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NEUERSCHEINUNG

Slavko Kacunko, Dawn Leach (Hg.)

Image-Problem?
Medienkunst und Performance im Kontext der Bilddiskussion

Logos-Verlag, Berlin 2007
ISBN: 978_3-8325-1473-0

Sprache: Deutsch, Englisch

Die Aufmerksamkeit des wissenschaftlichen Diskurses im deutschsprachigen Raum wird gegenwärtig mehr als je zuvor auf die Begriff e Bild, Kunst, Medium und Performance gelenkt. Die sich an diesen Begriff en orientierenden Fachdisziplinen Kunst-, Medien-, Performance- und Bildwissenschaft stellen sich dennoch zunehmend als fachunspezifi sche, fachübergreifende Leitdisziplinen dar. Für die ungeschulten Augen des fachfremden Publikums können solche Selbstdarstellungen durchaus als fachpolitisch motivierte Ablenkungsmanöver erscheinen, vor dem Hintergrund des jeweils potentiellen Statusverlustes und der drohenden Rückfälligkeit in die ungenügend finanzierte Dämmerungszone der Hilfswissenschaften. Die derzeitige Popularität der Bilddiskurse macht die damit einhergehende Diskussion um die Möglichkeit, Zweckmäßigkeit und Realisierbarkeit einer interdisziplinären Bildwissenschft auch für die Untersuchung des gesamtwissenschaftlichen und -gesellschaftlichen Status quo besonders interessant.

Der vorliegende Band leistet einen fokussierten Beitrag zur Diskussion um die Rolle und Bedeutung der Kunst- und Bildwissenschaft im Spannungsfeld zwischen Performance- und Medienkunst. Die versammelten Beiträge werfen zugleich ein kontrastreiches Licht auf die Gesamtlage der ildwissenschaftsdiskussion.

Die Mehrzahl der vorliegenden Beiträge geht zurück auf eine im Mai 2006 im Fachbereich Kultur- und Geowissenschaften der Universität Osnabrück durchgeführte Tagung, die sich der Frage der Performance- und Medienkunstim Kontext der aktuellen Bilddiskussion widmete. Der theoretische, praktische und vermittlungstechnische Diskurs über die Medienkunst und ihre Voraussetzungen, Auswirkungen und Möglichkeiten findet nach wie vor am Rande von Medienkunstfestivals und -Ausstellungen, Hard- und Softwaremessen und vor allem im Rahmen internetbasierter "communities" statt. Die wenigen auf die Medien(kunst) spezialisierten Produktions- und Ausbildungsstätten bieten eine sehr überschaubare Zahl von Dozenten und Studienplätzen an, während die zeitlich begrenzten wissenschaftlichen Förderungsprojekte der mangelnden Kontinuität der theoretischen Auseinandersetzung wenig entgegensetzen können.

Die Tagung hat den Versuch gemacht, auf die nach wie vor zu beklagende Ausblendung der Praxis, Theorie und Geschichte der Medienkunst aus universitären Kontexten zu reagieren, indem sie die verstreuten Kompetenzen von Medienkunstexperten mit denen wissenschaftlich graduierter Nachwuchsforscher und der interessierten Öffentlichkeit zusammenbrachte.

Eröffnet wird die Textsammlung mit einem Beitrag von Dawn Leach, in dem die Bild-Text-Problematik, die Ausdiff erenzierung des Bildkonzeptes und die entsprechenden Systematisierungsversuche einf?hrend diskutiert werden. Besondere Aufmerksamkeit wird dabei dem Begriff der Bildanthropologie und dem diesbezüglichen "Menschenbild" gewidmet, wie es im deutschsprachigen Raum impliziert und diskutiert wird. Dies nimmt Leach als Folie für einen Vergleich der aktuellen bildwissenschaftlichen Ansätze in Nordamerika und Deutschland. Ihre Ausführungen schließt die Autorin mit Schlussbemerkungen zur Weiterführung der akademischen
Bilddebatte auf der Universitätsebene.

Slavko Kacunko widmet seinen Essay der Generation der 1947 geborenen "Propheten" und "Prophetenbeleidiger", die im Jahr 2007 ihren 60. Geburtstag feiern wird. Diese so genannte Generation der ´83er wird allge- wird allge- mein typisiert, um einerseits die "Prophetie" im Zeitalter ihrer Aktualität zu historisieren und andererseits, um die gegenw?rtige bildwissenschaftliche Debatte als eines der Nebenprodukte der ´83er-Ideologie darstellbar zu machen. Den Mittelpunkt der Typisierung bildet die im biopolitischen Geburtsjahr der "83er" veröffentlichte Programmschrift "Kritik der zynischen Vernunft" von Peter Sloterdijk (1983), flankiert durch die von Beat Wyss 1983 geschriebene Habilitationsschrift "Trauer der Vollendung" und die 1983 von Hans Belting in München vorgetragene Antrittsvorlesung über das Ende der Kunstgeschichte.

