Presseinformation
Mainz, 2. September 2020
 
Steuerliche Begünstigung von Produktionsabfällen verhindern! 
 
Der Grüne Punkt, das Reinigungsmittelunternehmen Werner & Mertz sowie
der Naturschutzbund Deutschland (NABU) fordern eine einheitliche
Definition für Kunststoffrecyclate
 
Das Thema Circular Economy wird im kommenden Jahrzehnt eine, wenn nicht
DIE zentrale Aufgabe in puncto Umweltpolitik sein. Doch im Gegensatz zu
Papier und Glas wird Kunststoff bisher immer noch zu einem deutlich
geringeren Prozentsatz recycelt und danach zur Herstellung neuer
Produkte genutzt: Bis 2025 müssen laut EU-Verpackungsrichtlinie 50
Prozent der Kunststoffverpackungen in der EU recycelt werden. Da zudem
künftig Aufbereitungsverluste nicht mehr in die Berechnung der
Recyclingquote einfließen dürfen, bedeutet das, dass sich die
Recyclingmenge von Kunststoffverpackungen europaweit von aktuell etwa
4,6 Millionen Tonnen in den nächsten Jahren auf etwa acht Millionen
Tonnen fast verdoppeln muss. Es bedarf deshalb einer erheblichen
Kraftanstrengung und klarer politischer Rahmenbedingungen, um Umwelt und
Rohstoffe durch das richtige Kunststoffrecycling zu schützen.
 
Die geringe Recyclingquote ist vor allem darauf zurückzuführen, dass
die Verwendung von Neuware viel günstiger ist als der Einsatz von
Recyclat – durch die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise hat sich
dieser Kostenunterschied noch einmal verstärkt: Mit dem sinkenden
Rohölpreis sind auch die Recyclingquoten rapide zurückgegangen. Laut
einer aktuellen Umfrage des BDE fragen Verpackungshersteller 30 %
weniger Recyclat nach.
Aus diesem Grund ist eine finanzielle Förderung von Verpackungen, die
ganz oder teilweise aus Recyclat hergestellt werden, unumgänglich. So
schreibt es das seit 2019 geltende Verpackungsgesetz vor und das ist
auch der Ansatz der ab 2021 geltenden von der EU beschlossenen
sogenannten „Plastiksteuer“ auf nicht recyceltes Plastik. Doch dabei ist
eine Definition des Recyclat-Begriffs entscheidend: Wenn gesetzliche
Regelungen Mindestquoten für Recyclatanteile in Verpackungen festsetzen
oder der Einsatz von Recyclaten finanziell privilegiert werden soll,
muss entsprechend klar definiert sein, worauf sich die Regelungen
beziehen und zwar im zur Novellierung anstehenden
Kreislaufwirtschaftsgesetz. 
Eine echte Kreislaufwirtschaft setzt voraus, dass Abfälle, die beim
Endverbraucher anfallen, hochwertig recycelt und wieder in den
Produktkreislauf zurückgeführt werden. Die Verwertung von
Produktionsabfällen hingegen, sogenanntes „Post-Industrial-Recyclat“,
hilft nicht dabei, der Plastikvermüllung unseres Planeten
entgegenzuwirken. 
 
Deshalb fordern Der Grüne Punkt, die Werner & Mertz GmbH (u.a. Marke
Frosch) sowie der Naturschutzbund Deutschland (NABU) eine gesetzlich
bindende Definition für Kunststoffrecyclate, bei der
„Post-Consumer-Recyclate“ (PCR) bei der Förderung klar bevorzugt
werden. Produktionsabfälle hingegen sollten entsprechend nicht als
förderwürdiges Recyclat anerkannt werden und sollen auch nicht in die
Berechnung zukünftiger Mindestquoten für Recyclatanteile in Verpackungen
herangezogen werden.
 
Denn wenn industrieller Kunststoffabfall ebenfalls als Recyclat gilt,
könnten sich viele Unternehmen für diesen einfacheren und billigeren
Weg entscheiden, wie Reinhard Schneider, Geschäftsführender
Gesellschafter der Werner & Mertz GmbH, betont: 
„Als der Pionier der hochwertigen Verwendung von PCR aus dem Gelben
Sack wissen wir, dass die von uns entwickelten marktfähigen Lösungen
sich nicht weiter durchsetzen werden, wenn Industrieabfälle für den
Umweltschutz fälschlicherweise als gleichwertig behandelt werden.
Industrieabfälle lassen sich deutlich günstiger aufbereiten und sind
letztlich die Folge ineffizienter Prozesse. Dies sollte der Staat nicht
auch noch subventionieren. Die Verbraucher erwarten hier zu recht
nachhaltige Angebote und keine Tricks.“
 
