"How to organize?" ? Die Frage koennnte man auch anders stellen: Was und warum organisieren?
Und was heiszt "gleiche Rechte für alle", oder "Ent-Prekarisierung"? Die sogenannte Prekarisierung ist momentan der Begriff fuer den Abbau des Sozialstaats, genannt soziale Marktwirtschaft, in der BRD. Man muss sich klarmachen, dass der im Sinn des Kapitals produktive Teil der lohnarbeitenden Gesellschaft hierzulande im Weltmaszstab eine wohl nur eine geringe Menge darstellt. Und die Arbeiterinnen, ob am Flieszband als privilegierte Lohnschreiber und Wissensverwalterin (Akademiker) oder in der Fabrik bei VW (Arbeiterin) sind qua Technik dermaszen hochproduktiv geworden, dass ihre Lohnarbeit vom Kapital einfach nicht mehr benoetigt wird. Die "gesellschaftliche Realität zu verändern bzw. verbessern" ist dann etwas zu allgemein gefasst und deutet lediglich auf Optionen in naechster Naehe hin, die zur Zeit nur im solidarischen aber defensiven Abwehrkampf gegen die Angriffe auf die Lohnabhaengigen liegen koennen. Die Berliner Regierung wird im Auftrag des Kapitals weiterhin scheibchenweise die im internationalen Vergleich gegebene Besserstellung der deutschen Lohnabhaengigen Salamisieren. Ent-Prekarisierung steht nicht auf der Agenda, jede bedingungslose Grundrente wuerde das Ende der deutschen Wirtschaft einleiten, die das nie zulassen wuerde. Fuer Orga Zeit zu finden, ist wohl simpel eine Frage der Arbeitszeit fuers Geld, was sich nur sabotieren laesst, indem nicht gearbeitet wird. Aber die ganze (na gut, die halbe) Berliner Hauptstadt arbeitet permanent an der Aufrechterhaltung der Kulturoberflaeche: "Unaufhaltsam ist Berlin das kulturelle Zentrum unseres Landes geworden." http://magazin.zitty.de 31.10.2006, "Erst in den vergangenen Jahren ist es der Stadt wirklich gelungen, eine Metropole zu werden. Und es gibt Grund, fast ein wenig stolz zu sein: Denn Berlin hat es geschafft, dabei sympathisch zu bleiben. Es hat seine Sommersprossen behalten." Mercedes Bunz http://magazin.zitty.de/1033 /magazin_-_titel.html. Oder wie es Pit Schultz als Robin Hood der nicht-staatlich Gefoerdereten formulierte: "(...) keine Reformation existierender Subventions-Kolosse, sondern die Investition in temporaere, punktuelle und kosteneffektive Veranstaltungen (...) die dafuer aber in Qualitaet, Originalitaet und internationaler Vernetzung weit voraus sind." (Thomas Krueger (Hg.). _Die bewegte Stadt_, S. 101) So muss man es machen! Oder wie die 'Leiterin' eben jener Institution, welche unten stehende Veranstaltung hostet, einmal fuer das Massen-Lifestyle-Magazin der Deutschen Bahn offen aussprach: (sinngemaesz) Wir machen mit unbezahlten Kraeften doppelt so viele Ausstellungen im Jahr wie die groszen Haeuser. Wo ist da Arbeitsverweigerung sprich Sabotage und wo Organisierung/Organisation? Die immer klassenkaempferisch iquisitorische Genossenfrage "Wo bist du organisiert?" bekommt da einen ganz anderen Geschmack. Folgt man - unweigerlich - obigem 'settled Untergrund' Mainstream, dann wuerde die Antwort nur so lauten koennen, naemlich finanziell *bei meinem Arbeitgeber*. Also wahlweise irgendeiner Veranstaltungs GmbH, die direkt am Tropf der einen oder der anderen Stiftung haengt (in Anspielung auf einen alten Artikel in _Das Blatt_ haengt Berlin, immer noch am Tropf der Zeit) und ideell beim Mythos der Verwirklichung alternativer Strukturen oder klein kleiner solidarischer Oekonomie. Warum und was also organisieren? Das bessere basisdemokratischere Symposion oder den unausbeuterischeren Kultur e.V.? "How to organize? Organisierung der Unorganisierbaren, die Schwierigkeit, dafür Zeit zu finden und die Kunst der Sabotage Dienstag 31. Oktober 2006, 20 Uhr NGBK, Oranienstraße 25, Kreuzberg, Veranstaltungsraum, 1. Stock Vorträge und Diskussion mit Efthimia Panagiotidis, Hamburg, Daniela Koweindl, Wien, und politische Comics von Linda Bilda, Wien Efthimia Panagiotidis spricht über Prekarisierung auf hohem Niveau. Sie fragt sich, warum die Hochqualifizierten keine Zeit haben, sich zu organisieren, und welche Konsequenzen in der Politik daraus zu ziehen sind. Daniela Koweindl verbindet in ihrem Beitrag Interessenvertretung von KulturarbeiterInnen mit Kämpfen um soziale Rechte und für gleiche Rechte für alle. Die Künstlerin Linda Bilda zeigt politische Comics, in denen sie zur alltäglichen Sabotage auffordert. EfthimiaPanagiotidis, Soziologin, lebt in Hamburg, arbeitet zu Prekarisierung und Migration. Sie ist politisch aktiv bei dem Forschungsnetzwerk Preclab, dem Euromayday, Kanak Attak, und dem transnationalen Netzwerk Frassanito. Daniela Koweindl ist Redakteurin der Zeitschrift kulturrisse und kulturpolitische Sprecherin der IG Bildende Kunst, lebt in Wien und befasst sich mit Strategien und Kämpfen zur Ent-Prekarisierung von Arbeit und Leben. Linda Bilda, in Wien lebende Künstlerin und Erfinderin, sucht mit ihrer Tätigkeit (Herausgabe von die weisse Blatt und NO comics) die Wirklichkeit zu erfassen und mittels dieser Analyse die gesellschaftliche Realität zu verändern bzw. verbessern. Prekäre Perspektiven ist eine Veranstaltungsreihe der gleichnamigen NGBK-AG (Burbaum / Kasböck / Leitner / Kriegerowski / Veihelmann). Das Thema ist Prekarisierung, also Verschlechterung der wirtschaftlichen und sozialen Absicherung sowie Vereinzelung. Das Ziel ist, Perspektiven zu entwickeln. 2006 befassen wir uns mit Prekarisierung bis zum Ausnahmezustand. Ende 2006 erscheint ein Reader zu den Veranstaltungen der letzten drei Jahre. http://www.mitzeitung.de/prekaere/index.html" Yelena Simc
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