Die nicht zuletzt aus der wütenden Kritik der ´68er-Generation erwachsene Grundhaltung der ´83er-Generation entpuppt sich aus der Sicht des Autors unter anderem als Stein des Anstoßes auf dem beschwerlichen Weg zu einem angemessenen Verständnis der neueren Kunst- und Medienentwicklung.

Lena Bader erinnert in ihrem Beitrag an die duale Funktion der Fotografie als Medium und Objekt der Kunstgeschichte seit ihren Anfängen und verweist auf die akademische Polemik um den "Status des Bildes" vor dem Hintergrund seiner brüchigen Kontinuität. Als Vermittlungsinstrument schlägt Bader die im 19. Jahrhundert in der Kunstgeschichte eingeführte vergleichende Bildanalyse vor. Sie vespricht sich davon, sowohl der Frage der Bildlichkeit als auch der Medialität gerecht werden zu können.

Katja Hoff mann vertritt in ihrem Beitrag eher eine kritische Position den historischen Ansätzen gegenüber, die ein all-inclusive-Konzept verfolgten und damit entweder Allgemeinplätze generierten oder die Differenzen unterschlagen. Die Autorin unternimmt dagegen den exemplarisch argumentierenden Versuch, die Bedeutung von kontextbezogenen Erinnerungsleistungen und symbolischen Handlungen zu reevaluieren.

Verena Kuni berichtet über die Probleme der Dokumentation von internetbasierter Kunst, die für die kunstwissenschaftliche Reflexion zunehmend verloren zu gehen droht. Kuni macht deutlich, dass das Internet einen komplexen und vor allem prozessbasierten Kontext darstellt, der nur unzureichend durch Emulation beziehungsweise formaltechnische "Nachahmung" wiederherstellbar sei. Anhand konkreter Fallbeispiele stellt die Autorin die zentralen Probleme und mögliche Lösungsstrategien im Umgang mit der Erfassung und Erhaltung webbasierter Kunst zur Diskussion.

Marga van Mechelen thematisiert in ihrem Beitrag die entscheidende Rolle der Stichting de Appel in Amsterdam, die diese Institution zwischen in Amsterdam, die diese Institution zwischen 1975 und 1983 für die Entstehung und Entwicklung der Performancekunst gespielt hat. Die in De Appel realisierten künstlerischen Projekte zeigten der Autorin zufolge eine scheinbar paradoxe Koexistenz von "modernen" und "postmedialen" Fragestellungen: Während die ersteren nach der essentiellen Qualität eines Mediums in einer künstlerischen Arbeit suchen, befinden sich die anderen eher in einem "postmedialen" Zustand (Rosalind Krauss). Vor diesem Hintergrund stellt Mechelen die Frage, ob das Medium überhaupt noch einen entscheidenden Faktor in unserem heutigen Umgang mit der Kunst darstellen kann, was gelegentlich Thema in gegenwärtigen Medienkunstdiskussionen ist.

Petra Missomelius durchleuchtet in ihrem Text die Frage der Verräumlichung der Narration in der aktuellen interaktiven Medienkunst. Mit einem "topological turn" erschließten sich neue Betrachterverhalten im Seh-Regime partizipatorischer Ästhetiken, die zu neuen Raumverständnissen führen könnten. Mit der Parallele zwischen der Narration und der aktiven Navigation durch virtuelle und reale Räume verweist die Autorin auf die daraus erwachsenden Möglichkeitsfelder für die soziale Interaktion.

Ingeborg Reichle beschäftigt sich in ihrem Beitrag mit dem präker gewordenen Verhältnis von Kunst und Wissenschft im Zeitalter der Biotechnologie. Im Fokus der Betrachtung stellt die Autorin die Interpenetration von Kunstformen und Lebensformen, wie sie beispielsweise mit der Transgenic Art von Eduardo Kac praktiziert wird.

Eine kunst- und medienpädagogische Ausdifferenzierung finden diese Überlegungen im anschließenden Beitrag von Daniela Reimann. Sie beschreibt die im Rahmen des Projektes [EMAIL PROTECTED] (Universität (Universität Flensburg, Universität zu Lübeck und UNESCO-Projektschule) erforschten multimedialen robotisch-performativen Systeme und ihre vielfältigen Anwendungsmöglichkeiten. Durch gezielte Stimulierung und Lenkung der raumzeitlichen Erfahrung und Imagination entständen sowohl für die Lernenden als auch für die Lehrenden zukunftsweisende Plattformen für den Erwerb und die Weiterentwicklung kreativer Gestaltungs- und Denkprozesse.

