On Sunday, May 03, 2015 8:23 PM, Andreas Horn ([email protected])
wrote:

Für Punkt 5.) gibt es - glaube ich - noch einfachere Alternativen, über die
wir mal diskutieren sollten! Ich bin der Meinung, dass für die Energiewende
kein sog. “Smart Grid” oder “Smart Meter” erforderlich sind. Diese
pseudo-smarten Lösungen werden von der Industrie nur gepusht, weil hiermit
neue Geschäftsmodelle erwartet werden. Die Industrie sieht hier “Umsätze”,
die Verbraucher haben die “Kosten”, aber wirklichen “Nutzen” sehe ich nur in
geringem Maß. Von den Gefahren (Stichworte “IT-Sicherheit” und
“Datenschutz”) ganz zu schweigen. Auch “flexible Strompreise” erfordern eine
riesige IT-Infrastruktur (“an jeder Steckdose”) - um dann mit Preissignalen
die Haushaltsstromkosten und 10 Euro (naja, etwas untertrieben) zu
minimieren?

Unser heutiges Stromnetz ist durch die Physik schon so smart, dass nur wenig
notwendig ist, um Lasten oder Einspeisungen perfekt zu steuern! Das wird ja
auch schon seit Anbeginn so gemacht: die Frequenz ist überall die selbe und
leicht messbar und ist ein perfektes Signal für das EU-weite Gleichgewicht
im Stromnetz von Erzeugung und Verbrauch. Die Spannung ist ein
hervorragendes Signal für die lokale Situation im Stromnetz hinsichtlich zu
hoher Einspeisung (hohe Spannung) oder zu hohem Verbrauch (niedrige
Spannung). Alles was wir brauchen, sind Regeln, wie wir auf Frequenz und
Spannung mit unserer Einspeisung oder unserem Verbrauch reagieren:
vielleicht sollten wir einfach anfangen, den Regenerativen Grid Code selber
zu entwickeln? 

Und vielleicht sollten wir einfach anfangen, unsere Geräte mit
netzdienlichen frequenz- und spannungsgeführten Steuerungen zu bedienen, z.
B. den Ebitsch-Saisonspeicher: bei hoher Netzfrequenz packen wir mehr Strom
in der Speicher, bei niedriger Frequenz mehr Strom ins Netz. Wenn das jeder
macht - das könnte auch per Norm verpflichtend werden - wäre das Problem
gelöst. Und die dummen statischen 70%- oder 60%-Prozent-Regeln für das
Einspeisemanagement könnten problemlos durch frequenz- und
spannungsabhängige dynamische Einspeiseregeln ersetzt werden. Kosten
hierfür: fast NULL - nur eine neue firmware in den entsprechenden
Steuerungen.

Andreas Horn
www.solardoktor.de


-----Original Message-----
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Posted on: Sunday, May 03, 2015 6:49 PM
Author: Matthias Diehl ([email protected])
Subject: Braucht die Energiewende wirklich neue Fernleitungen?

Die Energiepolitik der Bundesregierung ist für meinen Begriff so weit von
der Vision einer Energiewende entfernt, dass man sich nur mit Schrecken
abwenden kann, um das Thema an anderen Baustellen voranzutreiben. Die
aktuelle Diskussion zur Frage der Notwendigkeit von neuen Stromtrassen, um
Windenergie vom Norden Deutschlands nach Süden zu leiten, hat mich dennoch
dazu bewegt, mich mal wieder energiepolitisch zu äußern und einige
Grundthesen aufzustellen.

These 1: Die konventionelle Energiewirtschaft versucht Braunkohlekraftwerke
künstlich am Netz zu halten

Selbst in Kreisen, die sich seit Jahren für eine Energiewende in Deutschland
engagieren, scheint es ja inzwischen eine "beschlossene Sache” zu sein, dass
die großen Vorhaben zum Netzleitungsausbau von Nord nach Süd unumgänglich
sind für "den Erfolg der Energiewende”. Vollkommen ausgeblendet wird bei all
den Verlautbarungen, dass auch in der windreichen Nordsee hin und wieder
Flauten vorkommen. Man wird also auch nach dem Bau von beliebig vielen
Leitungen irgend wann vor dem Problem stehen, dass überschüssiger Strom
gespeichert werden muss, um ihn dann verfügbar zu machen, wenn er gebraucht
wird.

