Präludium für eine Formatforschung Video. Vortrag. Diskussion. von und mit Till Nikolaus von Heiseler (formatLabor.net)
Wann: 19. Juli 2006, 18 - 20 Uhr Wo: Medientheater der HU, Sophienstraße 22a in Berlin Mitte (2.HH, EG) Kolloquium des Seminars für Medienwissenschaft, Prof. Dr. Wolfgang Ernst Im Rahmen der Veranstaltung wird das Theorie-Video „Zap - Operative Epistemologie durch Formatexperimente?" gezeigt. Man könnte meinen, dass Formatforschung, wie wir sie verstehen, nämlich als Erforschung der sozialen und medialen Klischees, die jede Form von Kommunikation und jedes Zeichen rahmen, genau das Gegenteil dessen untersucht, was die Medienarchäologie als ihren Gegenstand definiert. Und doch stellt Formatforschung nicht Menschen und Medienwirkung in ihr Zentrum, sondern isoliert analytisch die Konventionen des Mediengebrauchs als eigenständige, sich selbst reproduzierende Instanzen. Dass der Formatbegriff genau das bezeichnet, was im Medienbegriff der Medienarchäologie ausgeschlossen ist, heißt aber auch, dass es sich um eine präzise Negativbeschreibung dessen handelt, was als Medium medienarchäologisch gemeint ist. Präzision bekommt diese Beschreibung dadurch, dass sowohl Formatforschung als auch Medienarchäologie die gleiche Unterscheidung benutzen, nämlich die zwischen operativen und performativen Prozessen. Gleichzeitig ist sich Formatforschung aber bewusst, dass die Autopoiesis der Formate ihre physikalische Grundlage und Bedingung in Medien und technischen Formaten findet. Auf der anderen Seite - und dies ist das Besondere - gestattet der Begriff des Formats einen Übergang zur Praxis. Denn der Formatbegriff ermöglicht nicht nur, kommunikative Prozesse mit neuer Präzision zu beschreiben (hier erscheint das Format als Rahmen, in dem Signale als Zeichen interpretiert werden können und als entsprechend sozial verbreitete Rezeptionskompetenz), sondern er kann auch - in praxisfähiger Weise - die Seite der medialen Produktion berühren: Die theoretische Semantik der Formatforschung kann umgeschrieben werden in konkrete Formatexperimente. Da sich auch Wissenschaft in Formaten entwickelt, kann Formatforschung auch jenen diskursiven Zusammenhang experimentell berühren, in dem sie sich selbst entwickelt. Auf diese Weise werden die Bedingungen des Diskurses und die sich im Diskurs entwickelnden Semantiken in ein neues, quasi-operatives Verhältnis gesetzt. Eines dieser Experimente stellt das am Abend gezeigte Video „Zap! - operative Epistemologie durch Formatexperimente?" dar.
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