http://www.phil.uni-sb.de/projekte/imprimatur/2003/imp030103.html


Christoph Luxenberg

Weihnachten im Koran


Die lange Zeit stagnierende islamwissenschaftliche Forschung ist in
Bewegung geraten. Hierzu tragen vor allem die Arbeiten von Christoph
Luxenberg bei, der die Sprache des Koran untersucht und feststellt,
dass sie in weiten Teilen eine syrisch-arabische Mischsprache ist. So
muss in vielen F�llen die syrisch-aram�ische Bedeutung der W�rter
herangezogen werden, um in den koranischen Texten sinnvolle Aussagen
lesen zu k�nnen.

Diese lassen nun oft Inhalte erkennen, die der sp�teren rein
arabischen Lesung widersprechen. Religionswissenschaftlich interessant
ist, dass der syrisch-arabischen Mischsprache auch ein Umfeld
entspricht, das von syrisch- und arabisch-christlichen Vorstellungen
gepr�gt war. So kann Luxenberg Sure 97 als eine "Einleitung zu einer
Weihnachtsliturgie der christlichen Araber" aufzeigen. Wenn Berichte
aus einem Hadith der Lieblingsfrau Mohammeds sowie aus der noch
sp�teren Sira einen historischen Kern haben, w�re damit sogar auf eine
christliche Herkunft Mohammeds - nicht nur sp�terer Muslimgemeinden -
hingewiesen, wodurch bisherige Meinungen auf den Kopf gestellt und die
islamischen Anf�nge in einem neuen Licht erscheinen.

Karl-Heinz Ohlig



Weihnachten im Koran

In einer ersten Studie mit dem Titel "Die syro-aram�ische Lesart des
Koran. Ein Beitrag zur Entschl�sselung der Koransprache" (Berlin 2000)
hat der Autor einige Ergebnisse umfangreicherer Untersuchungen zur
Sprache des Koran der �ffentlichkeit vorgelegt. Vom sprachhistorischen
Ansatz ausgehend, dass bei der Entstehung des Koran (im 7. Jahrhundert
und einige Zeit danach) nicht das Arabische, sondern das
Syro-Aram�ische die Schrift- und Kultursprache im Vorderen Orient war,
konnte er durch die Kl�rung einer ganzen Reihe von sogenannten dunklen
Stellen, wie sie in der Koranforschung bezeichnet werden, belegen,
dass die Sprache des Koran als Beginn einer arabischen Schriftsprache
mit dem Syro-Aram�ischen so eng verflochten ist, dass man von einer
arabisch-aram�ischen Mischsprache sprechen kann. Dies f�hrt
zwangsl�ufig dazu, dass ohne Heranziehung des Syro-Aram�ischen dieses
Koran-Arabisch nicht so zu verstehen ist, wie es verstanden sein will.
So stellte sich u.a. heraus, dass die von der sp�teren arabischen
Exegese als Huris oder Paradiesjungfrauen mi�deuteten Ausdr�cke in
Wirklichkeit wei�e, kristallklare Weintrauben bezeichnen, wenn man
diese Ausdr�cke aram�isch als eschatologische Symbolik des
christlichen Paradieses (in Anlehnung an den Wein das letzten
Abendmahls) richtig versteht (s. a.a.O., S. 221-260). Gleiches gilt
von den vermeintlich (ewig jungen) "Knaben" oder gar "Burschen", die
syro-aram�isch die gleichen paradiesischen Fr�chte bezeichnen (ebd.,
260-269).

