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c-: n0name newsletter #158 Do., 22.11.2012 11:12 CET *Inhalt* 1. Grosse Stille 100 Jahre Kaefige, Weapons talk, Gruene Musik und falsche Arbeit, Gaddafi, Yehudi Menuhin, Fushitsusha, ... 2. kleine Stille 3. Rezension von Sabine Nuss. _Copyright & Copyriot_ 50 30 KB, ca. 10 DIN A4-Seiten ------------------------------------------------------------------------ 1. Grosse Stille 100 Jahre Kaefige, Weapons talk, Gruene Musik und falsche Arbeit, Gaddafi, Yehudi Menuhin, Fushitsusha, ... "Art Music and Gooood [mit vier "o"s] Food" ? "Global Noise Empoert Euch Werdet lauter" ? Indetermination schuetzt vor Bedeutung nicht. Stille wäre nicht nur lediglich Verweis auf alles (bisher) Nichtmusikalische. Die Geste, das Klavier nicht zu spielen, braechte im historisierenden-jubilierenden Zeitrahmen eine "museale Kulinarik" hervor (nach Andreas Kob, neue musikzeitung Nr. 9/12) und Entgrenzung, die erst Ent-Grenze aufweisen kann, indem sie ein Aussen zuweist. Entgrenzte Arbeit waere auch unter einer Aegide, diejenige jederzeit. Der neue Virtuose, der den alten abloest. In _Il Grande Silenzio_ (1968, Regie: Sergio Corbucci) siegt Stille nicht ueber den patronengeschwaetzigen Terror des Faschismus. Die Stille, oder _der_ Stille (gespielt von Jean-Louis Trintignant) ist zudem nur darum stumm (aber mit seiner ueberlegenen Automatik-Pistole nicht schweigsamer als sein Gegenspieler, das blonde blauaeugige Riesenarschloch Klaus Kinski), weil seine Kehle samt Stimmbaendern von den Moerdern seiner Herkunft und seiner Gruppe oder Klasse (seine Eltern) verstuemmelt wurde. Die grosse Stille kommt von der Gewalt her, die dem Unterdrueckten angetan wurde und ist negativer Herkunftswert, zerstoerte Geschichte -- es wird mit Waffen 'gesprochen' (http://static.tvtropes.org/pmwiki/pub/images/eyelander. jpg). Versucht das 4'33", also gesellschaftlich motivierten Kampf und logischen Widerstreit, den die Postmoderne am Moment ihrer Realitaet so gerne leungnete, versuchte Cage und heute wieder seine Wiedergaenger und -holer, ihn feiernd, versucht man in einer Selbstaufrichtung in der Orientierungslosigkeit institutioneller Kultur an ehrfuerchtigen Zahlen -- 100 Jahre Geburtstag John Cage -- grosse und grossartige, um nicht zu schreiben erhabene, Stille, wie Jesus Christus auf den Boden der Strasse (herunter)gekommen, zu reproduzieren? Was frappierend wirkt, ist die Menge der Kaefige, die nun wieder aufgestossen werden sollen in der Metadiskussion um umstoessliche Ordnung und neu-errichtete Ordnung (nach Cage: den selbst geschaffenen Kaefig verlassen usw.). Aber wessen Projekt ist das, wenn das Risiko von den Intellektuellen verstanden zu werden gering war, auf der Strasse 1969(?) aber ein Tacet <Schweigeanweisung> im Gegensatz stand zum Funk und Soul, der Stimme als Notwendigkeit erkannte, die dem Mittelstand fremd und faszinierend gewesen sein muss. Die er im Zweifelsfall zum Schweigen brachte oder kaufte. Adaptionen wie http://www.crackajack.de/2012/04/17/nicholas-cage- performs-john-cages-433 koennen aber auch so gelesen werden, dass sie zum Beweis einer laengst verschraenkten Hoch- und Unterkultur werden. Jeder klein-Free Jazz Noise-Saxophonist wird das aber abschlaegig bestaetigen, weil grosse-John Cage zur Celebrity gehoert, ein Personenunterschied besteht, Oberton nicht in jeder Bar opportun ist. Auf der Mathilden_hoehe_ in Darmstadt wurde "John Cage performs "4:33" " gezeigt ("This is Zen for TV."), aber auch Cage in frueheren Jahren im amerikanischen Fernsehen, wo er als schrulliger (halb-mad) Professor fuer experimentelle Musik (was Cage am Mikro des schreierischen Moderators selbst betont) vorgefuehrt wird und er das