springerin - Hefte für Gegenwartskunst
Heft 4 / Herbst 2009:

Wende Wiederkehr

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Seit Längerem ist im Kulturbetrieb von diversen Wenden - Turns - die Rede. Ob Cultural, Translational, Participatory oder Educational Turn, in vielerlei Teilbereichen werden heute vollmundig neue Paradigmen und Betrachtungsweisen verkündet. Dabei ist oft nicht klar, ob den ausgerufenen Novitäten tatsächlich auch ein gedanklicher, ja systemischer Umbruch entspricht, oder ob hier nur bislang vernachlässigte oder unterbelichtete Themenbereiche in den Mittelpunkt gerückt werden. Besitzt die Rede von der Wende auf realpolitischer Ebene im Rückblick auf die Jahre nach 1989 ein schier endloses Reservoir, aus dem sie schöpfen kann, so ist die Verkündung diverser kultureller Wenden oft nicht mehr als ein rhetorisches Manöver. Grund genug, den dieser Tage so häufig im Mund geführten Turns näher nachzugehen, zumal in Verbindung mit einem zweiten Stichwort gegenwärtiger Kultur: die »Wiederkehr«, die auf oft subtile Weise mit den besagten Wenden einherzugehen scheint. Als rhetorisches Motiv hielt der Begriff lange Zeit jene prominente Stelle besetzt - sei es als Wiederkehr des Realen, des Politischen oder irgendeines anderen, vermeintlich Verdrängten -, den in der Folge die Turns zu okkupieren begannen. Wirft man unter diesen Vorzeichen einen Blick auf die aktuelle Kunst, so lässt sich auch hier die Verwobenheit der beiden Denkfiguren erkennen. Arbeitet sich diese zum einen stärker denn je an historischen Vorgaben ab, so werden zum anderen fortwährend neue Wenden und Refokussierungen proklamiert. Von Wiederaneignungen und »Re-Enactments« bis hin zu simplen Retroanleihen und Rekombinationen reicht die Palette der Rückkehrstrategien, von Repolitisierung bis hin zu allerlei neu ersonnenen partizipatorischen Strukturen das Spektrum der Neuausrichtung. Durchgehend klingt die Frage nach der möglichen Verschränktheit der beiden Denkmotive an - der Wende hin zum Neuen und der Wiederkehr des neu kontextualisierten Alten. Handelt es sich bei den beiden vielleicht um unterschiedliche Aspekte ein und derselben Symptomatik? Oder zeichnen sich in ihrer aktuellen, weitverbreiteten Streuung tatsächlich Risse in der Kultur der Gegenwart ab, die in absehbarer Zeit nicht einfach zu schließen sein werden?


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Wende Wiederkehr

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