Am Beispiel zweier Suren hat der Autor ferner gezeigt, da� nicht nur
einzelne Begriffe mi�verstanden, sondern auch ganze Suren von den
arabischen Kommentatoren inhaltlich g�nzlich mi�deutet wurden. So
hatten die arabischen Exegeten in dem nachtr�glich als �berschrift der
Sure 108 dienenden Begriff (al-Kawthar = Constantia) u.a. den Namen
eines Flusses des Paradieses gesehen, der ausschlie�lich dem Propheten
bzw. den Muslimen vorbehalten sei, und in den nachfolgenden Versen die
Verfluchung eines angeblichen Feindes des Propheten, der diesen wegen
seiner Kinderlosigkeit geschm�ht habe. Die syro-aram�isch verstandene
Sure ergab hingegen eine Reminiszenz an den I. Petrusbrief, Kapitel
5:8-9, wonach - wie im Eingangsvers der r�mischen Komplet - die
Gl�ubigen zur Beharrlichkeit (constantia) im Gebet aufgemuntert
werden, wodurch ihr Feind - der Satan - besiegt werde (ebd., 269-276).

Desgleichen hatten die arabischen Exegeten in der Sure 96 (al-'Alaq /
Der Lehm) den Beginn der prophetischen Offenbarung durch den Engel
Gabriel gesehen. Dabei hat die lexikalische und syntaktische Analyse
der syro-aram�isch wohlverstandenen Sure ergeben, dass es sich hierbei
um eine Aufforderung an den Gl�ubigen zur Teilnahme am (christlichen)
Gottesdienst - der Eucharistiefeier - handelt (ebd., 276-298).

Von diesem sprachhistorisch nachgewiesenen syro-aram�ischen
Hintergrund der Koransprache ausgehend, konnte der Autor nunmehr auch
inhaltlich auf einen urspr�nglich christlich-syrischen Grundstock des
Koran schlie�en. Dies um so mehr, als das Wort "Koran" selbst nichts
anderes ist als die arabisierte Aussprache des syro-aram�ischen
liturgischen Buches "Qeryan", dem in der r�mischen Liturgie das
Lektionar (Lectionarium) entspricht, aus dem die Lesungen im
christlichen Gottesdienst vorgetragen werden. So ist es erkl�rlich,
wenn der Koran Jesus (`Isa) 25 mal erw�hnt und ihn 11 mal als den
Messias (al-Masih) bezeichnet.

Vor diesem Hintergrund nimmt es nicht mehr wunder, wenn weitere
christlich-syrische Texte zu diesem Grundstock des Koran geh�ren, die
der Autor in einer weiteren Buchpublikation zu erl�utern gedenkt.
Bereits in der ersten Studie wurde auf Christi Geburt in Sure 19
(Surat Maryam / Marien-Sure) kurz eingegangen. Dort wurde
klargestellt, dass der gegen Maria erhobene Vorwurf der unehelichen
(illegitimen) Schwangerschaft Maria dazu veranlasst hatte, den Tod f�r
sich herbeizusehnen, ehe sie niederkommen sollte. Die tr�stenden Worte
ihres Sohnes folgen in Vers 24. Dieser war bisher so mi�verstanden
worden:
"Da rief er ihr von unter ihr her zu: Sei nicht traurig, dein Herr hat
unter dir ein B�chlein gemacht !"

Dabei ist dieser Vers syro-aram�isch so zu verstehen:
"Da rief er ihr sogleich nach ihrer Niederkunft zu: Sei nicht traurig,
dein Herr hat deine Niederkunft legitim gemacht!" (a.a.O., 102-121).

Spricht nun der Koran von Christi Geburt so stellt sich die Frage, ob
er nicht sonstige Texte enth�lt, die auf eine Weihnachtsliturgie
hindeuten. Einen solchen Text glaubt der Autor in Sure 97
verschl�sselt zu sehen. Diese Sure ist (nach der �bersetzung von Rudi
Paret, Stuttgart �1982) bisher so verstanden worden (die neu zu
deutenden Worte sind unterstrichen):

"al-Qadr" / "Die Bestimmung"
1: Wir haben ihn (d.h. den Koran) in der Nacht der Bestimmung hinabgesandt.
2: Aber wie kannst du wissen, was die Nacht der Bestimmung ist?
3: Die Nacht der Bestimmung ist besser als tausend Monate.
4: Die Engel und der Geist kommen in ihr mit der Erlaubnis ihres Herrn
hinab, lauter Logos(wesen) (min kulli amrin).
5: Sie ist (voller) Heil (und Segen), bis die Morgenr�te sichtbar wird.