selbstironische Fernsehen selbst(ironisch) vorfuehrt. Wie gegenueber im gleichen letzten Saal der Ausstellung "A House Full of Music" Frank Zappa, wie er mit 23 Jahren (ohne Zappa-Bart) an Fahrraedern demonstriert, wie einfach Musik, Dada(ismus?), Show und Avantgarde und Alltagsgegenstand in Einklang zu bringen sind (http://www.youtube .com/watch?v=y9P2V0_p6vE) und sich geiferndes Interesse und kleinbuergerliche Ablehnung ("jerky") gleichermassen gefallen lassen muss. Diese Faszination dieses Einklangs einer Vermittlung der Kultur-Schichten, die da mit allen Ressentiments dennoch so muehelos gelingt und dabei die kapitalistische plurale Alles-Foermigkeit scheinbar konsolidieren hilft, kann auch mit etwas Semiotik nicht ausdiskutiert werden. Wenn die Cagesche Stille von der Aufloesung des Unterschieds des musikalischen Zeichens 'lebt', also doch auf der Basis der Differenz von Zeichen und Nichtzeichen, waere zu fragen, wo diese inzwischen altbekannte Ausflucht ins Emotionale (auch angestrebte Emotionlosigkeit waere Teil des Konzepts Emotionalitaet) des Zen ihren Trieb hernimmt. Ob Cage die Moeglichkeit des Nicht-Gesetzten in der Musik zu ihrer Erweiterung, ihrem Ende oder Reset ansteuerte, oder eben ziellos nicht wollte wie die Lehre will. Wie die leere Leinwand tabula rasa macht. Wie der Minimalismus aber ebenso anti-modern wirkt, um alsbald in der Akzeptanz derer zu versinken, die 'diskursiv' setzen was Diskurs sein soll. Ob die ebenso grossartige These einer "Fundamentalkrise postmoderner Gesellschaften" (Wolfgang Martin Stoh. _Handbuch der New Age Musik_, S. 27.) wiederum nur die apostrophierte Sensibilitaet des Gefuehlsintellekts des Privilegierten Gebildeten bestaetigt, weil der diese globale Krise spuehrt oder wirklich etwas erklaert, weil damit die Moderne (Fortschritt, aufwaerts, Progression, Entwicklung, AKW) sofort mit in Frage steht. Es gibt vielleicht einen aktuellen Verweis (siehe http://www.youtube.com/watch?v=6ebnRjfkBI8 bei etwa 09:05 Min.), der diese Vermittlung verdeutlicht und ins Soziale hebt, wo der erfreute (im Spiel aber sichtlich nicht sehr erfreute) Dilettant an der nicht-gekonnt gespielten Violine sein Nichtkoennen mit dem Koennen der industriellen, der anderen Klaenge im Raum abgleicht. Wo also intentionales <gewolltes> Musikalisches mit Nicht-Intentionalem Musikalischem, Sound, konfrontiert wird. Wobei dieses Nicht-Intentionale (der Krach, das Geraeusch) laengst schon gewollt ist (Cage). Mehr als die Des-Intergation ist aber nicht zu erkennen. Zustandsbeschreibung der immernoch herrschenden Trennung der verschiedenen »Koennen« (Vermoegen, kulturelle Kapitalien?), oder Schau der musikalischen Systeme? Der Kollege rechts neben ihm tanzt vielleicht zu Samba wenn er die Ohrhoerer aufhat. Bei Cage bleibt die Zeit als Bezug, im Pop der Koerper. Auf dem Kasseler Free Flow Festival 2012 (http://www.freeflowfestival. de) wurde der mit Automaten arbeitende (in diesem Fall Der Spyra) auf dem Gang als Alleinunterhalter denunziert, der er auch war; das aber vom 'Kopf' der Gruppe Embryo (Christian Burchard) aus der Perspektive eines kosmopoliten Handwerkers also entlang der ueberkommenen Trennlinie kollektiver Produktion im Gegensatz zur arbeitsteilig maschinellen, maschinistischen eines Superindividuums (vgl. Stroh, der der Entfremdung des Musikers vom am Synth vom erzeugten Klang die natuerliche Produktivitaet Schamanentrommel entgegensetzt, S. 125). Das Tacet der Cageianer steht woanders, im Widerspruch zur bruellenden Warenkultur, nun als bezahlbarer Ausweg, und beim New Age Fluegel ist diese befreite Spritualitaet des Nichts, die kosmische Loesung mit dem Endziel Restsubjekt einer gerscheiterten Moderne. Bei allem Beduerfnis nach