Ein Dialog zwischen Poesie in Tanz in zwei Premieren am Fr, 29.6.2007 im 
Ballhaus Ost, Berlin

 

In den Tanzperformancen "brinnen" von Hans-Werner Klohe nach Texten von Anja 
Utler und "KONJUNKTIVIEN" von Jenny Atwood nach Texten von Andreas H. Drescher 
zeigt das poesiefestival berlin am 29.6.2007 was passiert, wenn sich zwei 
Künste inspirieren. Der Dialog zwischen Tanz und Lyrik steht bei beiden Stücken 
im Vordergrund. Bei "brinnen" besitzt dieser Dialog bereits eine bestimmte 
Form, bei "KONJUNKTIVIEN" entsteht die Bewegung im Moment, ín dem das Gedicht 
gelesen wird: Sie wird improvisiert.

 

Rhythmus, Klang, Bewegung - das alles macht Tanz aus. Rhythmus, Klang, Sprache 
- das alles macht Poesie aus. Grund genug, dass der Tanz auf die Lyrik zugeht. 
Poesie tut, was sie schon zu Beginn ihrer Geschichte tat, als Dichtung, Tanz 
und Musik untrennbar waren: Sie löst Bewegung aus, sie nimmt poetische Texte 
beim Wort, bewegt sich entlang am Klang, am Rhythmus, und das Ergebnis ist ein 
TanzText.

 

Bei "brinnen" trifft die strenge Form auf Improvisation, die Struktur wird in 
Frage gestellt. Es kommt zu Verschiebung, Überschneidung, Verschachtelung. Im 
Spannungsfeld zwischen Tanz und Sprache entsteht eine Art Textkörper. Die 
Tänzer knüpfen in die Klangstruktur ihre Bewegungsstränge und schließen im 
körperlich-lautlichen Zusammentreffen mit der Dichterin Anja Utler dem Gedicht 
eine neue Dimension auf. Während der Text' ein vielsinniges und fein 
gefächertes Geflecht ist, erprobt der Tanz seine körperlich-sinnliche Realität 
- aus den Reibungen zwischen Körper und Sprache blitzen die Bewegungen eines 
aufflackernden und wieder verlöschenden Textkörpers hervor. 

Der Titel "KONJUNKTIVIEN" wurde vom gleichnamigen Gedicht von Andreas H. 
Drescher abgeleitet. Er wird das Gedicht lesen und die Tänzerin Jenny Atwood, 
nur mit der Übersetzung des Titels ausgestattet, dazu tanzen. Auf der Basis der 
Rhythmen Dreschers wird sie den Text improvisieren und interpretieren. Proben 
sind nicht vorgesehen. Gerade die Tatsache, dass Jenny kein Deutsch versteht, 
wirft die Frage nach der Lesbarkeit und Bedeutung von Text auf. Der Kameramann 
Jens Jensen wird dieses Experiment filmisch festhalten, der australische 
Videokünstler Jason Lam wird daraus einen Poesiefilm produzieren. 

 

Fr, 29.06.2007, 20.00 Uhr

TextTanz

Ballhaus Ost
Deutschlandpremiere: brinnen 
Tanz und Lyrik - Ein Dialog

Tanzperformance mit Hans-Werner Klohe und Sumi Jang nach Texten von Anja Utler 

Mit Anja Utler (Dichterin, Wien), Hans-Werner Klohe (Choreograph/Tänzer, 
Berlin), Sumi Jang (Tänzerin, Freiburg) 

Uraufführung: KONJUNKTIVIEN
Tanzperformance mit Jenny Atwood nach einem Text von Andreas H. Drescher

Andreas H. Drescher (Autor, Saarlouis)
Jenny Atwood (Tänzerin, Australien/UK)

 
 
Boris Nitzsche
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