In dieser kurzen Sure sieht die islamische Tradition eine Andeutung
der Herabkunft des Koran. Daher werden in dieser Nacht (Laylat al-qadr
/ Nacht der Bestimmung genannt) gegen Ende des Fastenmonats Ramadan
Vigilien gehalten. Dies ist religionshistorisch deswegen von
Bedeutung, weil der Islam sonst (bis auf die Tarawih im Monat Ramadan)
keine Nachtliturgie kennt. Dies weist demnach auf die �bernahme eines
fr�heren christlichen Brauches hin, der urspr�nglich auf Christi
Geburt bezogen war, im sp�teren Islam aber auf die Herabkunft des
Koran umgedeutet wurde. Wie schwer sich jedoch die islamische
Tradition tut, diese Umdeutung zu begr�nden, geht aus dem gro�en
Korankommentar von at-Tabari (9./10. Jahrhundert) hervor. Die dort
aufgef�hrten Traditionsaussagen lassen sich wie folgt zusammenfassen:

a) Der Koran ist in dieser Nacht auf einmal in den unteren Himmel herabgekommen.
b) Je nach Bestimmung sandte Gott etwas davon auf die Erde herab, bis
der Koran vollendet wurde.
c) Zwischen Anfang und Ende der Koranoffenbarung bestanden zwanzig Jahre.
d) Der Anfang des Koran ist erst in dieser Nacht herabgekommen.

Diese unschl�ssige Erkl�rung der Korankommentatoren l��t sich aber
kl�ren, wenn der Text dieser Sure mit Hilfe des Syro-Aram�ischen
entschl�sselt wird. Drei bisher richtig verstandene Begriffe haben
wohl Richard Bell (The Qur'an, translated, Edinburgh 1939) in der
Einleitung zu dieser Sure dazu veranla�t, darin eine Andeutung der
Weihnachtsmette zu vermuten, das sind: a) die Nacht, b) die Engel, c)
der Friede (wohl im Anschlu� an Bell erkennt Paret bei "amr" zwar
richtig eine Entlehnung aus dem Aram�ischen, sieht darin aber
"Logoswesen"). Doch der einleitende Schl�sselbegriff "Bestimmung" bzw.
"Los, Schicksal" ist bisher ungekl�rt geblieben. Bei at-Tabari hei�t
es lakonisch, Gott bestimme in dieser Nacht, was im betreffenden Jahr
geschehen soll. Das Tertium comparationis aber, auf das sich dieses
Schicksal in Wirklichkeit bezieht, ist nur �ber ein R�ck�bersetzen ins
Syro-Aram�ische zu erschlie�en. Unter dem lexikalisch entsprechenden
Begriff "Helqa" belegt das syrische Lexikon die Zusammensetzung "Helqa
yaldanaya" = "Los, Schicksalsbestimmung der Geburt" als Bezeichnung
des "Schicksalssterns" in der Bedeutung von "Geburtsstern = Horoskop",
den der Thesaurus syriacus mit "beth yalda" als: a) "Geburt", b)
"Standort des Geburtssterns", c) "Geburtsfest, Weihnachten" definiert.

Somit ist die Verbindung zu Matth�us 2,2 hergestellt: "Wo ist der
neugeborene K�nig der Juden? Wir haben n�mlich seinen Stern im Aufgang
gesehen...". So sprachen die Weisen, d.h. die Astrologen, die aus dem
Morgenlande kamen, worin wir Babylonien zu sehen haben, das als Wiege
der Astrologie gilt. Diese aus dem Orient stammende astrologische
Tradition wirkt als t�gliches Horoskop bis in unsere Tage hinein. An
diese Tradition kn�pft auch der Koran mit dem Begriff "al-Qadr"
(Schicksalsbestimmung) an, stellvertretend f�r "Geburtsstern" (eine
diesbez�gliche Assoziation liegt einem bei at-Tabari auf Ibn `Abbas
zur�ckgef�hrten Hadith zugrunde, wonach der Koran in den unteren
Himmel - am Standort der Sterne - herabgekommen sei). So
entschl�sselt, ergibt Sure 97, arabisch und syro-aram�isch verstanden,
nunmehr folgenden Sinn:

