Demokratie 2 ... in der neuen Gesellschaft Mehmet Mihri Özdogan Florian Wüst
Erziehung zum Staatsbürger durch Alliierte und Kemalisten Kurzvorträge und Filmbeispiele In Kooperation mit der Ausstellung „Katja Eydel – Model ve Sembol. Die Erfindung der Türkei", 14. Juli–19. August, NGBK Berlin Dienstag 17. Juli 2007, 20 Uhr im Veranstaltungsraum der NGBK 1. OG NGBK Neue Gesellschaft für Bildende Kunst Oranienstraße 25, 10999 Berlin [EMAIL PROTECTED] www.mitzeitung.de/veranstaltungen Sowohl Alliierte im Nachkriegsdeutschland als auch Kemalisten während der Modernisierung der Türkei strebten an, die jeweilige Bevölkerung zu Staatsbürgern zu erziehen. Die Deutschen sollten zu Demokraten werden, die Türken in den 20er Jahren zu Bürgern eines laizistisch orientierten Nationalstaats nach westlichem Vorbild. Die unterschiedlichen Prämissen, Methoden der Umerziehung und die Probleme stellen der Sozialpsychologe und Soziologe Mehmet Mihri Özdogan und der Künstler und Filmkurator Florian Wüst vor. Im anschließenden Gespräch liegt der Fokus auf möglichen Parallelen. Die Darstellung der Idee der Nation in konkreten präsentativen Symbolen, die an allgemein öffentlichen Orten präsent sind (wie architektonische Elemente) und zudem bis in die kleinsten Alltäglichkeiten des Lebens eindringen (wie Musik), macht sie zu einem generellen wie entscheidenden Sozialisationsfaktor. In der neu gegründeten türkischen Republik nutzte die nationalistische Elite zur Modernisierung der Gesellschaft solche Symbole. Anhand einer sozialpsychologischen Analyse der sogenannten kemalistischen Kulturevolution in der Türkei der dreißiger Jahre diskutiert Mehmet Mihri Özdogan wie die Konstituierung der Nationalkultur als Symbolsystem zur entscheidenden Grundlage der Verbindung zwischen dem Einzelnen und dem nationalen Kollektiv wird. Mit dem European Recovery Program (ERP), dem sogenannten Marshallplan, unternahm die amerikanische Regierung nach Ende des 2. Weltkriegs den Wiederaufbau derjenigen europäischen Länder, die nicht unter direktem Einfluss der Sowjetunion standen. Vor allem in Westdeutschland wurde die ökonomische Initiative der Amerikaner von einer beispiellosen Informationskampagne begleitet, in der Filme eine entscheidende Rolle spielten. Eine Aufgabe der bis 1952 von den westlichen Alliierten produzierten Lehr- und Dokumentarfilme propagierten war die Umerziehung der Menschen hin zu einer demokratischen Grundeinstellung. Anhand von Filmbeispielen und -ausschnitten diskutiert Florian Wüst die ästhetischen Strategien dieses Re-Orientation Programms. Der Schwerpunkt der mittlerweile ins vierte Jahr gehenden Veranstaltungsreihe liegt in diesem Jahr auf Kunst und Demokratie in Hinblick auf ihre Bedingungen, Umsetzungen, Alternativen und Umbauten. Ende des Jahres erscheint die Publikation Demokratie … in der neuen Gesellschaft mit Beiträgen der Vortragenden, Auszügen aus den sich anschließenden Diskussionen und zusätzlichen Text- und Bildbeiträgen. Referenten: Florian Wüst Die Auseinandersetzung mit den Werten der westlich-demokratischen Welt bildet den Kern der Arbeit des Medienkünstlers Florian Wüst. Seine filmischen und installativen Projekte haben ihren Ausgangspunkt in brisanten Momenten aus Politik und Gesellschaft der letzten 50 Jahre. Er lebt in Berlin. Mehmet Mihri Özdogan, 1970 in der Türkei geboren, lebt seit 1991 in Deutschland. Er ist Sozialpsychologe und Soziologe und hat an der Universität Hannover über Nationalismus in der Türkei promoviert. Seine Dissertation: Nation und Symbol. Der Prozess der Nationalisierung am Beispiel der Türkei, erscheint im Herbst 2007.
-- rohrpost - deutschsprachige Liste zur Kultur digitaler Medien und Netze Archiv: http://www.nettime.org/rohrpost http://post.openoffice.de/pipermail/rohrpost/ Ent/Subskribieren: http://post.openoffice.de/cgi-bin/mailman/listinfo/rohrpost/
