie hat Prag aber offenbar Abstand genommen. "Ein Drittel, das ist 
ein Anteil, bei dem wir bleiben wollen", sagte er. miba

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http://www.wirtschaftsblatt.at/home/international/osteuropa/-507350/ 

WirtschaftsBlatt - 13.02.2012

Tschechien plant Atomkraft sprunghaft auszubauen

Zusätzlich zu den bereits bekannten Ausbauplänen soll ein weiterer Reaktor den 
Atomstromanteil in Tschechien auf rund 50 Prozent erhöhen.

Der tschechische Industrie- und Handelsminister Martin Kuba hat in einer 
TV-Debatte den Bau eines neuen Reaktors im südmährischen Atomkraftwerk Dukovany 
in Aussicht gestellt. Gemeinsam mit den zwei geplanten neuen Blöcken im 
südböhmischen Atomkraftwerk Temelin beabsichtigt Tschechien demnach, in den 
kommenden Jahren insgesamt drei neue Reaktoren zu errichten. Damit würde der 
Anteil der Kernenergie an der tschechischen Stromproduktion von derzeit 30 auf 
circa 50 Prozent steigen.

"Damit (mit dem Bau von drei Blöcken) kämen wir auf 50 Prozent der 
Stromproduktion aus atomaren Quellen", sagte Kuba. Die Pläne seines Vorgängers 
Martin Kocourek, wonach dieser Anteil künftig bis auf 80 Prozent steigen 
könnte, bezeichnete Kuba als zu ambitiös.

Der Konservative Kuba von der Demokratischen Bürgerpartei (ODS) zeigte sich so 
in der TV-Debatte am Sonntag einig mit dem früheren sozialdemokratischen 
Industrie- und Handelsminister Milan Urban, der die Regierungspläne zum Ausbau 
der Atomindustrie unterstützt. "Der dritte und vierte Block in Temelin (dort 
gibt es jetzt zwei Blöcke, Anm.) ist eine klare Angelegenheit. Eine 
Schlüsselfrage ist aber auch, dass man in Dukovany den Betrieb nicht nur 
aufrechterhält, sondern von vier auf fünf Blöcke erweitert", sagte Urban, 
derzeit Energiesprecher der oppositionellen Sozialdemokraten (CSSD).

Kuba und Urban sagten übereinstimmend auch, dass der Ausbau Temelins aus 
eigenen Quellen des zu zwei Dritteln staatlichen Tschechischen Energiekonzerns 
(CEZ) finanziert werden sollte. Kuba hatte kürzlich frühere Pläne gebremst, 
wonach in Tschechien bis 2060 insgesamt 18 neue Atomreaktoren gebaut werden 
könnten. Dies sei "aus ökonomischer Sicht nicht realistisch", erklärte Kuba, 
der bis Juni ein neues energiepolitisches Konzept für Tschechien vorlegen soll.

(APA)

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http://ooe.orf.at/news/stories/2521331/

ORF - 16.02.2012

Atomgegner wollen Aktivitäten weiter verstärken

Alle im oberösterreichischen Landtag vertretenen Parteien sowie 
Atomgegner-Organisationen wollen sich auf den Widerstand gegen den Ausbau des 
Kernkraftwerkes Temelin und auf einen gesamteuropäischen Atomausstieg 
konzentrieren. Das kündigten sie nach einem Anti-Atom-Gipfel am Mittwoch in 
Linz an.

Neben der Verstärkung der Informationsarbeit in Tschechien, diverser 
Rechtsschritte und der Zusammenarbeit mit Atomgegnern in anderen Ländern soll 
eine neue Strategie eingeschlagen werden: Eine Kooperation mit offenen, 
modernen Teilen der tschechischen Wirtschaft, Industrie und des Finanzsektors, 
die sich Sorgen machen, dass das Binden von Unsummen an Kapital an die 
Kernkraft Tschechien wirtschaftlich ins Abseits bringen und von den großen 
Zukunftsmärkten der grünen Technologie abkoppeln würde. Der Ausbau eines 
einzigen Reaktorblockes von Temelin werde auf zumindest vier Mrd. Euro 
geschätzt, lautet dabei ein Argument.

Weiters solle die österreichische Bundesregierung eine Klage wegen Verstoßes 
gegen die Wettbewerbsregeln durch Milliardensubventionen an die Atomwirtschaft 
einbringen, fordert der Anti-Atom-Gipfel. Unter anderem würden weder die Kosten 
der Endlagerung noch jener der Versicherungsprämien bei Unfällen in den 
Strompreis eingerechnet.

Gesamteuropäischer Atomausstieg gefordert

Das sei der Schlüssel, um diese Energieform in Europa unwirtschaftlich zu 
machen und damit den gesamteuropäischen Atomausstieg schrittweise durchzusetzen.