Die Schicksalsbestimmung (des Geburtssterns)

1. Wir haben ihn (= den Jesusknaben) in der Nacht der
Schicksalsbestimmung (des Geburtssterns: der Sternkonstellation, unter
der die Geburt stattfindet und die das Geschick des Neugeborenen
bestimmt - hier als Geburtsstern = Weihnachtsstern zu verstehen)
herabkommen lassen (arabisch "anzala", herabkommen lassen, ist mit dem
in Vers 24 der Mariensure wiederholt vorkommenden syro-aram�ischen
Verbalsubstantiv "Nuhhat", eigentlich "Herabkommen-lassen" =
"Herabkunft, Niederkunft", in Verbindung zu bringen).

Mit der nachfolgenden Frage von Vers 2: "Was wei�t du, was die Nacht
der Schicksalsbestimmung ist ? ", will der Koran die besondere
Bedeutung dieser Nacht als Christmette hervorheben. Denn in der
syrischen Liturgie bezeichnet der Begriff "lelya" (Nacht) als
Abk�rzung von "Slotha d-lelya" (Nachtgebet) einen kirchlichen
Terminus, dem die "Nokturn" in der r�mischen Liturgie entspricht. Mit
"Nacht" ist demnach nicht einfach das Naturph�nomen, sondern der
christlich-syrische liturgische Terminus gemeint. Die besondere
Bedeutung dieses liturgischen Nachtgebets stellt auch der Koran nicht
�ber die von tausend "Monaten" (wie man dieses Wort bisher arabisch
mi�verstanden hat), sondern �ber die Bedeutung von tausend "Vigilien".
Mit "Shahr" ist n�mlich hier nicht arabisch "Monat", sondern
syro-aram�isch "Shahra" (= arabisch "Sahar") gemeint, womit ein
weiterer Terminus technicus der christlich-syrischen Liturgie, n�mlich
"Vigilie" (Nachtwache vor hohen Feiertagen) gemeint ist. Somit stimmt
auch die innere Logik des Vergleichs zwischen "Nokturn" und "Vigilie",
die hier als Synonyme zu fassen sind, w�hrend der Vergleich von
"Nacht" mit "Monat" die begriffliche Koh�renz missen l��t.

So lautet Vers 3: "Die Nacht (= die Vigil) der Schicksalsbestimmung
(des Weihnachtssterns = der Geburt) ist vorz�glicher (gnadenreicher)
als tausend
Vigilien".

Vers 4: (Anstelle der heutigen Koranlesung tanazzalu ist tunazzilu zu
lesen): "Darin bringen (tunazzilu) die Engel, wobei der Geist in /
unter ihnen (ist) (= vom Geiste begleitet - vgl. dazu Sure 16:2 ), mit
Erlaubnis ihres Herrn allerlei Hymnen" (das aus dem Aram�ischen
entlehnte arabisch "amr" ist hier als substantivierter Infinitiv dem
entsprechenden syro-aram�ischen Infinitiv "memra" = Hymne
gleichzusetzen) herab."

Das Hauptthema dieser Hymnen folgt in Vers 5: "Friede ist sie (diese
Nacht = Vigilie) bis zum Anbruch der Morgend�mmerung." Damit wird auf
Lukas 2,14 angespielt: "Ehre sei Gott in den H�hen und Friede auf
Erden...". Dieser Gesang der Engel bildet auch seit je das Leitmotiv
der syrischen Weihnachtsvigilien, die sich mit "allerlei Hymnen"
wesentlich l�nger als sonstige Vigilien hinstrecken. Zugleich wird mit
der Morgend�mmerung auf den christlich-syrischen Brauch hingewiesen,
wonach die Eucharistiefeier (die Christmesse) im Anschlu� an die
(besonders langen) Vigilien erst am fr�hen Morgen stattfand (und
vielfach noch stattfindet). Daher lautet das Hauptthema der
Weihnachtsvigilien: "Friede (auf Erden) bis zum fr�hen Morgen".