Jörg-Andreas Krüger, Präsident des NABU, betont die große Bedeutung des
Recyclings für den Umweltschutz: „Um Klima und Rohstoffe zu schützen,
müssen wir unseren Verpackungsaufwand minimieren und die Kunststoffe
in engen Kreisläufen führen. Dafür braucht es Hersteller, die auf
recyclingfreundliches Design achten und Recyclingmaterial in
hochwertigen Anwendungen einsetzen. Doch zu oft rechnen Unternehmen ihre
Recyclingerfolge schön, indem sie lediglich ihre Produktionsreste
verwerten. Sie lassen damit wahre Produktverantwortung vermissen. Damit
mehr in das technisch herausfordernde Recycling von Abfällen aus dem
Gelben Sack investiert wird, muss der Gesetzgeber die Verwertung dieser
Abfallströme in besonderer Weise fördern und eine gesetzlich Definition
für Kunststoffrecyclate einführen.“
 
Michael Wiener, CEO Der Grüne Punkt, geht sogar noch einen Schritt
weiter und macht deutlich, dass die gesamte Kreislaufwirtschaft von der
richtigen Definition abhängt: „Wir werden die Plastikkrise nur lösen,
wenn Kunststoff kreislauffähig wird. Dazu müssen wir gerade an die
Kunststoffabfälle heran, die beim Endverbraucher anfallen und bei denen
das Recycling eine echte Herausforderung ist. Das Recycling von
Produktionsabfällen braucht keine Förderung – das Recycling von
Post-Consumer-Abfällen sehr wohl. Aus diesem Grund ist die
Unterscheidung von grundlegender Bedeutung – und sie entscheidet über
das Gelingen oder Scheitern der Kreislaufwirtschaft für Kunststoff.“
 
Alle drei sind sich einig, dass nur eine klare Definition des
Recyclatbegriffs die Kreislaufwirtschaft retten und damit Klima und
Umwelt schützen wird. Der Herkunftsnachweis könnte über das RAL
Gütezeichen „%-Recycling Kunststoff“ erfolgen, das den prozentualen
Anteil recycelter Kunststoffmaterialien aus dem Gelben Sack oder der
Gelben Tonne in Produkten angibt. Die Wiederverwertung von Gewerbe- und
Industrieabfällen wird in die Prozentangaben ausdrücklich nicht
einbezogen, um gezielt Anreize für die Wiedernutzung von
Plastikmaterialien aus Haushaltsabfällen zu schaffen.
 
 
NABU: Der NABU engagiert sich seit 1899 für Mensch und Natur. Mit mehr
als 770.000
( tel:770000)  Mitgliedern und Fördernden ist der NABU der
mitgliederstärkste Umweltverband in Deutschland. Zu den wichtigsten
Aufgaben des NABU zählen der Erhalt der Lebensraum- und Artenvielfalt,
die Nachhaltigkeit der Land-, Wald- und Wasserwirtschaft und nicht
zuletzt der Klimaschutz. Die Vermittlung von Naturerlebnissen und die
Förderung naturkundlicher Kenntnisse gehören zu den zentralen
NABU-Anliegen. In den rund 2.000 NABU-Gruppen und rund 70 Infozentren in
ganz Deutschland steht praktischer Naturschutz genauso auf dem Programm
wie Lobbyarbeit, Umweltbildung, Forschung und Öffentlichkeitsarbeit. 
Pressekontakt: 
Sascha Roth
[email protected]
+49 30 284 984-1660

 
Der Grüne Punkt: Die Unternehmen des Grünen Punkts sind als
Dienstleister für die erweiterte Produzentenverantwortung, als führender
Sekundärrohstofflieferant für Kunststoffe und als Premium-Produzent von
Kunststoffrezyklaten der Lösungsanbieter für die Bedürfnisse der
Kreislaufwirtschaft. Die Der Grüne Punkt – Duales System Deutschland
GmbH (DSD) hat mit dem Grünen Punkt als ihrem Markenzeichen das duale
System in Deutschland mit eingeführt und aufgebaut und steht für
intelligente Rücknahmesysteme sowie die Entwicklung und Vermarktung
innovativer Rezyklate und Dienstleistungen. Die Systec Plastics stellt
an den Standorten Eisfeld und Hörstel Premiumrezyklate der Marke
Systalen für den internationalen Markt her. Die Unternehmen sind in der
DSD – Duales System Holding GmbH & Co. KG zusammengefasst.
Pressekontakt: 
Norbert Völl
[email protected]
+49 2203 937 – 507
 
Werner& Mertz: Seit über 150 Jahren ist die Werner & Mertz GmbH am
Standort Mainz vertreten und mit seinen Vertrauensmarken Frosch, Erdal
und green care Professional als innovatives Unternehmen auf dem
europäischen Markt bestens etabliert. Werner& Mertz arbeitet nach den
Prinzipien einer umweltschonenden und nachhaltigen Wirtschaftsweise und
betrachtet Nachhaltigkeit als gelebte Firmentradition. Mit der
Initiative Frosch und gezielten Projektpartnerschaften bereitet Werner &
Mertz zukunftsweisenden nachhaltigen Lösungen den Weg und gibt neue
Impulse über die eigene Branche hinaus. www.werner-mertz.de 
Pressekontakt:
Birgitta Schenz
[email protected]
+49 6131 964 2028 

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