Zur Lösung dieses Problems helfen keine neuen Leitungen. Hier werden neue
und vor allem günstigere Stromspeicher benötigt. Die gibt es heute noch
nicht, aber ist das ein gutes Argument dafür, nun Netzleitungen auszubauen,
die sich über viele Jahrzehnte amortisieren müssen? Es ist schon sehr
auffallend, dass die geplanten Leitungstrassen die Braunkohlereviere mit den
Standorten von Atomkraftwerken (die ja künftig abgeschaltet werden sollen)
verbinden, der Bevölkerung aber weisgemacht werden soll, die Leitungen seien
zum Transport von Windstrom notwendig. Mich überzeugt dieses Argument nicht.

These 2: Wir werden in absehbarer Zeit bezahlbare Stromspeicher haben

Vor 15 Jahren wussten die Gegner der Energiewende angeblich sehr genau, dass
die erneuerbaren Energien niemals einen nennenswerten Beitrag zur
Stromversorgung in Deutschland würden leisten können. Auch unsere heutige
Kanzlerin gehörte dazu und behauptete damals, es werde im deutschen
Stromnetz niemals mehr als 5 Prozent Erneuerbare geben. Doch wie so oft
stellte sich heraus, dass Prognosen schwierig sind, vor allem wenn sie die
Zukunft betreffen. 

Heute sind wir bereits bei über 25 Prozent und Strom aus Photovoltaikanlagen
ist inzwischen selbst in Deutschland billiger als Strom aus neuen
Kohlekraftwerken. Viele hatten nicht verstanden, dass es sich bei
Photovoltaikmodulen um Elektronikbauteile handelt, bei denen, wenn man sie
in großen Mengen herstellt, der Preis immer der Kostenkurve [1] folgt und
die Produkte dadurch erheblich preiswerter werden. Das gilt übrigens nicht
nur für Solarzellen, sondern für alle Wirtschaftsgüter, die in einer
Massenproduktion hergestellt werden. Flachbildschirme, Mobiltelefone,
Digitalkameras, aber auch Autos sind hier gute Beispiele. Atom- und
Kohlekraftwerke von denen es weltweit nur ein paar Tausend gibt, gehören
allerdings nicht dazu. Ein Grund, warum der konventionellen
Energiewirtschaft hier jegliches Gefühl dafür fehlt, was möglich ist. 

Solarmodule wurden also immer billiger und müssen inzwischen in Deutschland
sogar durch eine Eigenverbrauchsabgabe - also eine Solarsteuer - behindert
werden. Auch die Importzölle auf chinesische Solarmodule sind ein Zeichen
dafür, dass man Solarstrom in Europa inzwischen künstlich verteuert. Es wird
heute niemand mehr behaupten können dass die Politik in Deutschland
ernsthaft daran interessiert wäre, Arbeitsplätze in der Solarbranche vor der
chinesischen Konkurrenz zu schützen. Nach dem Verlust von ca. 50.000
Arbeitsplätzen in der Photovoltaikbranche in den letzten 3 Jahren hätte es
dazu an anderer Stelle zahlreiche Möglichkeiten gegeben. Zum Beispiel durch
eine Reform des EEG, die nicht dessen faktischer Abschaffung gleichgekommen
wäre. Wem nutzen also diese Einfuhrzölle für chinesische Solarmodule? 

Nun, nachdem man bereits einmal am Beispiel der Photovoltaik beobachten
konnte, wie es gehen kann, wird bei den Stromspeichern genauso argumentiert
wie damals: Es stehen keine bezahlbaren Stromspeicher zur Verfügung, daher
müssen wir die Netzleitungen ausbauen, lautet das einhellige Credo. Auch im
Bereich der Stromspeicher gibt es ein erhebliches Potenzial für Produkte,
die in Massenproduktion zu immer niedrigeren Kosten hergestellt werden
können. Es gibt kein mir bekanntes Argument, warum bei Stromspeichern nicht
das Gleiche gelingen sollte, was bei den Solarmodulen möglich war. 

