Das sind Kahlschlag-Argumente aus der Steinzeit; der Status Quo in Deutschland 
ist davon Lichtjahre entfernt. In den meisten Ländern, die ich kenne, blickt 
man mit Neid auf das relativ  gut funktionierende und gleichzeitig erstaunlich 
unbürokratische Vergütungssystem von VG Wort und VG Bild. Leute, die damit 
praktische Erfahrung haben, wissen, was ich meine; Du scheinst nicht dazu zu 
gehören. 

Im Augenblick erlauben diese Institutionen eine einigermassen vernünftigen 
Ausglich zwischen den Wunsch von Nutzern/Lesern einerseits, aus Büchern 
kopierern zu können und dem Wunsch der Autoren dafür in irgendeiner Form 
kompensiert zu werden - die Autoren wohlgemerkt, nicht die Verlage und andere 
"Zwischenhändler". Es geht nicht darum, Privatkopien zu verhindern, wie Du da 
schreibst, sondern sie zum Vorteil von Leser und Schreiber zu ermöglichen. Dass 
sowas zum Beispiel bei der Musik nicht existiert, gibt es dieses ganze Theater 
um Peer-to-peer-Börsen überhaupt. 

Dies Kompenstation der Schöpfer ist möglich, weil von den Kopierern und 
Speichermedien wie DVDs, CD Roms, Kopiererpapier (oder -gebühren? - bin nicht 
ganz sicher) etc ein kleiner Anteil des Verkaufspreises an die 
Verwertungsgesellschaften geht, der ihn unter seinen Mitgliedern verteilt. Das 
ist keine sozialdemokratische Kuschelphantasie, wie Florian behauptet, sondern 
seit Jahrzehnten Usus. Dass diese Verteilung z.B. bei der Gema nicht besonders 
gerecht ausfällt, steht auf einem anderen Blatt. 

Wenn nun statt der Speichermedien nur noch die Reproduktionsmaschinen 
(Computer, Kopierer) mit solchen Abgaben belegt werden, ist schlicht weniger 
Geld zu verteilen, was den Empfänger dieses Geldes begreiflicherweise nicht 
gefällt. Logisch ist es auch nicht, denn manche Leute kopieren mit ihrem PC 
einmal eine CD und dann nie wieder, während andere ihren Rechner  für nichts 
anderes benutzen. Die "Besteuerung" der Speichermedien ist darum sinnvoll. Die 
einzigen, die von der neuen Regulierung profitieren würden, wären die 
Hersteller von CDs etc und deren Verkäufer wie Mediamarkt, keine übermässig 
notleidende Gruppe von Mitmenschen. 

Dieses ganze Thema eignet sich schlecht für ideologische und schlecht 
informierte Attacken von "selbsternannten" Open-Content-Verfechtern, genauso 
wenig wie für Grundsatzdebatten über die Natur des Urheberrechts. 

Dass der DJV und andere Lobbygruppen bei dieser Thematik immer nur wach werden, 
wenn fast zu spät ist, ist leider auch wahr. Obwohl Zeitschriften, Zeitungen et 
al nun seit über zehn Jahren ihre "Inhalte" auch auf CD-Roms und im Internet 
veröffentlichen und damit Geld verdienen, bekommen die Autoren für diese 
Zweitverwertung keinen Cent mehr. Das haben IG MEdien, DVD usw. bis heute nicht 
hin bekommen. 

Gruesse, 
Tilman 

At 03:25 31.10.2006, you wrote:
>...Sollte das Gesetz wie geplant in dieser Form 
>Ende des Jahres im Bundestag verabschiedet werden, wŸrde Autoren, 
>Journalisten und KŸnstler erhebliche finanzielle Einbu§en bei der 
>VergŸtung ihrer Arbeit erfahren...

hoert hoert, die krake!  
es ist der immergleiche reflex selbsternannter urheber zu behaupten,
dass digitales kopieren immensen schaden verursache. 
sie wuenschen sich die ganze welt als ein einziges verguetungssystem. 
wie lange das noch gehen wird? ob diese leute endlich einsehen, dass
bezugnehmen auf vorhandenens eine kulturpraxis ist? 
industrie, gewerkschaften und interessenverbaende - ein maechtiges
kartell uebt den schulterschluss um einen teil der "kreativen" zu
dissen, die sich ihrer historisch gewachsenen rolle des nehmens und
gebens gewiss sind. mir kommt die lobby vor wie jene leute, die vor den
ersten zugfahrten gewarnt haben, da man diese nicht ueberleben koenne. 
was die privatkopie betrifft, so gibt es hinreichende untersuchungen die
zeigen, dass kein einziger download den kauf eines buchs, einer cd o.ä.
verhindert, ganz im gegenteil! schonmal was von promotion gehoert? und
davon, wie schlecht mp3 klingen kann, oder was das am bildschirm
gelesene buch mit den augen und der druckerpatrone macht? 
guten abend in die runde, 
christian von borries



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rohrpost - deutschsprachige Liste zur Kultur digitaler Medien und Netze
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