Versenkung und Ruhe oder Verarbeitung der brutalen Anforderungen befreit sich meditierend der ewige Cage ideal-idealistisch von der ganzen belastenden Materialiaet / Auf Amanda Palmers (Dresden Dolls) E-Piano steht statt Kurzweil Kurt Weill, auch wenn sie offen singt "this passion is a plagiarism" (http: //www.dresdendolls.com/downloads_n_lyrics/lyrics/girlanachronism.htm) / ohne die wirklichen Strukturen veraendern zu wollen (der ideologische Streitpunkt), wobei das Wirkliche des Zen nicht das Auessere in seiner Vielheit sein kann, denn beim Zen (Buddhismus) ist wenn nicht alles faschistoid eins religioes "goettliche Wirklichkeit" (http://www.zenbuddhismus.de). Jedes Geraeusch ist dann wieder endzielig zu sich zyklizistisch zurueckkehrend eine Musik, wie beim grossen Meister ("Every sound is music to John Cage. Even Silence", Kommentar von pursuitofhapiness 2 years ago zu "John Cage performs "4:33" "). Gruene Musik. Das Ungetane, nachdem aber alles andere bereits servicedienstleisterlich getan wurde. Der festgehaltene Gestus der Performance, nichts zu spielen als das Nichts-Spielen, also eben gerade nicht nichts zu spielen, ist vielleicht nur noch in der Karikatur ertraeglich: http://sphotos-g.ak. fbcdn.net/hphotos-ak-prn1/c0.0.403.403/p403x403/557145_41172094221 0241_1923900297_n.jpg , statt ueberlebensgross, wie auf dem garnicht nicht mehr so jugendstiligen Buch- und Souvenier-Laden-Container auf der Mathildenhoehe (wie dieses: http://arttattler.com/Images/Europe/ England/London/Baltic%20Arts%20Centre/John%20Cage%20Mix/07-John-Cage- Preparing-a-Piano.jpg). "Falsche Freizeit" von Daniel Koetter und Hannes Seidel in Leipzig (hier in beinahe exakt der gleichen Kostuemierung und gleichem Ablauf: http://www.youtube.com/watch?v=6ebnRjfkBI8) versucht in der post-theatralen Auffuehrung mit Quasi-Mise en abyme-Videos eine zeitversetzte Reflektion der Aktionen auf der Buehne, mit Bildern, die das nochmal aus anderem Blickwinkel zeigen, was soeben zu sehen war. Vier alte Maenner, in Typen getrennt, nebeneinander auf flachen Plattformen angeordnet und damit vom Restraum und Zuschauern getrennt, die auch nach der Auffuehrung ihre Geraetschaften getrennt voneinander aufraeumen, spielen das Zeigen der freien Zeit nach ihrer Arbeitslebenszeit, die dann noch in Arbeit (aus?)artet, wenn diese Zeit produktiv sein muss. Die Klaenge von Bohrmaschinen, Schleifvorgaengen, allerlei medientechnischen elektrischen Geraeten, die dabei entstehen, sind nicht die Ueberraschung, sind bekannt und muessen zum besseren Erkennen und zum Komponieren mit Loops ihrer selbst und der aktualen Szene fremden Einspielungen kontrastiert werden. Interviews und Bruchstuecke aus ihrem jeweiligen Arbeitsleben werden videotechnisch eingespielt oder von den Akteuren projiziert. Dieser Versuch des formalen und damit inhaltlichen Nachdenkens in situ <an Ort und Stelle> des medialen Aufbaus nimmt seine Bedingungen mit zum Inhalt. Das dispositif ist das Schauspiel, das aber Guckkasten bleibt -- die Plaetze sind ausgeleuchtet, das Publikum bleibt im Dunkeln der Kulturzeit freier Zeit. Das ist zwar von Koetter und Seidel in "Freizeitspektakel" (http://www.youtube.com/watch?v=- _6eIiUBUUY&feature=relmfu) versucht worden zu brechen, ohne zum Mitmachstudio zu werden. Aber die Komposition wird hier ebensowenig von allen gemacht. Der Deckel wurde geoeffnet, damit er geschlossen werden kann. Die Altersfreizeit der Maenner ist der Ruhestand am Set. Die Diskrepanz von unproduktiver entfremdeter, unselbst-bestimmter Arbeit, bekannt als Lohnarbeit, wird aber nicht ganz herausgea-r-b-e-i-t-e-t. Im Gegenteil, Taetigkeit wird als solche demonstriert, ohne Bezugnahme auf den Lohn(!)arbeitszwang, wie es etwa in _Ressources humaines_ von 1999 moeglich wurde. Die falsche Arbeit, also die eintoenige, ausgebeutete am Band, wird massivst kostrastiert zu Hause im Keller des arbeitenden Vaters (Jean-Claude Vallod), der dort filigrane Schraenke _fuer sich_ baut, dort also seine Entfremdung in der Freizeit aufhebt. Dass Hannes Seidel und Daniel Koetter und die namenlosen Akteure den Konsumzwang im arbeitsfreien Zeitbudget der Jungen mit, pardon, Rentnerdesign nicht aufzeigen koennen ist nicht das Problem. Schwierig ist, dass sie behaupten "konkrete Handlungen" wuerden "in eine musikalische Form ueberfuehrt" (http://resonanzen- leipzig.de/resonanzen-2012/daniel-kotter-hannes-seidel/) -- wobei nicht die Behauptung problematisch ist, sondern die musikalische Form in dem Haus in Leipzig, in dem im Spielplan ebenfalls behauptet wird, der Protest sei vorbei, nun wuerde gehandelt (http://www.centraltheater- leipzig.de/fileadmin/user_upload/PDF-Dokumente/CT_MSP_0910_2012.pdf S. 31), sogar mit einem "Ausserparlamentarischen Parlament" die Apo als APPle bemueht befrischt wird (http://apple.blogsport.de/?p=3). Das Zitat der Regieanweisung aus _Krapps Last Tape_ von Beckett (dt. _Das letzte Band_) -- "Eines Abends, spaet in der Zukunft [...] am Tisch sitzt, mit dem Gesicht zum Zuschauerraum, ein alter Mann" -- aus dem alle vier Maenner lesen und damit verweisende Feststellung, oder Reflektion des hier gebotenen Settings, und Abgesang gestohlenen Uneigentums an den Mitteln, die zur Verfuegung stehen, deren Mittelhaftigkeit (Medialitaet?) aber in der Moderne vorenthalten wird, gerade weil sie nur in ihrer Ungemaeszheit an menschlichen Befuernissen verfuegbar sind -- das iPhone usw. am Ende der einsamen Existenz(zeit) einer aufgezeichneten Spanne? Siehe etwa http://www. youtube.com/watch?v=77qRF1qQHiE in der 'Original'version mit Patrick Magee, dem Spezialisten fuer kontrolierten Jaehzorn. Das beruehmte immer "Scheitern menschlicher Existenz" wird mit der ausgewaehlten Passage (was vor dem und ausserhalb des Stueckes steht) zum theaterliterarischen Topos, der traditional aufrufbar wird, dem aber damit die Interpretation "Scheitern" abgelegt wird. Der Topos wird aus der existentiellen Moral herausgholt. Theater, nicht mehr der Auffuehrung sondern Medium der Befragung des Alltags, nicht im Social TV-Format (das Publikum entscheidet), weiterhin im Autorenformat mit spaeterer Diskussion. Kuenstlerische Form wird zum Handeln innerhalb der Mauern der Institution gemacht, direkt nach Stéphane Hessel, Form und Inhalt sollen also konkrete Handlung werden. Die Kunst schickt sich an, ebenfalls nachzulesen in der _Lose Blaetter Sammlung No. 4_ des Theaters (http://www.centraltheater-leipzig.de/fileadmin/user_upload/ PDF-Dokumente/Lose_Blaetter_4.pdf), wenigstens politischer Ver-Handlungsort zu sein oder sogar in die Politik einzugreifen, oder bloss in die zwischen der falschen Alternative SPD und Die Linke -- gegen den Oberbuergermeister und fuer den Kulturbuergermeister? Zwischen Charity eines http://www.am-ende-des-tages.de/photos/081206- herz-fuer-kinder-teppich/highres_00168543.jpg.php und leeren (?) weissen Protestschildern (siehe Programmheft des Spinnwerk vom Maerz 2012) -- Zen-Protest? Protest _an sich_ ohne Direktbezug, fuer wen? Ist vor dem Hintergrund von "Art as Revolution" oder "Digital revolution invades Berghain club in Berlin" (http://creative.arte.tv/ de/space/the_art_geeks/message/14804/Digital_revolution_invades_ Berghain_club_in_Berlin___tweet_the_music_) tatsaechlich "anzunehmen, dass die Bevoelkerung den Vorzug eher einer unspektakulaeren, postheroischen Form der Repraesentation geben wuerde", wie der Hausphilosoph des Centraltheater behauptet (Lose Blaetter Sammlung