Dass ich mit dieser Auffassung offenbar nicht ganz alleine dastehe, kann man
hier [2] bei der Präsentation von Elon Musk sehen, der kürzlich die neue
"Tesla Powerwall" vorgestellt und gezeigt hat wohin die Reise geht. Wer
diese Entwicklung übersieht und nun Netzleitungen baut, die für viele
Jahrzehnte ausgelastet werden müssen, läuft nach meiner Überzeugung in die
falsche Richtung. 

These 3: Der billigste und sofort verfügbare Energiespeicher sind große
Wassertanks 

Was in der Diskussion um die Energiewende aus meiner Sicht noch viel zu
wenig beachtet wird, ist das Zusammenwachsen des Strom- und des
Wärmemarktes. Die Energiewende endet ja nicht damit, 100 Prozent des in
Deutschland verbrauchten Stromes mit erneuerbaren Energien zu erzeugen. Auch
im Verkehrssektor und im Wärmesektor gibt es noch unendlich viel zu tun.
Wenn zum Beispiel in einem Einfamilienhaus 3500 kWh Strom verbraucht werden,
so können es, je nach Wärmedämmstandard, bis zu 35.000 kWh sein, die für den
Wärmeverbrauch benötigt werden. Dieser immense Verbrauch an Wärmeenergie
muss deutlich gesenkt werden. Man wird hierbei - nebenbei bemerkt - auf
Wärmedämmungen nicht verzichten können. Auch wenn einige Kampagnen in der
letzten Zeit uns das Gegenteil zu erklären versucht haben. An der Physik
kommt man schwer vorbei. 

Doch was ist im Zusammenhang mit dem Speichern von Energie naheliegender,
als überschüssigen Photovoltaikstrom in Form von Wärme in großen Wassertanks
zu speichern? Wie kann man Saisonalspeicher bauen, mit denen man
Sonnenenergie des Sommers in den Winter retten kann, um damit dann das
Gebäude zu heizen? Da gab es doch mal diesen verrückten Schweizer, diesen
Herrn Jenni, der einen Wärmespeicher gebaut hat, um anschließend ein Haus um
den Speicher herum zu bauen. Die Jenni Solartechnik [3] gibt es immer noch
und von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt baut die Firma energieautarke
Häuser in der Schweiz, also Häuser, bei denen das "Speicherproblem", von dem
wir hier sprechen, bereits gelöst wurde. 

Eine neue Variante dessen, was die Schweizer schon seit Jahren machen,
stellte vor Kurzem die Firma Ebitsch [4] aus Mittelfranken vor. Hier sogar
noch mit dem Vorteil, dass kein Wohnraum verschenkt werden muss. Der
Speicher wird einfach im Garten vergraben. Ich hatte kürzlich das große
Vergnügen ein wenig mit Herrn Ebitsch zu plaudern und war begeistert von
seinem Konzept. 

Was ist nun das Geheimnis an diesen Energiespeichern? Im Gegensatz zum
Stromspeicher, bei dem man im Moment noch mit Kosten von über 1000,- EUR/kWh
rechnen muss (Elon Musk sprach allerdings für die Tesla Wall bereits von 350
Dollar), kostet ein Saisonal-Wärmespeicher etwa 20,- EUR/kWh (Wärme). Diese
Technik ist seit über 20 Jahren erprobt und ausgereift. Wie kann es sein,
dass es zu negativen Strompreisen an den Strombörsen kommt, weil angeblich
zu viel Strom aus erneuerbaren Energien im Netz ist, solange wir in unseren
Häusern noch Erdöl oder Erdgas verbrennen? Wenn sich jeder einen großen
Wassertank im Vorgarten vergräbt, wäre das Problem des Stromüberschusses
morgen zu lösen. 

