For German speakers only.... For Recoznet: For those of you who can read German, an empathetic, pro-Aboriginal report in Der Spiegel, Germany's premier news magazine, on "The Block" in Sydney. As far as I can tell - and I've never been there, only heard and read about it - it's pretty accurate. Perhaps someone can do a precis for the net. I'm too full-on. Diet Simon, Cologne. ------------------------------------------------------------ (Aus dem SPIEGEL 38/2000) Minderheiten: "Seid stolz auf euch!" ------------------------------------------------------------ Einen Fu�marsch von Sydneys polierter City entfernt leben Aborigines im Slum. Olympia ist bei ihnen nicht angekommen. Als die australische L�uferin Cathy Freeman in Homebush Bay das olympische Feuer entz�ndete, schien das Land vorigen Freitag f�r einen Moment mit seiner Geschichte vers�hnt. Denn dass eine Aborigine f�r diesen symbolischen Akt auserw�hlt war, sollte der Welt zeigen: Zwischen Wei�en und Ureinwohnern des Kontinents gibt es keine Unterschiede mehr � was auch der Auftritt des Kinderstars Nikki Webster mit dem popul�ren Aborigine-K�nstler Djakapurra Munyarryun suggerierte, die gemeinsam bei der Er�ffnung auftraten. Ein Bild gespielter Harmonie. Denn schon zwei Bahnstationen weiter im Stadtteil Redfern zeigte sich die Metropole von ihrer kalten Seite. Auf der Wiese zwischen Eveleigh und Louis Street hatte sich Carol Reid, 29, l�ngst in ihr l�chriges Zelt verkrochen, als die Feier auf dem H�hepunkt war. Wer keinen Platz in den verrotteten Zimmern der umliegenden H�user findet, muss sich hier, wo tags�ber K�ter streunen, in ausgefranste Decken h�llen. F�r verwahrloste Aborigines wie Reid sind die Spiele unendlich weit weg. Sie besitzt keinen Fernseher, kein Radio, und sie hat auch kein Geld f�r ein Olympia-Ticket. Wegen Olympia, sagt Reid, sei der Wohnblock des ber�chtigten Slums derzeit �berf�llt. Viele Matratzen in den R�umen und Vorg�rten der Siedlung h�tten "Fl�chtlinge" in Beschlag genommen. Fl�chtlinge werden in "The Block" jene obdachlosen Aborigines genannt, die vor den Spielen von der Stra�e verscheucht worden sind. "Sie wollten alles sauber haben." Vom olympischen Boom, der Sydneys Wohnungs- und Arbeitsmarkt erfasst hat, ist im Stadtteil Redfern nichts zu sp�ren. Zu den Einkaufsstra�en der City ist es ein kurzer Fu�marsch. Doch im Quartier rund um die Eveleigh Street schlafen die Kooris, wie sich die Aborigines nennen, neben den Ratten ein. Olympischen Besuch bekam der Block unl�ngst nur von 120 Polizisten: Mit schusssicheren Westen bewehrt, st�rmten sie im Morgengrauen f�nf H�user und nahmen 16 mutma�liche Dealer vor�bergehend fest. Naomi Smith, 28, eine der damals Eingesperrten, muss jetzt t�glich �ber einen Schlafplatz verhandeln. Das Haus an der Louis Street, in dem sie wohnte, ist derweil ausgebrannt. Jemand habe in einer der k�hlen Fr�hjahrsn�chte wohl ein Lagerfeuer auf dem Boden entfacht, vermutet sie. Bei Belinda Carr, 33, kommt sie nun unter. Carr hat ihre f�nf Kinder zu ihrer Mutter nach Surry Hills gegeben, und ihr Freund, sagt sie, sei nicht daheim: Er sitze im Knast, weil er einen Laptop gestohlen habe. Drogen, Diebstahl, Gef�ngnis, die R�ckkehr in den Block, manchmal Selbstmord � das sei der Gang, sagt Fred Standon, 25, unaufgeregt. Seit f�nf Jahren konsumiere er Heroin und Kokain, und wegen des scharfen Konkurrenzkampfs der H�ndler sei der Stoff nirgends so preiswert. Standon verharrt inmitten der herumliegenden Tupfer und Einwegspritzen, als er die Nadel wieder aus dem Unterarm zieht. Seine Pupillen schwirren schr�g in Richtung der Lider ab, w�hrend er S�tze sagt, die wie auswendig gelernt klingen: "Das Elend begann, als die wei�en Invasoren in unser Land kamen. Sie haben den Alkohol und die Drogen gebracht." Die Kette der Verelendung bewegt Australiens Publikum w�hrend der heiteren Tage von Sydney. "The shame game", ein au�erolympisches Wettspiel um Scham und Schande, meinte der "Sydney Morning Herald" zu beobachten: Sein Ausgang werde dar�ber bestimmen, wie das Gastgeberland in der Wahrnehmung der Welt abschneide. Ein Aborigines-Komitee beantragte letzte Woche eine Pressekonferenz �ber die "Generation gestohlener Kinder" im Medienzentrum der Stadt. Dessen Leitung lehnte mit Hinweis auf einen proppenvollen Terminkalender ab. Das Thema der systematischen Entwurzelung und Zwangsassimilierung, entgegnen nun Aborigines-Funktion�re, sei der Regierung wohl "zu hei�". Derweil hat in Redfern die kalifornische Stadtplanerin Angie Pitt einen Sozialplan f�r die Sanierung des Blocks vorgelegt. Die verkommenen H�user sollen abgerissen werden, k�nftige Neubauten den traditionellen Gewohnheiten der Ureinwohner Rechnung tragen. Versammlungspl�tze und gen�gend Schlafraum f�r tempor�re, wie Nomaden umherziehende Bewohner w�rden gebraucht. Bislang h�tten die Drogendealer jeden Sanierungsansatz sabotiert. "Die verteidigen ihre Interessen", sagt Peter Valilis von der Wohnungsgesellschaft. Als vor zwei Jahren 41 Haushalte freiwillig mit �ffentlichem Geld umsiedelten, sind auch die Stammes�ltesten aus dem Slum gegangen. Seitdem sei die Gemeinschaft "sozial krank", meint der Block-Bewohner Daniel Ariel. Jeder klagt jeden an. Die Regierung unterschreibe Schecks "f�r idiotische Programme", schimpft Wohnungsmanager Valilis. Rassistische Politiker blockierten alle Versuche der Sanierung und Selbstreinigung, mutma�t Daniel Ariel: "Die wollen lieber das Bild vom faulen Aborigine aufrechterhalten, der Alkohol trinkt und Drogen nimmt." Von den versprengten Demonstrationen ihrer Stammesgenossen werden die Bewohner der Eveleigh Street ebenso wenig erfasst wie vom olympischen Geist. Die Zeiten, da radikale Aborigines-F�hrer wie der fr�here Fu�ballprofi Charles Perkins "brennende Autos und H�user" ank�ndigten, sind vorbei. Koori-Funktion�re wie Lowitja O'Donoghue rufen zu friedlicher Unterst�tzung der zehn Aborigines-Olympioniken auf. Das Koori-Radio berichtet �ber den Sprinter Patrick Johnson, der ein goldenes Amulett mit einem Gecko tr�gt, dem Totem seines Gro�vaters. Doch die Botschaften sportiver Vorbilder kommen neben den Gleisen des Bahnhofs in Redfern nicht mehr an. Dabei hat auch der Block seine Idole. Im Gym des fr�heren Box-Champions Tony Mundine halten sich Ghetto-Kinder und Erwachsene f�r einen Dollar pro Trainingstag fit. "Keine Drogen, kein Alkohol", steht am Schwarzen Brett. Auch Champ Mundines Sohn Anthony, genannt "The Man", trainiert gelegentlich im Block. Der fr�here Rugby-Spieler tritt im Gym an der Eveleigh Street wie ein Prediger auf. "Setzt euch Ziele", mahnt er die Aborigines-Jugend von Redfern, "seid stolz auf das, was ihr seid!" Er ist hier ein richtiger Held, nur wei� das nicht jeder. In seinem Wohnort Rockdale zerrten Polizisten Anthony Mundine unl�ngst aus seinem BMW. Denn ein Aborigine am Steuer eines solch schicken Schlittens gilt in Australien als Autodieb. J�RG KRAMER ------------------------------------------------------------ (C) SPIEGEL ONLINE - 21. September 2000, 09:33 Den Artikel erreichen Sie im Internet unter der URL http://www.spiegel.de/sport/sonst/0,1518,93756,00.html ------------------------------------------------------ RecOzNet2 has a page @ http://www.green.net.au/recoznet2 and is archived at http://www.mail-archive.com/ To unsubscribe from this list, mail [EMAIL PROTECTED], and in the body of the message, include the words: unsubscribe announce or click here mailto:[EMAIL PROTECTED]?Body=unsubscribe%20announce This posting is provided to the individual members of this group without permission from the copyright owner for purposes of criticism, comment, scholarship and research under the "fair use" provisions of the Federal copyright laws and it may not be distributed further without permission of the copyright owner, except for "fair use." RecOzNet2 is archived for members @ http://www.mail-archive.com/recoznet2%40paradigm4.com.au/