No. 4 S. 15)? Ist doch alles grenzenlos moeglich in der Musik (siehe "standortgeraeusch ?" http://n0name.de/news/news153.txt), Orientierung waere Richtung, Kontext ist Verortung. Revolution as Art Oder will man nur ein wenig den neuen GEMA-Tarif stoppen, die Verwertung etwas eindaemmen, weil man letztlich immer "die Leistung der Urheber von Musik" [anerkennt] und "fuer eine faire Verguetung!" ist (Flugblatt "Stoppt die GEMA-Tarif-Reform 2013"), also soetwas wie Arbeitsplatzpolitik betreibt (http://kultur-retten.de), fuer zum Beispiel junge Barmixer und weibliche Thekenkraefte, die 6 Tage die Woche bis morgens um 5 bei extremen Lautstaerken und Nikotinrauch ihren Spass haben und auf den Tischen tanzen, oder mitreisende Veranstaltungstechniker bei Live-Auftritten, die in 10 Metern Hoehe nachts im Nebel die Traversen balancieren, deren Sound der richtigen Arbeit dann der der Popmusik im Allgemeinen ist. Wer sind die Roadies von Laibach? Hatten die nicht am 21. September, also bereits einen Tag zuvor in Leipzig die Diskursherstellung uebernommen, die "road crew" [...] generally uncredited"? Oder was ist hier die Verwechslung, worin unterscheidet sich also das "System der Sinnstiftung" von dem des Konkreten? Foederer BACK-FACTORY Unterscheidet sich dieser Sinn-Idealismus von Diskurs im theatralen Raum auf welche Weise von "Healing-Drums Quantenheilung = Bewusstsein erzeugt deine Realitaet" (_forum Weltenwandel_, September 2012, "Trommelworkshop Ein Weg zum eigenen Rhythmus")? Wie in einer e-mail von digitalmcd.com, in der Produktivitaet zwar von ihrer erzwungenen Koppelung an Hierarchien als im Trend entledigt angesehen wird (http://post.in-mind.de/pipermail/spectre/2012- September/015039.html), aber herausgeloest von ihren oekonomischen Bedingungen zur "digital creativity" stilisiert / Digital revolution Berghain Berlin / und einfachst von "collective sharing and collaboration" die Rede ist (vgl. Grossprojekte wie die "integrative wissenschaftliche Plattform" "Bild Wissen Gestaltung. Ein interdisziplinaeres Labor" http://www.interdisciplinary-laboratory. hu-berlin.de/de/node/2). Wenn der Stille Cages nachgesagt werden kann, sie bringe Hoerer wieder zu ihrem Klang, kann auch gesagt werden, dass das Zuhoeren nur ein Aspekt der Schoenheit von Kommunikation ist, kann auch nachgesagt werden, dass es sich bei dieser Stille um eine Nivellierung der sozialen Differenzen und Konflikte handelt, die man dem vielsagenden Sound der gschlossenen Stille, die zen-ig alles umfasst, nicht mehr zuordnet. Humanressourcen in der strahlend laechelnd umarmten Gemeinschaft http://www.inpact.fr/static/images/paie/thumbs/ gestion-ressources-humaines.jpg. Das waere mit dem "etc." in der folgenden Aussage zu indentifizieren: "Guide zu Begriffen wie Situationismus, Performance, Aktionskunst, Happening, Fluxus, flashmob, street art etc." (http://www.spinnwerk- leipzig.de/spinnwerk/ticker/kuenstlerische_praxis_im_urbanen_raum/) Die Ebenen werden besprungen. "It's clear that such phenomena are already acting, both horizontally and vertically. Horizontally, they are blurring the boundaries between different fields and disciplines, merging methodologies, languages, tacit and explicit know-hows." (http://post.in-mind.de/pipermail/spectre/2012-September/015039.html) "Der 100. Geburtstag von John Cage wird gewuerdigt durch sein Klavierstueck 'In a Landscape' (1948) in einer eigenen Version fuer Altfloete und Gitarre." Die Revolution wird gewuerdigt durch leere Transparente ohne andere Forderungen als denen, die Geldstrafe dafuer moege nicht zu teuer werden. Man weiss, die Wuerdigungen werden ihr Ende am Ende des Jahres haben, dann wenn soziale Kultur ihre Weihnachtsfeiern feiert und