Guten Tag, erinnern Sie sich noch, damals, als Sie klein waren, und alles so langsam voranging? Sie lernten nach und nach das ABC des Lebens: Gehen, Schwimmen, Lesen. Manche waren langsamer als Sie, andere schneller. Lang ist's her. Im Erwachsenenalter geraet vor allem eines in Vergessenheit: Man lernt nie aus. Das betrifft insbesondere das Lesen. Auch heute ist Geschwindigkeit ein Faktor. Immer schneller wechseln die Textsorten, immer rascher muss man seine Sehorgane adjustieren: Werbe-Slogan, Amtsschreiben, Zeitungsglosse, Poesie, Geschaeftsbrief, Kochbuch, Philosophie, Rundmail, persoenliche SMS, Roman, uvm.
Immer schneller verschwinden jedoch auch literarische, philosophische, wissenschaftliche und journalistische Texte aus dem Rampenlichtlicht, die als nicht lesbar bzw. lesenswert erachtet werden - zumindest nicht fuer die breite Oeffentlichkeit. Die Leseindustrie zimmert das Wahrnehmungsfenster immer kleiner. Immer standardisierter muss das ausfallen, was alle gleichermassen bequem lesen koennen. Das bedeutet: >Tschuess< fuer Textsorten, die zwischen den Stuehlen sitzen, die unbequem sind, die erstmal erobert werden muessen. Wenn sich die Berliner Gazette im Umfeld der Frankfurter Buchmesse dem Thema >Lesen< zuwendet, dann nicht zuletzt deshalb: Wir wollen uns gemeinsam mit Ihnen zurueckversetzen in >unsere< Kindheit, um allen Lesestoffen mit der entsprechenden Neugier zu begegnen und an die Lernfaehigkeit aller zu appellieren. Neue Texte sind immer auch ein bisschen wie Fremdsprachen - wir muessen sie uns aneignen! Unter besonderer Beruecksichtigung vermeintlicher Beschleunigungszwaenge hatten sich in den Zeitgeist-Protokollen bereits Bernd Hueppauf, Yoko Tawada, Marcus Steinweg und Joerg Sundermeier mit diesem Thema beschaeftigt: http://www.berlinergazette.de/index.php?pagePos=10 Im Logbuch der Berliner Gazette wollen wir das Ganze nun vertiefen. Achtung, auch hier haben wir schon ein bisschen vorgearbeitet! Hier der Link zum Dossier: http://www.berlinergazette.de/?cat=14 Bleiben Sie dran! Die Redaktion info[at]berlinergazette.de
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