Da� diese Sure auf einen christlich-syrischen bzw.
christlich-arabischen Brauch zur�ckgeht, wird auch durch das
enzyklop�dische Lexikon der arabischen Sprache (Lisan al-`arab /
Sprache der Araber, 13. Jahrhundert, ber�cksichtigt die arabische
Lexikographie ab dem 9. Jahrhundert) belegt. Dort wird n�mlich zu dem
Stichwort "at-Timam" bzw. "at-Tamam" (d.i. die Vollendung der l�ngsten
Winternacht) die Erkl�rung des ber�hmten, aus Basra (S�dmesopotamien)
stammenden arabischen Philologen al-Asma`i (ca.740-828) wiedergegeben.
Sie lautet folgenderma�en:

"at-Timam bezeichnet die l�ngste Nacht des Winters. Diese Nacht ist so
lang, da� alle Sterne darin zu sehen sind. Sie ist auch die Nacht der
Geburt Jesu - �ber unseren Propheten und �ber ihn Segen und Heil - und
die Christen halten sie in hohen Ehren und wachen darin (d.h.: halten
darin Vigilie)."

Diese arabische �berlieferung ist von eminenter Bedeutung f�r das
Verst�ndnis der besprochenen Sure. Sie geh�rte eigentlich in den
Korankommentar von at-Tabari, der davon nichts geh�rt zu haben
scheint. Sie erkl�rt auch weitgehend den heutigen islamischen Brauch,
wonach in der Nacht von "al-Qadr" Vigilien gehalten werden, wobei die
heutigen Muslime nicht mehr wissen, da� sie mit diesen Vigilien
eigentlich Weihnachten feiern.

Da� dies vor dem Aufkommen des sp�teren Islam h�chst wahrscheinlich
der Fall war, belegt ein anderes vom Lisan al-`arab zu dem gleichen
Stichwort zitiertes Hadith der 'Aisha (der j�ngsten Frau des
Propheten). Dieses hat folgenden Wortlaut:

"Der Gesandte Gottes - Gott segne ihn und schenke ihm Heil - pflegte
die Timam-Nacht wachend zu verbringen; dabei rezitierte er die Suren
al-Baqara (die Kuh) und Al `Imran (die Sippe Imran) sowie die Sure
an-Nisa' (die Frauen), wobei er von keinem Vers zum anderen �berging,
ohne zuvor Gott angerufen zu haben."

Zu diesem Hadith ist zu bemerken:
Die in der heute g�ngigen Reihenfolge zitierten Suren sind sp�teres
Beiwerk, denn: a) nach islamischer Tradition war der Koran zu den
Lebzeiten des Propheten noch nicht schriftlich fixiert;
b) die heutige Reihenfolge der Suren geht nach der gleichen Tradition
fr�hestens auf die Zeit des 3. Kalifen Osman (reg. 644-656) zur�ck;
nach dem bisher �berlieferten handschriftlichen Material ist sie aber
eher auf die erste H�lfte des 8. Jahrhunderts zu verlegen;
c) die aus dem jeweiligen Kontext ermittelten Surennamen wie auch die
Einteilung in einzelne Verse sind noch sp�ter eingef�hrt worden.

