Lieber Till,
hier schicke ich dir den korrigierten Text für den Blogartikel ( 
http://www.formatlabor.net/blog/?p=208 ) und auch über Rohrpost; -- vielleicht 
will ja jemand mitdiskutieren. Ich hoffe, dass ich die Sache richtig verstanden 
habe und es im Text nicht mehr so viele Tippfehler gibt. Und ich hoffe auch, 
dass es dir nix ausmacht, dass ich ihn hier poste. 

Sophia

Hier der Text: 

Die Geschichte der Freien Software ist nicht nur die Geschichte eines nie da 
gewesenen Produktes, eines Produktes, das einerseits immateriell ist (wie alle 
digitalen Daten) und anderseits produktiv wie andere Produktionsmittel auch 
(wie etwa Fabriken und Maschinen), sondern die Geschichte der Freien Software 
erzählt das Wachsen einer alternativen Ökonomie, in der Arbeit nicht mehr 
bezahlt wird und Leistungen nichts mehr kosten. Die Arbeitsstrukturen in denen 
Freie Software geschrieben (produziert) wird, sind prinzipiell offen. 
Prinzipiell im zweifachen Sinne a) im Sinne der der Definition und des Prinzips 
- Freie Software zeichnet sich dadurch aus, eben nicht in einem geschlossenen 
Unternehmenszusammenhang produziert zu werden und b) im Sinne der 
Einschränkung, denn tatsächlich teilnehmen kann nur der, der es vermag zum 
Autor Freier Software zu werden und eine entsprechende Qualifikation mitbringt. 
Wenn wir die Produktionsstrukturen Freier Software modellhaft begreifen und
 also nach ihrer Übertragbarkeit auf andere Arbeits- und Produktionsstruktur 
fragen, erscheint es sinnvoll, zunächst die Besonderheiten der Freien Software 
zu beschreiben.
 1. Historische Wurzeln. Computerprogramme haben womöglich zwei Wurzeln. Die 
eine liegt in der kostenlosen Beigabe der Software zu einer Hardware und die 
andere liegt in der Universität. Die Universität ist ein privilegierter Ort, zu 
vergleichen mit dem antiken Staatstheater. Ein Ort, der für die 
Wissensproduktion der Gemeinschaft so wichtig erscheint, dass man ihn 
gemeinschaftlich über Steuern finanziert.
 2. Globalität. Die Zusammenarbeit an Freier Software ist grundsätzlich nicht 
örtlich gebunden, sondern kann über das Internet geschehen. Sie ist nicht lokal 
gebunden.
 3. Anerkennungsökonomie. Die Community ist gut vernetzt und das Bedürfnis der 
Anerkennung besteht vor allem in der Peer-to-Peer-Gruppe. Die Anerkennung der 
Peer-to-Peer Gruppe ist nicht käuflich. Den anderen Gesellschaftsmitglieder ist 
die Wertschätzung der eigentlichen Programmierarbeit weitgehend verschlossen 
(denn Sie können den Code nicht lesen und beispielsweise eine elegante Lösung 
nicht von einer weniger eleganten unterscheiden).
 4. Inmaterialität. Es handelt sich um ein digitales Produkt d.h. um ein 
Produkt, das prinzipiell kostenlos distribuiert werden kann. Wird ein Brot 
gebrochen und verteilt, bekommt jeder nur einen Teil. Die digitale Information 
dagegen wird durch Teilung nicht weniger. Unter diesem Aspekt ähnelt Software 
allen Formen von Information und Wissensformen, die sich von ihren materiellen 
Trägern emanzipieren können.
 5. Kopplung von Lese- und Schreibkompetenz. Für Programmierer ist ein Code, 
wenn er offen ist, lesbar. Gegenüber ihren Konsumenten verhält sich Software 
dagegen eher wie audio-visuelle Formate (Kinofilme, TV-Format) zu deren 
Konsumenten: Sie ist ausschließlich ausführbar. Dies entspricht der Lesbarkeit 
(dem Sehen und Verstehen) etwa von Filmen. Der Konsument von Filmen und TV 
besitzt in der Regel eine Lese- , aber keine Schreibkompetenz. Auf der Seite 
der Programmierer verhält sich Freie Software wie Schrift; denn bei Schrift 
schließt Lesefähigkeit in der Regel die Fähigkeit zu Schreiben ein.
 ***
 Die Produktionsstrukturen der Freien Software verweisen auf eine Welt, in der 
Arbeit und Konsum neuen Regeln gehorchen, eine Welt, in der die 
Lebensberechtigung von Geldarbeit abgekoppelt ist (vgl. hierzu Konzepte des 
bedingungslosen Grundeinkommens) und in der deshalb nicht für den Bedarf, 
sondern für Bedürfnisse produziert werden. (Zur Unterscheidung von Bedürfnis 
und Bedarf)


Till Nikolaus von Heiseler <[EMAIL PROTECTED]> schrieb: Volker Grassmuck 
erklärt zum Jahreswechsel was Freie Software ist..
Sein Buch "Freie Software" gibt es zum kostenlosen Download :::

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