Was ist das Geheimnis von solarthermischen Speichern? Bei einem
solarthermischen Speicher entstehen die Speicherverluste über die Oberfläche
des Speichers. Wenn die Größe des Speichers wächst, wachsen die Verluste in
etwa quadratisch mit dem Radius (wenn man vereinfacht von einer Kugel
ausgeht) und das Volumen wächst kubisch. Das bedeutet, je größer ein
Speicher wird, desto geringer ist seine Selbstentladung. Ab einer gewissen
Größe kann das Wärmereservoir, wenn es im Oktober auf 90 Grad aufgeheizt
ist, daher bis zum folgenden März noch ausreichend Wärme zur Versorgung
eines Hauses liefern. Wenn die Aufladung mit billiger, weil überschüssiger
Wind- oder Sonnenenergie erfolgt, hat man quasi einen "Öltank" im Garten,
der immer wieder mit erneuerbarer Energie gefüllt wird. 

Wenn man diese Speicher im großen Stil zum Einsatz bringt, gibt es kein
Argument mehr, nicht weiterhin massiv Wind - und Solarstromanlagen
auszubauen. Jede überschüssige kWh Strom substituiert mindestens 0,5 kWh
(Speicherverluste eingerechnet) Wärme und damit Gas und Öl im Winter. In
Kombination mit den immer billiger werdenden Stromspeichern kann man auf
diese Weise das Speicherproblem in den Griff bekommen. 

These 4: Auch im Süden muss die Wind- und die Sonnenenergie massiv ausgebaut
werden 

In einer Übergangszeit mag es richtig sein, dass flexible Gaskraftwerke im
Süden der Republik die Lücke des fehlenden Atomstroms schließen können. Für
Erdgas bestehen ja bereits ausreichend Leitungskapazitäten von Nord nach
Süd. Auf lange Sicht wird aber auch hier nur ein ambitionierter Ausbau der
Windenergie, der Photovoltaik und der verschiedenen Energiespeicher dazu
führen, die Versorgung komplett auf Erneuerbare umstellen zu können. Wenn
man die Netzleitungen nicht will, kann man sich nicht gleichzeitig gegen den
Ausbau der Windenergie aussprechen. Es sei denn, man setzt auf einen
Weiterbetrieb der Atomkraftwerke. 

These 5: Wir brauchen einen flexiblen Strompreis an jeder Steckdose 

Wie könnte ein Strommarkt aussehen, bei dem sich ein Preis aus Angebot und
Nachfrage bildet, der dem ungleichmäßigen Angebot von Wind- und Solarstrom
gerecht wird? 

Aus meiner Sicht müsste der Strompreis in einem kurzen Takt, z.B.
viertelstündlich, an jeder Steckdose, also direkt beim Endverbraucher
verfügbar sein. Wie sonst sollen neue Produkte geschaffen werden, die die
Lastverschiebungspotenziale voll erschließen. Es könnte dann neben
energiesparenden Geräten auch energieintelligente Geräte geben, die Strom
eben immer dann verbrauchen, wenn viel Wind- und Solarstrom im Netz ist und
der Strompreis entsprechend niedrig ist. Auch Marktmodelle für Stromspeicher
können sich nur entwickeln, wenn die Information verfügbar ist, wann der
Strom benötigt wird bzw. wann der Strom sinnvollerweise besser gespeichert
werden sollte. Nur mit einem funktionierenden Strommarkt können sich diese
neuen innovativen Produkte durchsetzen. 

Fazit 

Mit all diese verschiedenen Maßnahmen kann es gelingen, ein Industrieland
wie Deutschland nachhaltig mit 100 Prozent erneuerbaren Energien zu
versorgen. Mit all den volkswirtschaftlichen Vorteilen, die sich daraus
ergeben. Ich hoffe, dass auch in der Politik allmählich die Erkenntnis
heranreift, dass man die Zukunft weder mit Braunkohle noch mit Atomenergie
gewinnen wird und dass große Fernleitungen weder ökonomisch noch technisch
der richtige Weg dorthin sind. 

Matthias Diehl 2.5.2015

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[2] https://www.youtube.com/watch?v=yKORsrlN-2k
[3] https://www.youtube.com/watch?v=85ji5agkCVM
[4] https://www.youtube.com/watch?v=HBMDP_97XDY
[5] http://photovoltaikbuero.de/pv-buero-blog/braucht-die-energiewen#comment

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