�brig bleibt wohl als Kern historischer Wahrheit die Feststellung, da�
der Prophet in dieser Timam-Nacht Vigilien gehalten hat. Diese
Timam-Nacht d�rfen wir nach ihrer arabischen Definition mit "Laylat
al-qadr" (Nacht der Schicksalsbestimmung = Weihnachten) gleichsetzen.
Der Prophet h�tte somit die vor dem Islam unter den christlichen
Syrern (bzw. Arabern) fest etablierte Weihnachtsvigilie eingehalten.
Die Sure "al-Qadr" als Andeutung einer vorislamischen christlichen
Weihnachtliturgie ist somit von unsch�tzbarer religionshistorischer
Bedeutung.

Dieses auf einen vorislamischen christlichen Brauch hinweisende Hadith
deckt sich mit einem anderen von Ibn Hisham in der Sira, der
Biographie des Propheten, �berlieferten Bericht. Danach pflegte der
Prophet vor seiner Sendung j�hrlich einen Monat lang nachts in der
H�hle von Hira' bei Mekka im sog. "tahannuth" zu verbringen. Dieses
Wort, das Ibn Hisham mutma�end als dialektale Variante zu "tahannuf"
fa�t und darin die fromme �bung eines Hanifen sieht (in Anlehnung an
Abraham den Hanifen, den Heiden, der als solcher dennoch kein
G�tzendienser war - s. a.a.O., 39 f.), ist in Wirklichkeit eine
arabisierte Form von syro-aram�isch "tahnantha" (Bittgebet), ein
Terminus der christlich-syrischen Liturgie. War dieses "tahannuth"
eine bei den Quraysh, der Sippe des Propheten in Mekka, eine religi�se
Gepflogenheit vor dem Islam, wie Ibn Hisham berichtet, so deutet dies
darauf hin, da� der Prophet vor seiner Sendung in einer
christlich-syrischen Tradition aufgewachsen ist.

Diese �berlieferung von Ibn Hisham verleiht dem christlichen
Verst�ndnis der Sure "al-Qadr" mehr Plausibilit�t.

Die politisch-historisch bedingte Entfremdung zwischen Islam und
Christentum wie auch die wechselseitige Polemik haben jedoch dazu
gef�hrt, da� die sp�tere islamische Exegese diese Sure und die damit
verbundene Nachtliturgie wie folgt uminterpretiert hat: Nicht in
Christus hat das Wort Gottes Gestalt angenommen, sondern im Koran. Mit
anderen Worten: dem christlich-theologischen Begriff der Menschwerdung
des Logos (al-Kalima) in Christus setzte die islamische Theologie das
Wort Gottes im Koran entgegen: Nicht in Christus - im Koran hat Gottes
Wort (Kalimatu l-lah) Gestalt angenommen. Folglich: nicht das
Jesuskind ist in dieser Nacht geboren - der Koran ist in dieser Nacht
herabgekommen.

Nach der dargelegten philologischen Er�rterung ergibt Sure 97
zusammenfassend folgendes Verst�ndnis:

Sure 97
Die Schicksalsbestimmung (des Geburtssterns)

1. Wir haben ihn (= den Jesusknaben) in der Nacht der
Schicksalsbestimmung (des Geburtssterns) herabkommen lassen.
2. Was wei�t du, was die Nacht der Schicksalsbestimmung ist?
3. Die Nacht (= die Nokturn) der Schicksalsbestimmung ist
gnadenreicher als tausend Vigilien.
4. Die Engel, vom Geiste (begleitet), bringen darin mit Erlaubnis
ihres Herrn allerlei Hymnen herab.
5. Friede ist sie bis zum Anbruch der Morgend�mmerung.

Sure 97 kann als Einleitung zu einer Weihnachtsliturgie der
christlichen Araber gedient haben. Die darin an einen fr�heren
christlich-syrischen bzw. christlich-arabischen Brauch ankn�pfende
Tradition der Muslime ist ein bedeutungsvoller Ansatzpunkt f�r das
Verst�ndnis des Ursprungs des Islam. Sprach- und religionshistorisch
richtig verstanden, macht diese Sure die gemeinsamen Wurzeln und die
urspr�ngliche N�he von Christentum und Islam deutlich.

(c) imprimatur M�rz 2003


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