Zum 7. Mal findet vom 27.5-4.6.2006 das poesiefestival berlin statt, dieses
Jahr in der Kulturbrauerei. Mit dabei sind u.a. Friedericke Mayröcker
(Österreich), Hsia Yü (Taiwan), der isländische Autor und Oscar-Nominee Sjón,
der Schweizer Autor Raphael Urweider sowie die amerikanische Performerin Amy X
Neuburg. Eröffnet wird das Festival wieder mit Weltklang - Nacht der Poesie auf
dem Potsdamer Platz.
Das poesiefestival berlin verschmilzt Dichtung mit verschiedenen Künsten und
verbindet Poesie mit Tanz, Film, Theater und Musik. Ein poetischer Synthesizer,
der mit unterschiedlichsten Kunstgattungen experimentiert und neue Formen und
Klänge hervorbringt.
Einen ganzen Abend widmet das Festival dem Assoziationswunder und Enigma der
deutschsprachigen Literatur, Friedericke Mayröcker. Sie montiert
Straßenaufschriften, Gespräche, Briefe, Bücher und Wörter und verknüpft sie zu
neuen Bedeutungen. Ihr Zettelkasten ist ihr Mischpult, ihre sprachliche Black
Box. Das poesiefestival berlin gibt eine Theaterantwort auf die Komplexität der
Texte der österreichischen Autorin und nähert sich ihrem umfangreichen Werk in
Video-, Bild-, und Wortcollagen, inszeniert von Jan-Phillip Possmann.
Eine poetische Inventur der Welt unternimmt Paulus Böhmer in "Kaddish". Er
gedenkt aller Verstorbenen, die zu Lebzeiten seinen Weg kreuzten - und feiert
in einem hymnischen Gesang das Leben. Als szenische Fassung auf die Bühne
gebracht wird das Langpoem von Sebastian Martin in Kooperation mit der
Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch.
Zum erstenmal in Europa tritt die amerikanische Performerin, Songwriterin und
Lautpoetin Amy X Neuburg auf dem poesiefestival berlin auf. Sie verbindet
Samples mit stimmlichen Lauten, verfremdet Töne, Wörter und Klänge und
verknüpft lyrische Experimente mit Songwriting. "Neuburg handhabt eine
phänomenale Stimme, in der man Andeutungen an die wichtigsten "art singers"
unserer Zeit findet: Monk, Björk, Kate Bushs Leidenschaft, Laurie Andersons
unnachahmlicher Scharfsinn ... mit einer stimmlichen Kraft, die an Diamanda
Galas erinnert", schrieb die New York Press über sie.
Boris Nitzsche
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