Call for Papers Glas Materielle Kultur zwischen Zeigen und Verbergen 11.–12. Dezember 2015 Internationale Tagung am Zentrum für Literatur- und Kulturforschung Schützenstr. 18 D–10117 Berlin Glas ist ein exemplarisches Material, wenn es darum geht, Sichtbarkeit zu erzeugen. Brillengläser, Fenster, Spiegel, Lupen und Computerscreens gehören zu unserer alltäglichen oder beruflichen Welt: Sie eröffnen Blicke, vergrößern Gegenstände und reflektieren Erkenntnisse. Paradoxerweise aber werden diese Gläser in dem Moment, in dem sie sichtbar machen, selbst unsichtbar. Sie sind, so ließe sich mit Roland Barthes vermuten, daran beteiligt, dass wir unser Sehen für ein natürliches Vermögen halten, obwohl es doch oft durch künstliche Materialien ermöglicht wird. Was und wie also sehen wir, wenn wir durch, mit oder auf Glas schauen? Von dieser Frage ausgehend soll die interdisziplinär angelegte Tagung dem Material Glas zum einen an jenen Orten nachgehen, an denen es zu einem epistemisch konstitutiven Element geworden ist. Zum anderen sollen die präsentierenden Eigenschaften des Glases auch mit seinen Möglichkeiten der Verbergung, Trennung oder Blendung konfrontiert werden. Als optisches Instrument erweitert Glas nicht nur menschliches Sehen, sondern wirkt (in Form von Vergrößerungsgläsern, Augenspiegeln, Glasplatten etc.) auch an der Wissensentstehung in Glasmanufakturen und Forschungslaboren mit. Es findet seine Anwendung in verschiedenen Disziplinen (von der Architektur über die Kunstgeschichte bis zu den Medien- und Lebenswissenschaften) und kann durch seine Perspektivierung als Erkenntnismodell wirken sowie als Schwelle, Passage oder boundary object betrachtet werden. Hinzu kommt, dass Glas seit kurzem aus seiner visuell geprägten Verwendung herausgetreten ist, um eine Karriere als betastbare, wischbare Interaktionsfläche zu beginnen (Smartphones, Tablets, Boards). Nicht zuletzt tritt Glas in zahlreichen gesellschaftlichen Kontexten auf: in der Verpackungsindustrie (Glasflaschen), in Zonen der Überwachung (Kameraoptik), im städtischen Raum (Schaufenster), im privaten Umfeld (Aquarien, Vitrinen, Schmuck). Schließlich sollen Literatur, Photographie und Film nach den Einsatzorten des Glases befragt werden, da sich hier auf besondere Weise zeigt, wie das Material mit Vorstellungen der „Transparenz“, „Aufklärung“ oder „Kontrolle“ verbunden werden kann. Der CfP richtet sich sowohl an Nachwuchswissenschaftler/innen als auch an etablierte Forscher/innen mit fortgeschrittenen Arbeiten oder work-in progress-Konzeptionen zum Thema. Willkommen sind Beiträge aus den verschiedensten Disziplinen, die sowohl theoretisch als auch praktisch (Vortrag bzw. Präsentation) orientiert sein können. Einsendeschluss: 30. April 2015 Die Veranstalter bitten um Abstracts von bis zu 1 Seite via eMail Organisation und Kontakt: Margarete Vöhringer Zentrum für Literatur- und Kulturforschung [email protected] Christof Windgätter Berliner Technische Kunsthochschule [email protected]
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