gegen die offenen Brueste (http://berlin-woman.de/wp-content/uploads/2011/02/ Women-Art-Revolution-auf-Berlin-Woman.jpg) und zwanghaft gewollten Politisierungen gefragt werden koennte: We are the media, Amanda Palmer? (http://images.thevine.com.au/resources/VAR/000/030/i-played- with-amanda-palmer_h.jpg) Das vorwiegend junge und vermutlich akademische Publikum wusste alles, hatte keine Ahnung. Die Frage, ob und wie die Choreografen das Stueck erarbeitet haben, eruebrigte sich. Manche zogen danach mit wie gewerkschaftlich vorbereiten Plakaten, auf denen lautmalerische Ausdruecke (Aussersprachliches Akustisches wird sprachlich) standen, zum naechsten Spielort, zu Ehren der italienischen Futuristen, die auf ihrer Europatournee 1912 durch die Stadt gekommen seien. Zehn Jahre spaeter siegte der Faschismus in Italien. Fuenfzig Jahre spaeter siegte die Automatisierung, wie Radio Web MACBA in einer e-mail vom 28. September 2012 ironisch/amerikanistisch und darum akzeptierend erzaehlt: "the struggle for global domination", "Silicon Valley", "Free improvisation", "the indeterminacy". Nach dem Konzert von Fushitsusha im Koelner Stadtgarten und zwei Lagen Papiertaschentuch kein Fiepen (http://www.reihe-m.de/?p=1451); im McDonalds am Sonntag darauf Ultra-"Fallera" losgelassen auf Kleinfamilien. In _Che - Guerilla_ stirbt Guevara in den Augen der Zuschauer mit einem letzten Tinitus. Gedankenstrich Es war eine Lektion in Formbildung, von geweiteten Metriken ohne Zusammenhang ausser der de, Setting, tachistischen Gesten, nicht Zerlegung, von vor-zerlegtem Spektrum der Besetzung E-Bass, (E-)Schlagzeug, E-Gitarre ausgehend, Bezueglichkeiten von nebeneinander gespielten Passagen bis nach vielleicht einer Stunde dann wie Metal. Unterm Strich, der der Rand der Buehne ist, ein Skeptizismus gegenueber jeder Aussage inklusive der eigenen, exbibierte Verschlossenheit immer mit dunkelster Sonnenbrille durch die man nichts hoeren kann. Der einzelne Schlag auf die Snare kann in der seriellen Wiederholung nicht Rhythmus sein, er ist Einzelschlag. Der kalkulierte Ausbruch an der Kreuzung von Rock und Improvisation. Soetwas?: http://25.media.tumblr.com/tumblr_m17sszI9VY1r1w31so1_1280. jpg (Raoul Bac). Stillheit hat ebenso den Aspekt des Vorbeginns oder der Ursprungssuche, ebenso wie der der Entledigung einer Geschichte: "before Rock is defined" (Zitat (?) Costas Kontas, siehe weiter unten), so als koenne man trotz Historie ein Genre nocheinmal neu erfinden. Nicht immer trifft der Komparativ Moderne bildende und Moderne klangliche Kunst zu. Immerhin zielte Yehudi Menuhins Verbot von Muzak und sein Plaedoyer aus dem Jahr 1983 auf die Bedeutung, auf die Botschaft. Alles was sich dem Bedeutungslosen naehert und wie Keiji Haino Entziehung konfrontiert noch. Die "Critical analysis of Keiji Haino" von Costas Kontas (http://ualresearchonline.arts.ac.uk/536/, 2006) nimmt Rock jedenfalls auch taktisch ernst, bis hin zu Ausdruecken wie, dass Rock eine Ideologie hat, oder, dass es Ideologien des Rock und seine nationalen, weltregionalen Auspraegungen gibt. Oder gab es Krautrock, weil die Mutter Pianistin war? Liegt eine einfache entwicklungshafte Stufenleiter vor? Kontas stellt aber anhand der Akkomodation <Uebernahme eines zunaechst auesseren Kulturwesens> US-amerikanischer Populaermusik in Japan etwas Wichtiges fest, naemlich dass ohne den originaeren sozialen Kontext aesthetische Analyse in den Vordergrund tritt. Die Frage waere, ob kultureller Kontext so etwas wie das Grid fuer Bedeutung darstellt und wenn dieses verloren geht, andere Be-Deutung ermoeglicht wird. "The crowd called out for more." Wenn der Verschiebebahnhof kontextueller Bedeutungen (un-post-modern) hierarchisiert