Hallo Manuel,

ich glaube, dass es sehr irreführend ist, sich bei der Diskussion um Anschlüsse von avancierter Medienkunst an den "großen Zirkus" nur auf die schrecklich ausbeuterische Relation zwischen dem Freier Kapital und dem Stricher Künstler zu stürzen.

Manuel Bonik schrieb:

Ich frage mich gerade, ob es wirklich so erstrebenswert ist, dass die
"Medienkunst" "endlich" im allgemeinen Kunstmarkt ankommt, oder ob eine
Logischereise kommt sie im Markt an, wenn sie im Betrieb ist - ob mit monetärem Erfolg, das sei dahin gestellt. Oder doch nicht? Aber andersherum: Für wen arbeitest Du denn? Denkst Du bei Deiner Arbeit nicht auch mal daran, Menschen zu erreichen, die ansonsten keinen Zugriff auf Deine Arbeit haben? Ist es auf Dauer denn angenehm, anschlusslos exotisch zu sein? Und zu den Bedingungen: Ich kenne hier in Leipzig einen Schumachermeister, der noch dazu in der Lage ist, von Hand passgenau für jeden Fuß der Welt Maßanfertigungen herzustellen. Mittlerweile ist er - weil er von Betriebswirtschaft so viel versteht wie von Plasmaphysik - mit einer ganzen Reihe von Geschäftsversuchen gescheitert. Zur Zeit schleppt er sich so dahin, Berge von Quittungen landen unbearbeitet in einem Schuhkarton, und er flickschustert die Deichmann-Massenware für ein paar Kunden zusammen. Ab und zu gibt's Aufträge von einem Sanitätshaus, aber eigentlich ist er hierzu nicht spezialisiert genug. Ich habe ihn neulich gefragt, was er denn am liebsten den ganzen Tag lang machen würde. Die Antwort ist wohl klar: Maßschuhe. Isolation kostet.

Im übrigen ist es sehr herablassend, die letzten Jahrgänge an den Akademien pauschal als Schrott abzuqualifizieren.

diese ganzen blowjobs geben, damit einem irgendwann Flick ein wenig
Blutgeld rueberreicht? (Pardon, jetzt werde ich wohl doch etwas
moralisch.)

Nein, nein, einfach nur banal und oberflächlich.

Ach so, es geht um Geld? Weil die Einstiegskosten in der "Medienkunst"
sinken, ist damit auch weniger zu verdienen, und jetzt braucht es neue
Fleischtoepfe? Na, dann guten Appetit!

Hallo! Welcher Medienkünstler kann denn ausschließlich von Medienkunst leben? Und was ist daran so blöde, sich zu wünschen, wie einige Flachwareproduzenten Galeristen zu bekommen, die sich für einen einsetzen bzw. Vemarktungsfelder zu erschließen, um seiner Profession halbwegs beruhigt nachgehen zu können? Was ist daran verwerflich??? Welch ein biedermeierlicher Blick! So spannt der Nichtverdiener weiterhin den Regenschirm auf und stellt Eimer ins Zimmer, oder wie?

Mahlzeit

MWeiß
--
-------------------------------------
matthias weiss - computer art history
h u y g e n s s t r a s s e        21
d  -  0  4  1  5  9     l e i p z i g
-------------------------------------

--
rohrpost - deutschsprachige Liste zur Kultur digitaler Medien und Netze
Archiv: http://www.nettime.org/rohrpost 
http://post.openoffice.de/pipermail/rohrpost/
Ent/Subskribieren: http://post.openoffice.de/cgi-bin/mailman/listinfo/rohrpost/

Antwort per Email an