Cornelia Sollfrank im Märkischen Museum Witten
»MuseumShop« – Wie aus Kunst Content wird

Im Märkischen Museum wurde am Mittwoch, 12.September 2007 eine ungewöhnliche Ausstellung eröffnet. Sie trägt den Titel »MuseumShop« und führt vor, wie aus Kunst »Content« wird. Aber es ist nicht das Museum selbst, das seine Ressourcen in Form von Bildrechten gewinnbringend verwerten will. Vielmehr nutzt die Hamburger Künstlerin Cornelia Sollfrank ihre Einladung zu einer Einzelausstellung dazu, die Sammlung des Museums für sich nutzbar zu machen: Sie wählte Kunstwerke aus dem Bestand, beauftragte einen Museumsfotografen diese hochqualitativ zu reproduzieren und bietet diese Bilder nun in ihrer Agentur im Netz an.

Nach den »Netzkunstgeneratoren« [1] und ihren »geklauten Warhol flowers« führt uns die als Hackerin und Cyberfeministin bekannte Künstlerin ein weiteres Mal vor, wie man sich als »schlaue Künstlerin« [2] die Arbeit von anderen aneignet. In den vier Räumen der Ausstellung werden die ausgewählten Werke der Kollegen ganz museal als Originale ausgestellt, man kann den Museumsfotografen in einer Videodokumentation bei seiner nicht unaufwändigen Arbeit beobachten und nicht zuletzt gibt es Zugang zu der Website [http:// art-content24.de], auf der die Abbildungen in allen üblichen Qualitäten und zu den üblichen Preisen erworben werden können.

Nachdem Sollfrank sich bei vorangegangenen künstlerischen Aneignungen immer wieder mit juristischen Problemen konfron-tiert sah, hat sie diesmal vorgesorgt. In Absprache mit ihren Anwälten kamen ca. ein Dutzend ausgefeilte Verträge zustande, in denen sie sich gegen alle denkbaren Angriffe absichert. Zusammen mit umfangreichen Nutzungsbedingungen und Lizenzvereinbarungen füllen diese einen ganzen Raum der Aus-stellung. »Anstatt mich wegen Urheberrechtsverletzung und Piraterie im Rahmen meiner Kunst weiter kriminalisieren zu las-sen, nehme ich zur Abwechslung mal die Rolle derjenigen ein, deren Geschäftsmodell es ist, durch die Ausbeutung kreativer Arbeit Gewinne zu machen. Dazu gehört auch, das unethische Handeln juristisch abzusichern.« erklärt die Künstlerin ihre aufwändigen Vertragswerke.

Die grundsätzliche Frage, ob es sich bei »MuseumShop« um ein typisches Beispiel für die um sich greifende Ökonomisierung von Museums- und Kunstbetrieb handelt oder um ein künstlerisches Statement zum Copyright, wird nur durch einen Besuch der Ausstellung zu beantworten sein. Eine gute Gelegenheit dazu bietet sich am kommenden Samstag:



Führung durch die Künstlerin, Samstag, 13.Oktober 2007, 14:00 Uhr

Einzelausstellung Cornelia Sollfrank im Märkischen Museum Witten, Husemannstr. 12, 58452 Witten

Teil des Kooperationsprojektes »Knotenpunkte 2007«, www.knotenpunkte.net

Ausstellungsdauer: 16. September bis 11. November 2007



[1] http://net.art-generator.com

[2] »A smart artist makes the machine do the work« ist das Motto des Netzkunstgenerators, einem Computerprogramm, das aus vorhandenen Bildern auf Knopfdruck automatisch Collagen herstellt. (http:// nag.iap.de)

Homepage Cornelia Sollfrank: http://artwarez.org

Kontakt: [EMAIL PROTECTED]
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