NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 71/15 | 8. JUNI 2015
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Umwelt/Naturschutz/EU
NABU: Tegeler Fließtal profitiert von EU-Naturschutzrichtlinien
EU-Fitness-Check darf nicht zum Naturschutz-Abbau führen
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Berlin – Die Naturschutzgesetzgebung der EU soll auf den Prüfstand. Bis
zum 24. Juli haben alle Bürgerinnen und Bürger in den Mitgliedstaaten
die Gelegenheit, sich zur Bedeutung und zu einer möglichen
„Modernisierung“ der zwei wichtigsten EU-Gesetze für den Natur- und
Artenschutz zu äußern. Es gilt die Erfolgsgeschichte der EU-Vogelschutz-
und der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie fortzuschreiben und die geplanten
Lockerungen zu verhindern. Mit der Aktion „Naturschätze retten“ stellt
der NABU unter www.NABU.de/naturschaetze jede Woche ein Gebiet, eine Art
oder einen Lebensraum vor, die vom Schutz der EU profitieren. Diese
Woche: das Tegeler Fließtal in Berlin.
 
Unter dem Schutz der EU hat sich das Tegeler Fließtal in Berlin zum
„Naturschatz“ entwickelt. Das Natura-2000-Gebiet umfasst das
Landschaftsschutzgebiet Tegeler Fließ, das Naturschutzgebiet
Kalktuffgelände und das Naturschutzgebiet Niedermoorwiesen. Das Fließ
mündet in den Tegeler See mit direktem Anschluss zur Havel. Seine Ufer
sind in weiten Teilen durch eine vielfältige Bachauenlandschaft geprägt,
die sich mit ausgedehnten Wiesen, Erlenbruch und Grauweidengebüschen
abwechselt. Das Fließtal bietet somit auf seiner Länge von fast 15
Kilometern Pracht-Nelke und Fieberklee genauso wie Sperbergrasmücke und
Fischotter Lebensraum. Es kommen elf von den 13 für Berlin
nachgewiesenen Amphibien- und Reptilienarten hier vor. 
 
Der Zustand des Gebietes wird dank verschiedener Maßnahmen
kontinuierlich verbessert beziehungsweise auf seinem hohen Standard
gehalten. Zurzeit wird an der Durchgängigkeit des Fließes mittels
Fischtreppen und dem Rückbau von Sohlschwellen gearbeitet. Die aus Holz
oder Beton bestehenden Schwellen wurden quer zum Wasserverlauf in den
Fluss gebaut, um die Fließgeschwindigkeit zu verringern. Auch die
verschiedenen Feuchtwiesentypen benötigen viel Pflege durch extensive
Mahd und Beweidung. Die NABU-Bezirksgruppe Reinickendorf macht seit
vielen Jahren Werbung für die Natur vor Ort und engagiert sich im
Einsatz gegen Neophyten (gebietsfremde Pflanzenarten) wie Springkraut
oder Kamtschatka-Knöterich.
 
„Es ist fraglich, ob ohne die Richtlinien aus Brüssel Deutschland bzw.
das Land Berlin seit 1992 so große Anstrengungen unternommen hätte, um
alleine in Berlin 16 Schutzgebiete dieser Qualität auszuweisen“, sagt
Anja Sorges, Geschäftsführerin des NABU Berlin. „Dabei haben sich die
Mühen gelohnt: die Berliner Bürger wissen Gebiete, wie das Tegeler
Fließtal als Natur- und Naherholungsräume direkt vor ihrer Haustüre
genauso zu schätzen, wie Kranich, Biber und Wachtelkönig.
 
Mit Blick auf die EU-Bürgerbefragung zum „Fitness-Check“ möchte der
NABU zahlreiche Menschen dazu bewegen, sich für starke
Naturschutzgesetze in der Europäischen Union auszusprechen. Einige
Regierungen und Wirtschaftslobbyisten verlangen bereits die Abschwächung
der FFH- und Vogelschutzrichtlinie. Der Schutz von alleine in
Deutschland über 5.000 Natura-2000-Gebieten könnte damit geschwächt
werden. Die Jagd auf Zugvögel und Wölfe, der Schutz von Fledermäusen,
Bibern und Buchenwäldern stünde wieder zur Debatte.
Der NABU fordert nicht nur den Erhalt der genannten Richtlinien,
sondern auch eine konsequente Durchsetzung und Finanzierung der
geltenden Naturschutzstandards.  
 
Weitere Infos: 
https://berlin.nabu.de/stadt-und-natur/naturschutz-berlin/18942.html
 
Ortstermin am
13. Juni 2015, 15 bis 18 Uhr: Exkursion durch das Tegeler Fließtal mit
Dr. Hans-Jürgen Stork. Treffpunkt ist das Heimatmuseum Reinickendorf,
Alt-Hermsdorf 9, Bus 220 (Haltestelle Almutstraße). Feste Schuhe werden
empfohlen.
 
Kostenfreie Pressefotos: www.NABU.de/presse/fotos/#naturschaetze
 
Zum Fitness-Check und zur EU-Online-Konsultation: Beteiligung unter
www.NABU.de/naturschaetze
 
 
Für Rückfragen:
Jens Scharon, NABU Berlin, Referent für Artenschutz,
[email protected], (030) 9 86 08 37-15
 
Ulrike Kielhorn, NABU Berlin, Referentin für Naturschutz,
[email protected], (030) 9 86 08 37-14
 
Anja Sorges, NABU Berlin, Geschäftsführerin & Presse,
[email protected], (030) 9 86 08 37-17
 
 
 
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