Gabriele Schmids veranschaulicht am Beispiel einer holographischen Installation des frankokanadischen Küstlers Philippe Boissonnet das Verhältnis zwischen den Prämissen der Rezeptionsästhetik und der Möglichkeit, Holographien diesseits wie jenseits der herkömmlichen Werkautonomie zu erfahren. Bilder in holographischen Installationen zeigen sich als Handlungsfelder und Erfahrungsorte, in denen sich ein komplexes, intuitivkognitives Verständnis entfalten lässt.

An diese Überlegungen knüpft teilweise der Beitrag an, in dem Jens Schröter die Holographie, Stereoskopie und die virtuellen interaktiven bzw. volumetrischen Bilder als drei Typen von transplanen Bildern identifiziert und diese als visuelle Phänomene sui generis defi niert. Den Abschied von Bildlichkeit und dem Planozentrismus exemplifi ziert Schröter mit Hilfe von Marcel Duchamp´s TU M? und fordert in seinem Fazit mehr Platz für den und fordert in seinem Fazit mehr Platz für den Raum im Bildbegriff.

Yvonne Spielmann befasst sich in dem den Band abschließenden Beitrag mit der Visualität und Bildlichkeit im intermedialen Vergleich von Film, Video und Computer. Die Medienspezifika stellen aus der Sicht der Autorin einen blinden Fleck in der gegenwärtigen kunsthistorischen und bildwissenschaftlichen Debatte dar, einen Mangel, der weder durch visuelles nochdurch multisensorales Medien(selbst)verständnis aufgehoben werden kann. Spielmann plädiert für eine interdisziplinäre Debatte über die Visualisierung, die auf technischen Mediendiff erenzen basieren sollte.

Die Tatsache, dass die Gäste aus dem Ausland (Prof. Dr. Ryszard Kluszczynski und Dr. Maciej Ozog) in ihren Vorträgen keinen direkten Bezug ihre Textbeiträge im vorliegenden Band leider verzichtet werden musste), machte deutlich, dass die Fragestellung der Konferenz, stellvertretend für die Diskussion um die Bildwissenschaft insgesamt, in erster Linie für den deutschsprachigen Raum von besonderer Relevanz war. Nicht zuletzt aufgrund der noch ausstehenden Vermittlung der komplexen Problematik im englischsprachigen Raum lieferten sieben von elf TeilnehmerInnen ihre Beiträge in englischer Sprache.



NEW PUBLICATION

Slavko Kacunko, Dawn Leach (eds.)

Image-Problem?
Media Art and Performance within the current picture/image-discussion

Logos-Verlag, Berlin 2007
ISBN: 978_3-8325-1473-0

Language: English, German

The present volume focuses the discussion of the time- and action-based arts seen before the backdrop of a general concept of the pictorial. The contributions also throw a light rich in contrast when the entirety of the picture science debate spreads before our view. Their mixture of perspectives and discursive affiliations provide current readings for this area of scholarly study.

The majority of the contributions collected in this volume originated in May 2006 at a conference of the Department of Culture and Geo-Sciences of the University of Osnabrück, Germany, that was devoted to questions of performance and media art within the context of the current discussion of the picture/image science. The conference was an attempt to alleviate the suppression of media arts? practice, theory, and history from university contexts and brought together competent media experts, junior research staff and the interested public.

The present collection of texts begins with Dawn Leach´s brief discussion of the image and text issue, image diff erences, and systematisation attempts. attention is paid to the notion of picture anthropology and the age old image of man question, as currency in the German debates. This sets the stage for some comparisons between North American and German efforts in this field and is rounded off with brief mention of new evolving agendas as well as concluding remarks concerning possible changes in academic fields at university level.

Slavko Kacunko devotes his essay to a generation of 1947 born "prophets" and ?slanderers of prophets? that will be sixty come 2007. A characterisation of this generation, which here is called the Generation of Eighty-three furnishes the pretext for historicizing "prophecy" in the age of its topicality. The focal point of his characterisation is the programmatic text published in the biopolitical year of birth of the Eighty-three-ers, Peter Sloterdijk`s Kritik der zynischen Vernunft (1983; in English as Critique of Cynical Reason [Minnesota, 1988]), fl anked by the postdoctoral thesis Beat Wyss completed in 1983, Trauer der Vollendung (Hegel?s Art History and the Critique of Modernity, Res Monographs in Anthropology and Aesthetics series, Cambridge [UK] and New York, 1999) and, again dating from 1983, Hans Belting?s inaugural lecture in Munich on the end of art history.

