http://www.pressetext.com/news/20120428004

pte - 28.04.2012

Palmöl aus Torfböden bedroht Weltklima

Indonesische Plantagen zunehmend auf Kohlenstoff-Bunkern

Von Johannes Pernsteiner

New Haven/Wien (pte) - Die verheerende Klimabilanz von Palmöl wird sich künftig 
noch weiter verschlechtern. Wie ein internationales Forscherteam im Fachblatt 
"PNAS" zeigt, errichtet die Palmölindustrie ihre Monokultur-Plantagen im 
Haupterzeugerland Indonesien zunehmend auf Torfböden. Dieser Boden setzt bei 
der Trockenlegung oder Brandrodung enorme Mengen des Klimagases Kohlendioxid 
(CO2) frei. "Das Verhindern von Plantagen auf Torfböden ist eine der 
wichtigsten Maßnahmen des Klimaschutzes", sagt Studienautorin Kimberly Carlson 
[1] von der Yale University [2].

Anbau zündet CO2-Bombe

Die Forscher untersuchten den Bezirk Ketapang auf der Insel Borneo, der 
flächenmäßig etwas kleiner als die Schweiz ist. Zur Anwendung kam eine für den 
Amazonas-Regenwald entwickelte Simulation für die Landnutzung, die unter 
anderem hochauflösende Satellitendaten, Klimadaten und sozioökonomische 
Forschung berücksichtigt. Die Palmöl-Monokultur wird 2020 ein Drittel der 
Landfläche ausmachen, intakte Wälder hingegen nur noch fünf statt heute 15 
Prozent, so ein Ergebnis. Alarmierend ist jedoch der Umstand, dass im Vorjahr 
die Hälfte der neuerrichteten Plantagen auf Torfböden entstanden sind.

Tropische Torfböden sind eine bis zu 20 Meter tiefe Torfschicht, in der die 
zwanzigfache Biomasse des im Wald gespeicherten Kohlenstoffes steckt. Wird der 
Boden entwässert oder brandgerodet, wie bei der Palmöl-Plantagenerrichtung 
üblich, kommen enorme Mengen von CO2 frei. Fast 90 Prozent der 
Palmöl-verursachten Treibhausgase werden 2020 aus Torfböden stammen, sagen die 
Forscher um Carlson. Die Folge bekommt das Weltklima zu spüren. "Wegen der 
Waldbrände und -rodungen ist Indonesien viertgrößter CO2-Emittent", erklärt 
Greenpeace-Sprecher Jurrien Westerhof im pressetext-Interview.

Desaströser Durst nach Biodiesel

Doch Palmöl ist auch ein Sozialproblem, werden doch die Bewohner der benötigten 
Grundstücke meist von der Landwirtschaft weg in die Städte getrieben, da 
Plantagenarbeit für die meisten von ihnen keine Option darstellt. Auch die 
Natur leidet (pressetext berichtete [4]): "Macht Indonesien weiter wie derzeit, 
gibt es 2020 außerhalb von Reservaten keinen Urwald, keine Orang-Utans und 
keine Java-Nashörner mehr", so der Klimaexperte. Ein ähnliches Schicksal steht 
umliegenden Ländern wie Malaysia, Vietnam oder Teilen Papua-Neuguineas bevor.

Moratorien für Landumwidmung sind kaum zu erwarten: Indonesien plant, die 
Plantagen für Palmöl von derzeit 100.000 bis 2020 auf 180.000 Quadratkilometer 
zu vergrößern. Gründe dafür sind in der EU und den USA zu suchen: "Palmöl boomt 
aufgrund der künstlichen Steigerung der Nachfrage durch 
Biokraftstoff-Beimengung im Diesel", betont Westerhof. Zwar wird im Diesel eher 
Raps- oder Sonnenblumenöl beigemischt, doch dort, wo diese Öle früher steckten, 
landet nun zunehmend Palmöl: Im Speise- und Frittierfett etwa, in Backwaren, 
Margarine und Süßigkeiten sowie in der industriellen Verarbeitung.

Schutzgebiete errichten, Anrainer einbinden

Der wichtigste Hebel zur Verringerung des Palmöl-Klimaschadens ist somit das 
Senken der Gesamtnachfrage, wobei die Politik der Industrieländer gefordert 
ist. Nationale Verbote in Indonesien bringen hingegen nicht viel, sofern sie 
bloß die Umwandlung intakter oder gerodeter Wälder sowie von Torfböden in 
Plantagen verbieten wollen: Selbst bei erfolgreicher Durchführung würden die 
CO2-Emissionen bloß um vier Prozent sinken, zeigen die Forscher, da die 
unkontrollierten Waldbrände weitergingen.

Da Wald- und Moorschutz für die Lokalbevölkerung meist keine Vorteile bringt, 
wäre ein Schutzstatus für die betroffenen Flächen weitaus günstiger und könnte 
auch die CO2-Emissionen deutlich senken. "Alle Beteiligten - Industrie, Klima 
und Anrainer - müssen berücksichtigt werden. Beim Landerwerb sollten 
Palmölfírmen garantieren, dass der Kauf auf freier, informierter Zustimmung der 
Kleinbauern und Dörfer beruht und transparent und fair entschädigt wird", 
erklären die Forscher.

Originalstudie unter: http://pnas.org/content/early/2012/04/19/1200452109

Links

[1] http://environment.yale.edu/profile/kimberly-carlson 
[2] 
http://environment.yale.edu/news/article/oil-palm-surging-source-of-greenhouse-gas-emissions/
[3] 
http://www.greenpeace.org/austria/de/System-templates/such-resultate/?tag=palmöl
 
[4] http://pressetext.com/news/20110523017

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