Universität Graz
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23.11.2015

Globale Verantwortung

Ökonomen und Philosophen der Uni Graz zeigen auf, wie Emissionsrechte
gerecht verteilt werden können

Von Gudrun Pichler

Kommenden Montag, am 30. November 2015, beginnen in Paris beim
UN-Klimagipfel die Abschluss-Verhandlungen für ein Nachfolgeabkommen zum
Kyoto-Protokoll zur Eindämmung der Treibhausgasemissionen. Für die
Verteilung der Emissionsrechte - also der CO2-Mengen, die ein Land in
Zukunft noch ausstoßen darf - sowie deren Kontrolle - ist unter anderem zu
klären, welchem Staat bestimmte Emissionen überhaupt zuzurechnen sind.
Ökonomen des Wegener Center der Karl-Franzens-Universität Graz haben in
einer Studie unter der Leitung von Ao.Univ.-Prof. Dr. Karl Steininger
verschiedene Möglichkeiten und deren unterschiedliche Auswirkungen
analysiert. Die überraschenden Ergebnisse ihrer Arbeit wurden soeben im
renommierten Fachjournal Nature Climate Change veröffentlicht [1].

„Grundsätzlich können für ein und dieselbe Emission verschiedene AkteurInnen
entlang der weltweiten Wertschöpfungsketten verantwortlich gemacht werden“,
erklärt Karl Steininger den Ausgangspunkt der Studie und bringt ein
Beispiel: „Wenn für die Produktion eines Smartphones Energie nötig ist, die
aus Verbrennung von Kohle gewonnen wird, gibt es mehrere Möglichkeiten, wem
diese Emissionen zugeschrieben werden: dem Land, in dem die Kohle gefördert
wird, angenommen Australien, dem Land, in dem sie eingesetzt und das
Smartphone produziert wird, etwa China, oder dem Land, in dem das Gerät
gekauft und verwendet wird, beispielsweise Österreich.“ Je nachdem, ob das
Prinzip „fossile Rohstoffförderung“, das Produktions- oder das Konsumprinzip
zur Anwendung kommt, würde Australien, China oder Österreich mehr
Emissionsrechte brauchen.

Steininger nennt aktuelle Zahlen: „Betrachtet man die heutige Situation, so
weist zum Beispiel Österreich nach dem derzeit in den UN verwendeten
Produktionsprinzip pro Einwohner Emissionen in Höhe von 13 Tonnen
CO2-Äquivalenten auf, nach dem Konsumprinzip fast doppelt so viel - 22
Tonnen -, nach dem Rohstoffförderprinzip nur eine Tonne.“ Im Vergleich dazu
Deutschland: Hier sind es 13 Tonnen nach dem Produktionsprinzip, 18 Tonnen
nach dem Konsumprinzip und drei Tonnen nach dem Rohstoffförderprinzip.

Die Ergebnisse der von Ökonom Karl Steininger und einem Team aus
Wirtschafts- und Klimaforschern durchgeführten Untersuchung liefern eine
Basis für den in den Klimaverhandlungen festzulegenden Weg: „Wir plädieren
für eine kostengünstige und effektive Emissionsreduktion - und ihre gerechte
Umsetzung - mit Hilfe einer parallelen Bilanzierung nach allen
Grundprinzipien“, so Steininger. Denn wenn zum Beispiel die EU schmutzige
Produktion auf andere Kontinente verlagert, aber unverändert diese Güter
nachfragt, sinken die globalen Emissionen nicht, sondern steigen vielleicht
sogar noch an.

Ein von vornherein bestes Prinzip gibt es laut den Autoren der Studie nicht,
da sich für die allermeisten Emissionen nicht nur ein Land alleine
verantwortlich machen lasse. Jeder beteiligte Staat könnte seinen Beitrag
zur Reduktion leisten. Darüber hinaus hält Steininger einzig die
„Verantwortlichkeit für Emissionen“ für kein gut anwendbares Kriterium. „Ein
besserer Zugang wäre, sich anzusehen, wer die Kapazitäten hat, die
Umstellung auf sauberes Wirtschaften zu bewältigen. Nach dieser sogenannten
Verteilungsgerechtigkeit sind vor allem jene Länder gefragt, die historisch
- auch durch frühere überdurchschnittlich hohe fossile Energieverwendung und
Emissionen - reich geworden sind“, unterstreicht der Forscher.

Auf jeden Fall brauche es für eine nachhaltige und gerechte Reduktion auf
Basis umfassender Treibhausgas-Bilanzierungen die internationale Einigung
auf Richtlinien, nach denen diese Bilanzierungen transparent erstellt werden
können.

[1] Publikation:
Multiple carbon accounting to support just and effective climate policies
K. W. Steininger, C. Lininger, L. H. Meyer, P. Muñoz, T. Schinko
Nature Climate Change, DOI: 10.1038/nclimate2867
http://www.nature.com/nclimate/journal/vaop/ncurrent/full/nclimate2867.html

Grafik zum Download:
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