wuerde, bekaeme diese Folge eine Abstandsmessung, vom ersten authentischen zur Zerstoerung des Sinngehalts, wenn Bedeutung Sinngehalt waere. Liegt kein Maszstab des Originalen und der Urversion vor, oder wird dieser Maszstab in einer Entlinearisierung des Historischen nicht mehr angewendet, dann: Hier in der Hitversion: http://www.youtube.com/watch?v=St6jyEFe5WM, in der Vietnamversion http://www.youtube.com/watch?v=-PmisbzxwoQ, in der versexualisierten Version http://www.youtube.com/watch?v=rOs8lKzQ5sI, in der selbstentfernten Routineversion http://www.youtube.com/watch?v=O1fbk5 Uu9hg. Und die Entmystifizierungszerhackversion http://www.youtube. com/watch?v=59jfhHDJEvg oder die oekonomischste Version http://www. youtube.com/watch?v=PY1fcGFpv9w und das Gegenteil von Stille?: https: //www.youtube.com/watch?v=1HDFQoZh5-c. Waere Sinn aber kontextuell im Intertext jeweils neu zu definieren, nach welchem kriterialen Maszstab? Im Maszstab "zeitlos" waere dieser Song unzerstoerbar, Goth. Orgelkonzert gehoert. Geweint. http://www.heise.de/newsticker/meldung/ Goldberg-Variationen-Johann-Sebastian-Bach-als-Creative-Commons-Zero- 1585806.html. Musik als Schatz zu begreifen, der gehoben werden muesse oder in Perfektion die grosse Ausnahme darstelle, oder demokratistische Versuche wie das liquid-orchestra (http://www. integralart.de/content/projekte/liquid-orchestra), mit dem Ansatz einer Integral-Art oder einer "Uebertragung der musikalischen Prozesse auf gesellschaftliche Prozesse", wo Selbstorganisation von Buergerrechtlern, Piartenparteiern, Kulturraeten und Chefredakteureinnen auf dem Podium vereinnahmt wird ("Musik als Voraussetzung fuer [die] Teilhabe an Gesellschaft und Politik"), wird die Oekonomie der Musik nur in partizipativistische Kurz-Strukturen gegeben, in zwischenzeitliche Zonen, in den Konzertsaal. Entgrenzung zunaechst der der Genres (seit den 1950ern?), dann der Lokalitaeten (sog. Weltmusik) und nun der totalen Entgrenzung im Schutzraum. Cages Entgrenzung -- immer Musik, ueberall, jede Form, Musikaufloesung -- findet seinen Widerstand in den Beduerfnissen (die Massen wollen Melodien). Als es auf dem Wacken 2012 bei den Scorpions am Ende von "Coast to Coast" etwas atonal wird (wie ueblich am Ende des Songs und beim Finale der Songharmonik), steht der Schlagzeuger auf den Basstrommeln mit der Taetowierung "Rock & Roll Forever" auf dem Ruecken. Der Moment der Epiphanie <Erscheinung> der Ewigkeitsbestaetigung konfrontiert mit dem Instabilen. Dem was vielleicht auch zusammenbricht und nicht inifitiv ist (_nach_ dem Ende des Tons ist dieser im Kurzzeitgedaechtnis praesent, daher Intervall) nur, um im naechsten Moment wieder von der Stetigkeit des walzenden Rhythmus, der sich selbst und die, die ihn erwarten bestaetigt, abgeloest zu werden. Sogar im moeglicherweise konservativsten Metal lassen sich _fragliche_ Momente finden. Forever muss alles dann sein, wenn es oder etwas gefaehrdet erscheint. Diese Gefaehrdung wird aber musikalisch herbeigefuehrt und gehoert zum Ablauf des Wiegens, einer stetigen Bewegung nahe am Schwanken. Entscheident waere aesthetisch also die Entscheidung eher fuer das Schwanken mit einem eventuellen Zusammenbruch des Rhythmus, oder fuer das Wiegen. Oder: Unter dem Druck, allen Schall als Musik verstehen zu muessen, als Bedeutendes (im Sinn von sinnvoll, weniger als Signifikant), wird die Produktion von Signifikanz in die Wahrnehmung verlagert. 'Materialistisch' daran waere die esoterische <innerliche> Signalverarbeitung, die alltags-un- kritisch (Tanzflucht) ausgedeutet schon wieder Verheissung ist aber auch keinen festzumachenden Ort kennen kann. Der visuelle Cortex kann beim Hoeren Schwerkraft bekommen: "'Trance-begabte' Menschen zeigen in Experimenten eien Aktivierung der Sehrinde im Hinterhirn und damit eine Intensivierung der visuellen Vorstellungskraft."