Der Atomgipfel befasste sich zudem mit Berichten und Analysen, wonach die 
tschechischen und slowakischen Atomkraftwerke die Aufträge der „Stresstests“ 
nicht erfüllt hätten und eklatante Mängel aufwiesen. Das Erdbebenrisiko am 
Standort Temelin werde unterschätzt, und die Haftungen für die Atomkraftwerke 
der EU seien völlig unzureichend.

Die oberösterreichischen Atomgegner wollen am Fukushima-Gedenktag die offenen 
Sicherheitsfragen in Temelin - insbesondere die Erdbebengefahr - thematisieren 
und planen dazu für den 11. März eine Aktion direkt vor dem Atomkraftwerk. 
Außerdem soll ein Anti-Temelin-Gipfel der Anrainerregionen, zu dem 
Oberösterreich für den 18. Mai in Linz einlädt, die Verbreiterung und 
Verstärkung des Widerstandes unterstützen.

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http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/weltzeit/1678448/ 

Deutschlandradio - 16.02.2012

Tschechien strahlt 

Das AKW Temelin und die blühenden Landschaften

Von Stefan Heinlein

Der beschlossene Ausbau des tschechischen AKW Temelin wird in Deutschland und 
Österreich mit Sorge beobachtet. In Tschechien dagegen freuen sich 
Lokalpolitiker und Bewohner über den geplanten Bau von zwei weiteren Reaktoren. 
Sie hoffen auf einen nachhaltigen wirtschaftlichen Aufschwung und viele neue 
Jobs. 

Der Hofhund stört die Mittagsruhe in Temelin. Im Zentrum des 300-Seelen-Dorfes 
liegt die Gastwirtschaft. Über der Eingangstür leuchtet grell orange das Logo 
von CEZ. Der Energiekonzern hat den Saal der Kneipe als Kulturzentrum 
renoviert. Regelmäßig gibt es dort kleine Konzerte und Theatervorstellungen. 
Gastwirt Josef Strubinsky ist dankbar für die Finanzspritze:

  "Das Kraftwerk bedeutet Arbeit für uns. Die Leute kommen zum Essen oder auf 
ein Bier vorbei. Wir könnten sonst hier nicht existieren. Sie werden niemanden 
in Temelin finden der das anders sieht."

An den Holztischen sitzen Arbeiter in blauen Overalls. Auch Petr und Martin 
sind Stammgäste. Sie sind in Temelin geboren und stolz auf ihr Atomkraftwerk:

  "Das ist für uns eine ganz wichtige Sache. Das AKW gibt unserem Dorf jedes 
Jahr viel Geld für die Erneuerung der Straßen, der Gasleitungen oder der 
Sportplätze. Außerdem veranstalten sie für uns einmal im Jahr ein großes Fest."

Umgerechnet gut vier Millionen Euro jährlich investiert der halbstaatliche 
Energiekonzern CEZ in den Ausbau der Infrastruktur im gesamten südböhmischen 
Kreis, erklärt Temelin-Sprecher Marek Svitak. Man wolle ein guter Nachbar für 
die örtliche Bevölkerung sein.

  "Unser Kraftwerk ist hier schon seit fast zehn Jahren in Betrieb und wir 
wollen noch lange Zeit bleiben. Wir arbeiten mit den Städten und Gemeinden eng 
zusammen. Wir renovieren Häuser oder die kaputte Kanalisation und finanzieren 
auch viele Kultur- und Sportprojekte."

"Jaderka" - Kernkraftwerkchen - so lautet der liebevolle Kosename des AKW bei 
den Menschen in Temelin. Seit 5 Jahren ist Petr Machacek der Bürgermeister. Der 
geplante Ausbau von Temelin sei eine Riesenchance:

  "Das AKW hat bei uns die besten Bedingungen. Es wäre dumm diese zwei neuen 
Reaktoren nicht zu bauen. Das bringt viele Jobs und es kommen neue Leute und 
das ist sehr wichtig für unsere Region."

Dem Millionenengagement von CEZ haben die AKW-Gegner nur wenig entgegen zu 
setzen. Ihr Protest wird von den meisten Menschen mit Schulterzucken 
registriert und von den Medien weitgehend ignoriert, meint Edward Sequens von 
der Umweltschutzorganisation Kalla:

  "CEZ kauft sich die Sympathien. Es fliessen jedes Jahr hunderte Millionen 
Kronen in die Region Südböhmen. Geld das die Städte und Gemeinden sonst nie 
erhalten würden. Die Zustimmung der Menschen zur Atomkraft wird ganz einfach 
mit Geld bezahlt."

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