Hi Andreas,
ich meine damit, dass es völlig egal ist, wie viele Frauen im Programm
und der Konferenz auftauchen. Das ändert überhaupt nichts daran, dass in
der Ausstellung nur eine und beim Preis gar keine dabei ist. Und das
finde ich schon problematisch.
Mich überzeugt das Argument von den "thematischen Aspekten" oder einem
eventuellen künstlerischem Wert der Arbeiten. Das sind alles subjektive
Kategorien und man muss sich überlegen, welche Strukturen und Kategorien
man denn hat, wenn bei mehr als 800 Arbeiten zufällig alle Frauen
rausrutschen. Ich habe im Augenblick keine Zeit mir in der
Projektbibliothek alle eingereichten Arbeiten anzuschauen - bevor Du das
vorschlägst. Selbst wenn ich das täte, bin ich mir ziemlich sicher, dass
das nichts an meinem Missbehagen ändern würde.
Nur um eventuellen Missverständnissen vorzubeugen: Ich möchte mit meinen
Bemerkungen keinen persönlichen Angriff verbunden wissen oder mit
Fingern auf einzelne Person zeigen, aber ich finde es schon legitim zu
fragen, wie ein solches Gendermissverhältnis passieren kann, in einer
Veranstaltung, die sich als irgendwie geartet fortschrittlich definiert.
Ich denke aber schon, dass die Transmediale damit bestehende Strukturen
unterstützt - meinetwegen unabsichtlich - die es Frauen schwerer machen,
in der Kunstwelt Erfolg zu haben.
Die Mailingliste Faces, die ich mitbetreue, feiert in diesem Jahr
10jähriges Bestehen. Wir hatten damals mit der Liste angefangen, weil
viele Künstlerinnen und andere Medienarbeiterinnen das Gefühl hatten,
auf Festivals und Veranstaltungen nicht ausreichend vertreten zu sein.
Bei einem Gespräch Mitte Dezember im Rahmen von Prologue, einem Treffen
von Künstlerinnen und Kuratorinnen aus ganz Europa, das Diana McCarty
und ich organisiert hatten, unterhielten wir uns darüber, ob sich denn
in den 10 Jahren etwas geändert hat und ob heute mehr Frauen teilhaben
an dem Festivalzirkus und -diskurs. Wir mussten zu unserem Entsetzen
(einem eher resignativen Entsetzen) feststellen, dass das nicht wirklich
der Fall ist. In diesem Zusammenhang kann ich nicht anders, als die
Transmediale (und die McLuhan-Tagung) symptomatisch zu sehen.
Gruß,
Valie
Andreas Broeckmann wrote:
valie, ist dein kriterium die museumswand (oder 'die wand in der white
cube galerie), oder zaehlt fuer dich auch die leinwand im auditorium der
akademie waehrend einer performance?
Top ten signs that you are an art world token:
[...]
7. A museum that won't show your work gives you a prominent place in
its lecture series.
[...]
Quelle: http://www.ggbb.org/broadband/posters/tokenism_print.html
Die Transferleistung kann dann jede/r selbst aufbringen.
Valie
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Performances - Institut fuer Medienarchaeologie - Nightline
Resonierende Gedächtnisspuren / Nightline
Mittwoch, 31.1. 2007, 21 Uhr, Akademie Hanseatenweg, Studio 1
Elisabeth Schimana [at], Ann Cotten [at], Cordula Bösze [at], Liesl
Ujvary [at], Rebekah Wilson [nz], Elena Golovasheva [ru], Ushi Reiter
[at], Julia Zdarsky - starsky [at]
Mit einer Reihe verschiedener Performances wird das österreichische
Institut für Medienarchäologie (IMA) unter dem Titel 'Nightline'
verschiedene Künstlerinnen, Künstler und Kompositionen präsentieren.
Vor der Performance gibt es im transmediale-salon theoretische
Praesentationen des Instituts fuer Medienarchaeologie (18h).
Rebekah Wilson war über mehrere Jahre als Netochka Nezvanova als
Fiktion unterwegs. Benannt nach einer Romanfigur von Fjodor
Dostojewski geisterte die ausgebildete Komponistin durch das Netz,
als Enfant terrible, als Anti-Popstar, als Ikone. Zu ihrer Identität
als Rebekah Wilson fand sie den Weg zurück in ihre Heimat Neuseeland.
Mit der Performance 'A History of Mapmaking' verwendet sie das Cello
live als Klangerzeuger und zur Manipulation digitaler
Klangereignisse. (Komposition und Aufführung: Rebekah Wilson)
Die Performance '4:3' bewegt sich auf den Spuren der Experimente von
Leo Theremin (Lev Sergejewitsch Termen), der in den 30er Jahren in
seinem Studio in New York mit der Avantgardefilmerin Mary Ellen Bute
Licht und Klang zu 'Lichtmusik' verknüpfte. Seine Ideen der
unmittelbaren Verflechtung von Licht, Klang und Bewegung eröffnen
heute, im Zeitalter digitaler Technologien, neuerlich ein spannendes
Forschungs- und Experimentierfeld. (Komposition und Elektronik:
Elisabeth Schimana, Flöte: Cordula Bösze, Terpsiton: Elena
Golovasheva, Instrumentendesign: Andrej Smirnov)
Mit 'ghostengine - Sprechen ohne Sprache' versuchen sich zwei
Schriftstellerinnen an einer Kommunikation ohne Sprache. Das
Theremin, eines von wenigen Musikinstrumenten, das vom Musiker ohne
körperliche Berührung gespielt wird, ist hier 'Sprachinstrument', das
Liesl Ujvary und Ann Cotten experimentell und voller Neugierde
erforschen. Zusätzlich spielen sie auf dem Kaosspad (ein Effektgerät
für Musik) und dem Laptop, um die Klänge des Theremins noch einmal zu
filtern. Es entstehen Kompositionen, die ein Panorama menschlicher
Existenz entwerfen: direkt, ergreifend, nonverbal. (Theremin und
Elektronik: Liesl Ujvary und Ann Cotten)
Ushi Reiters Turntable Improvisationen - Plattenkratzen,
Nadelaufsetzen und Soundfetzen - aus von Frauen generiertem
Soundmaterial des 20. Jahrhunderts treten in Dialog mit dem von
starsky geschaffenen Projektionsraum.
Mit Unterstützung von: bundeskanzleramt:kunst, Niederösterreich >>
Kultur und der Österreichischen Botschaft
http://www.ima.or.at/
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rohrpost - deutschsprachige Liste zur Kultur digitaler Medien und Netze
Archiv: http://www.nettime.org/rohrpost
http://post.openoffice.de/pipermail/rohrpost/
Ent/Subskribieren:
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