NABU-PRESSEMITTEILUNG | NR 111/16 | 22. SEPTEMBER 2016
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Artenschutz/Internationales (CITES, World Rhino Day 2016)
NABU-Studie zeigt: Freigabe von Nashorn-Handel könnte Nashorn-Wilderei
noch verstärken
Weltweite Nashornpopulation könnte enorme Horn-Nachfrage nicht
befriedigen
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Berlin - Die Wilderei auf afrikanische Nashörner nimmt seit Jahren
dramatisch zu. Mit 1.342 erlegten Tieren in nur einem Jahr erreichte sie
2015 einen traurigen Höhepunkt. Auf dem Schwarzmarkt in China und
Vietnam werden für ein Kilogramm Rhinozeros-Horn nach aktuellen
Schätzungen derzeit bis zu 100.000 US-Dollar bezahlt - damit ist es
wertvoller als Gold. Im Vorfeld der CITES-Konferenz in Johannesburg ist
die Diskussion um eine Freigabe des Handels mit Nashorn-Horn
aufgeflammt. Swaziland möchte seine Lagerbestände und durch Enthornung
gewonnenes Nashorn-Horn an asiatische Kunden verkaufen. Eine neue Studie
der NABU International Naturschutzstiftung zeigt: Selbst die weltweite
Nashorn-Population von knapp 30.000 Tieren würde nicht annähernd
ausreichen, um die enorme Nachfrage an Rhinozeros-Horn zu befriedigen. 


Die meisten Nashörner, etwa 20.000, leben übrigens im
CITES-Gastgeberland Südafrika. Bei der Konferenz wird auch darüber
entschieden, wie Arten vor dem Aussterben gerettet werden können. Für
den NABU ist das Aufheben eines Handelsverbots der falsche Weg. 
 
"Den Markt mit legalem Horn zu fluten, um durch den Preisverfall den
Anreiz für Wilderer und Händler zu reduzieren, ist eines der
Hauptargumente der Handelsbefürworter. Aus unserer Studie geht jedoch
klar hervor: Ein solches Szenario ist nicht realistisch. Eine Freigabe
des internationalen Handels mit Nashorn-Horn würde im Gegenteil dafür
sorgen, dass die Nashorn-Wilderei weiter eskaliert und somit den
Todesstoß für die Nashörner weltweit bedeuten", erklärte Barbara Maas,
Artenschutzexpertin der NABU International Naturschutzstiftung und
Autorin der Studie. 
 
Die Studie untersucht unterschiedliche Angebot- und Nachfrage-Szenarios
und zeigt die Diskrepanz zwischen tatsächlich verfügbarem Horn und der
Nachfrage in den beiden größten Verbrauchermärkten Vietnam und China
auf. Als Basis für die Berechnungen dienten, neben der in der
Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) empfohlenen Dosis für eine
Einzelbehandlung mit Nashornpulver, der potenzielle Markt an erwachsene
Konsumenten in Vietnam und China sowie die geschätzten 141 Tonnen Horn,
die von allen in Freiheit lebenden Nashörnern theoretisch "geerntet"
werden könnten. Die Analyse zeigt: Schon eine einzige Standard-Dosis von
drei, fünf oder 50 Gramm Nashornpulver, die von lediglich 3,8 Prozent,
1,3 Prozent oder 0,2 Prozent der chinesischen und vietnamesischen
Erwachsenen eingenommen wird, würde das gesamte, weltweit zur Verfügung
stehende Horn aufbrauchen. "Egal, welches Szenario wir durchgerechnet
haben - die Ergebnisse zeigen eindeutig: Eine 'Marktüberflutung' ist
völlig illusorisch - schon bei einer einzigen Nashorn-Pulver-Dosis
versagt das Argument", erklärte Maas.
 
Um die drohende Ausrottung der letzten Nashörner zu verhindern, fordert
NABU International nationale und internationale stark kontrollierte
Handelsverbote sowie gezielte Kampagnen zur Reduzierung der Nachfrage in
Abnehmerländern wie Vietnam und China. Dazu unterstützt die Stiftung
eine Initiative der International Buddhist Confederation in Vietnam, dem
weltweit größten Abnehmerland für Nashorn-Horn.
 
Nashorn besteht, ebenso wie menschliche Nägel oder Haare, aus Keratin
und wird in der TCM schon seit tausenden Jahren gegen eine Reihe von
Beschwerden eingesetzt. In extrem hohen Dosen wirkt Nashorn leicht
fiebersenkend - jedoch weniger effektiv als Aspirin. Seit einigen Jahren
geht in Vietnam und China zudem das Gerücht um, dass Nashorn-Pulver
gegen Krebs hilft. Obwohl es hierfür weder in der TCM, noch in der
konventionellen Medizin Hinweise gibt, ist der Verbrauch von
Nashorn-Pulver seither sprunghaft angestiegen. Zudem dient Nashorn-Horn
in China und Vietnam als Statussymbol und Wertanlage.
 
"Seit 1977 besteht ein internationales Handelsverbot mit Nashorn-Horn.
Dennoch ist der Markt riesig und wird von weltweit operierenden
Verbrecherkartellen und in Südafrika von korrupten Naturschutzinsidern
und Vollzugsbeamten bedient, deren professionelle Ausrüstung denen der
Wildhüter meist deutlich überlegen ist. So werden selbst Nashörner in
gut gesicherten Schutzgebieten wie dem Kruger Nationalpark immer wieder
getötet. Ein regulierter Handel ist genauso wenig möglich, wie das
Überfluten des Marktes mit 'nachhaltig geerntetem' Nashorn", sagte
Maas. 


 
Kostenlose
Pressebilder:https://www.nabu.de/presse/pressebilder/fotos-international.html#nashorn
Link zur Studie:
https://www.nabu.de/imperia/md/content/nabude/internationalerartenschutz/160922-nabu-nashornstudie.pdf
CITES-Webseite des NABU: www.NABU.de/cites
NABU-Blog zur CITES-Konferenz:
https://blogs.nabu.de/naturschaetze-retten/category/weltweit/


 
Für Rückfragen zur Studie
Dr. Barbara Maas
Leiterin internationaler Artenschutz der NABU International
Naturschutzstiftung
Tel. +44 (0)7970 9877 42
E-Mail: barbara.m...@nabu.de






NABU-Vertreterinnen vor Ort in Johannesburg auf der CITES-Konferenz:
Heike Finke
NABU-Präsidiumsmitglied und Expertin für internationalen Artenschutz
Mobil: 0049 179-1102513
heike.fi...@nabu.de 

Claudia Praxmayer
BAG Internationaler Artenschutz
claudia.praxma...@nabu.de



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