(_Geo_. "Schamansimus I". September 1999. S. 20.) Intederminismus schuetzt vor Bedeutung nicht. Denn die Minutenangabe kann nicht nur blosze Stille und Verweis auf alles bisher Nicht-Musikalische sein, es ist auch die Geste, das Klavier o.a. nicht zu spielen. ... sein, ist ... Gaddafi? http://polit-blog.ch/media/blogs/Polit-Blog//Silvio-Berlusconi -Gaddafi.jpg. Der Hausphilosoph des Theaters interpretierte ihn zum Kommunikationsguerillero in der Nachfolge der SI, so als ob es lediglich um Interpretation ginge, die Wirklichkeitsbezuege aber wiederum bei den Massen laegen ... die dann wiederum zu interpretieren sind? Der Moench, der die Stille (einer Selbsterkenntnis) machte, erzeugte diese durch Turbulenzen. Vielen Dank an das Festival Resonanzen in Leipzig und Till Kniola/ aufabwegen und Vera Firmbach, reiheM, Koeln. Matze Schmidt ------------------------------------------------------------------------ 2. kleine Stille Keiji Hainos Frisur erschien zuvor am Bahnhof als Cosplay-Frisur. Slum-Drummers, Post-Folklore und dekolonialistisches HipHop-Prinzip sozialarbeiterischer Selbstbefreiung? (http://www.tagesschau.de/ multimedia/sendung/tt4134.html) Polithebel Kultur: "Gehoerlose wollen als kulturelle Minderheit anerkannt werden Gehoerlose in Deutschland streben mehr Rechte an. Der Vorsitzende des Deutschen Gehoerlosen-Bundes, Sailer, sagte in Erfurt, Gebaerdensprache solle als Minderheitensprache anerkannt werden. Im Uebrigen verstehe man sich als Kulturgemeinschaft." (Nachrichten, 21. September 2012) "Die Welt der Toene ist ein Dschungel [...]" (Simone Jung. _Natalie oder Der Klang nach der Stille_ Film. 2012.) Die Welt der Toene ist was wir nicht kennen. Moderator: Sie hoeren Professor XY gemeinsam mit Z, Kurator einer Ausstellung zum 60. Jahrestag der Urauffuehrung von "Four Minutes, 33 Seconds" von John Cage: http://arttattler.com/Images/Europe/ England/London/Baltic%20Arts%20Centre/John%20Cage%20Mix/06-John- Cage-David-Tudor.jpg Souveraene Medien? http://www.n0name.de/3000/storymap/cagcnpik.gif "interdisziplinaeres distinktes Territorium" http://www.n0name.de/3000/storymap/radiofam.gif "SOUNDS LIKE Buddha's banquet – – 1918–1923–20xx" http://musicline.saturn.de/de/player_flash/4260072371002/1/3/50/ product# ("SOUNDS LIKE SILENCE – Cage/4'33"/Stille – 1912–1952–2012") Kultur kann man nicht in Ruhe arbeiten lassen. Eine Luftgitarre darf nicht zu sehr die Show in Frage stellen (siehe Luftbusiness). Neues Hoeren oder neues Hoeren. Aesthetik der Krise und Aesthetik des Unpolitischen Morandi im Lexikon: Antimodernist, das pure Aesthetische ohne das Soziale, fast nichts mehr, arm. Aesthetik der Politik und Oekonomie, Volkswagen. Matze Schmidt ------------------------------------------------------------------------ 3. Rezension von Sabine Nuss. _Copyright & Copyriot_ 50 Anbieter von Arbeit zu einem Preis, war der letzte Punkt (siehe n0name nachrichten #154). Hier endet der Scan. Der Rest waere ('Real')Lektuere am Buch. Ali Emas/Susi Meyer Sabine Nuss. _Copyright & Copyriot: Aneignungskonflikte um geistiges Eigentum im informationellen Kapitalismus_. Muenster: Westfaelisches Dampfboot, 2006. 269 S. - EURO 19,90. Erschienen: Oktober 2006 ======================================================================== Archiv/e: http://www.n0name.de/newsletr.html (c) 1999-2012 n0name, die Autorinnen & Autoren und die Maschinen Unterstuetzt von XPECT MEDIA www.xpect-media.de, Sascha Pogacar Sponsored by FONDS ----------------- Ende des / of n0name newsletter #158 -----------------
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