The current image-theory debate is interpreted as one of the by-products of the ´83 ideology ? an outlook formed out of the criticism that raged against the generation of ´68 and which is proving increasingly to be a stumbling block on the onerouspath toward a fi tting scholarly treatment of more recent developments in art and the media.

Lena Bader reminds us of the dual function of photography at the inception of art historical study as both subject and medium with a view to defusing polemic tendencies to either postulate continuity at the expense of iconic differences, or to stylise historiographic shi s into a complete rupture with the past. Her new /old instrument of choice is the comparative analysis, which she believes can accommodate both consideration of pictoriality and mediality.

Katja Hoffmann is critical of historical efforts aimed at an "all-inclusiveconcept" since it produces generalities at the expense of diff erences. She does place symbolic actions at the core of her exemplifi cation, but hopes to show by means of memory and context how the interpretive approach can produce more than levelling results.

Verena Kuni`s agenda is different from Lena Bader`s and Katja Hoffmann`s since her specialist concern with web based art prompts her to a differentiated account of the state of disrepair in documenting her subject and already foresees the detrimental eff ects on future historical treatment. The context of the web, she argues, is a complex one that can only be insufficiently emulated. Kuni sees the reflexive reenactments of several artists as a possibility for sharing creative eff orts that would otherwise be totally lost.

Marga van Mechelen`s project relates the first directorship of De Appel (1975-1983) to the question "Is the medium still a condition of art"? Van Mechelen shows that the idea of the essential qualities of a medium and the many forms of artistic production more properly placed within Rosalind Krauss? idea of the post-medium condition were realised within the framework of De Appel. She argues, that the De Appel programme went far beyond the medium condition and explains this paradox by discussing some of the better known projects that were realized in this framework.

Petra Missomelius is concerned with narration in the spatial organization of digital environments. She brings a "topological turn" into play. The concept of narrative works introduced into participatory aesthetics offers the active viewer new modes of comprehending the spatial. She argues that our spacio-temporal experience of the architectonics of contact, the active negotiation of possible and actual space can be read as narrative structuring. Social interaction in "third spaces" (Bhabha 1994), she says, engages imaginary faculties, facilitates new, tentative, alternating identities, and creates hybrid cultural communities.

The storytelling and prototype development in interactive systems which Daniela Reimann is involved in as interdisciplinary didactic researcher represents a shift from Missomelius? perspective. Not only conceived as teaching instrument, these practice oriented co-operations are equally instructive for teachers, specifi cally art instructors. Performative aspects and robotic systems stimulate different links to the spatio-temporal experience that instil imaginative outlets and make fit for creative output in a new environment.

"In Between" is an excellent example for Gabriele Schmid´s critical observations concerning the short reach of aesthetic reception theory when faced with the holographic experience. Her arguments go beyond the specifi c example, but are strongly supported by its force. The noncontemplative, embodied reception is of course argued in all forms of digital based art defence, but the holographic medium has received far too little attention and is worthy of far more attention as Schmid cogently argues.

With Jens Schröter´s contribution we are invited to rethink our scopic regimes and he has good grounds to argue his transplanar perspective. Like Schmid he invites us to reconsider our discursive eff orts on an individual work: Marcel Duchamp´s TU M?. But his reconsideration proves that our blind spot has implications. He identifi es three types of transplanar images: 1. the stereoscopic, 2. the holographic, 3. the virtual interactive i.e. volumetric images. The ?third spaces? that Missomelius introduces turn into a scientific re-evaluation of our scopic regimes with the purport of new genealogies that Spielmann wishes us to recognize in the differences
between the media of moving images.

Yvonne Spielmann´s insistence here on medium specifi ty, grounded as it is in technical diff erences, prompts her to argue that these considerations must preace and inform any interdisciplinary approach to visuality. Even if we agree with Mitchell´s verdict that strictly speaking there are no visual media, since our perception encompasses more than the visual, we can not ignore, says Spielmann, research into the structuring of multi-sensory reception of multimedia artefacts. She offers an exemplary taxonomy of the filmic, videographic and digital forms of presentation meant to contribute to intermedia investigation of the refl exive participation of the recipient. The contribution of media studies, in her view, would entail employing cultural semiotic tools in media historical comparisons.

The fact that our guests from Poland (Prof. Dr. Ryszard Kluszczynski und Dr. Maciej Ozog) made no reference to picture science debates (which is why their texts are unfortunately not included) made clear, that the general discussion revolving around a picture science, is first and foremost of relevance for German speakers. Not the least reason to prompt seven of the eleven authors to choose to write in English with a view to generating more scholarly exchange bearing on these issues.







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rohrpost - deutschsprachige Liste zur Kultur digitaler Medien und Netze
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