Medien und Evolution - Ebooks, Piracy, Internet und die Zukunft der Presse

In ihrer Gesprächsreihe über "Fehler" sprechen Manuel Bonik und Andreas Schaale 
diesmal über einige jüngere Aspekte der Entwicklung technischer Medien. Die 
Akzente liegen dabei auf Ebooks und Fragen nach dem Verhältnis von Internet und 
Copyrights. Auch behandeln sie die Auswirkungen des Internets auf die 
traditionellen Medien, welche ja pikanterweise in diesen zumeist falsch 
dargestellt werden.

Ebooks: In wenigen Jahren hat sich der mp3-Player zum Standard-Abspielgerät für 
Musik entwickelt, und die neuen digitalen Möglichkeiten haben die 
Musikindustrie fundamental verändert. Mit dem Aufkommen von Ebook-Readern 
erleben wir aktuell eine ähnliche Entwicklung für den Buch- und generell den 
Printmarkt, man denke etwa an den Erfolg von Amazons Kindle. Dabei zeichnet 
sich ab, dass nach einem halben Jahrtausend Buchdruck das Medium Buch eine 
völlige Neubewertung erhält, - die gedruckte ist nun nur noch eine 
Sondervariante des Buchs. 

Zu den Vorteilen digitaler Bücher gehören die Möglichkeit, tausende von Büchern 
auf einem einzigen Gerät unterzubringen, sowie neue wirkungsmächtige 
Arbeitsweisen wie die Durchsuchbarkeit der Inhalte. Und allerdings gibt es aus 
Sicht einiger Autoren, Verlage oder Buchhändler auch Nachteile, im besonderen, 
dass digitale Bücher nicht mehr unbedingt gekauft werden müssen, sondern 
beispielsweise über Websites wie avaxhome.ws auch illegal heruntergeladen 
werden können.

Zur Zeit beschäftigt die Copyright-Internet-Problematik immer wieder die 
Parlamente. Dabei zeugen Diskussionen wie die um Filesharing-Plattformen oder 
Netzsperren von einer fundamentalen Ahnungslosigkeit von Politikern und anderen 
Entscheidern. Es werden Geisterdebatten geführt, die offensichtlich ähnlich 
uninformierter Klientel "Wir tun was!" signalisieren sollen, aber - man denke 
auch an das unlängst erlassene Bundestagsgesetz zu "Warnschildern" für 
angebliche Kinderpornoseiten oder die aktuellen und reichlich bizarren 
Vorschläge der EU-Kommission zu dieser Thematik - eigentlich nur zeigen, dass 
man fundamentale Funktionalitäten des Internets nicht begriffen hat.

Verwandt mit der Ebook-Thematik sind die Veränderungen, die Ebook-Reader und 
das Internet dem traditionellen Journalismus bereiten, - erwähnt sei nur das in 
den USA anhaltende und hier beginnende Zeitungssterben. Auch und ausgerechnet 
in den Presseverlagen weiss man offensichtlich nicht im mindesten, wie man mit 
den neuen Medien umgehen soll (man denke etwa an das stets wiederkehrende 
Jammern über Google News, das durch Wiederholung auch nicht richtiger wird). 
Auch hier werden Bonik und Schaale einige Argumentationen vom Kopf auf die Füße 
stellen und darstellen, welche Entwicklungen es tatsächlich gibt und bei 
welchen es sich offensichtlich nur um weitverbreitete Fehlschlüsse handelt. 


Termin: Montag, 26. April 2010, 19.30 Uhr
Ort: Newthinking Store, Tucholskystr. 48, Berlin Mitte


Manuel Bonik ist Autor, Künstler und Doktorand der Kulturwissenschaften. 
Dr. Andreas Schaale ist theoretischer Physiker und Unternehmensberater.
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Manuel Bonik <[email protected]>

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rohrpost - deutschsprachige Liste zur Kultur digitaler Medien und Netze
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