Hier noch eine kleine Ergänzung zu Maturana, der vollständige Vortrag. From: karel dudesek [mailto:[EMAIL PROTECTED] To: Mike Hentz [mailto:[EMAIL PROTECTED], Salvatore Vanasco [mailto:[EMAIL PROTECTED], Benjamin Heidersberger [mailto:[EMAIL PROTECTED] Sent: Fri, 08 Feb 2008 12:50:19 +0100 Subject: video of maturanas lecture online
http://www.mazine.ws/node/580 Karel Am 04.02.08 schrieb Till Nikolaus von Heiseler <[EMAIL PROTECTED]>: > Vor zwei Tagen war ich auf der Transmediale und habe eine Vortrag von > Humberto Maturana gehört. Ehrlich gesagt bin ich vor allem deshalb > hingegangn, um ihm eine Frage zu stellen. Da es dazu nicht kam, bin > ich dann irgendwann einfach auf die Bühne gegangen und habe ein > kleines Gespräch geführt. Das Gespräch soll eine Fussnote zum Nachwort > meines Buches „Medientheater" werden, das Ende März im Kulturverlag > Kadmos erscheinen wird. Über Kommentare freue ich mich. > > > [Gespräch 1.Feb.08, Transmediale/Haus der Kulturen der Welt] > > HEISELER: We are here in Germany and there was a famous german > sociologist. His name is Niklas Luhmann. He refers to different > theories: Fritz Heider, Georg Spencer Brown, Talcott Parsons and to > you and Verela, in your case by using the term Autopoiesis. What do > you think of Niklas Luhmann's Systemtheory? > > MATURANA: I had a disagreement with him. > > HEISELER: May I tape you? > > MATURANA: Yes, yes, yes. I was in Bielefeld, I think 1990, 91, > something like that. A couple of years before he died. And we talked > much. And I thank him because he made me famous. But my discordance > with him was, was that he left out human beings. > > HEISELER: That is the whole idea. > > MATURANA: I know, I know, but I thought this would be inadequate. I > asked him why, why did you do that? He said he wanted to do that, > because he wanted a predictable theory. If you introduce human beings > you introduce into certainty a certain uncertainty... My answer to > that is: That we have two ways of dealing with that. One is to > eliminate the human being. The other is to make a theory which > includes human beings. But later I realized that one thing that he > wanted was to deal with closed systems. And he thought, I think, that > Autopoiesis allowed him to deal with closed systems. > > HEISELER: In a way … > > MATURANA: In a way. > > HEISELER: A nervous system is a closed system. > > MATURANA: Yes. > > HEISELER. It is closed on the operative level to be open on the > cognitive level as you made it clear in your books. > > MATURANA: Yes. But he wanted to do that. I think, in order to do that > with communication he needed Autopoiesis, but he needed to leave out > the human beings. You can't have a closed system with human beings, if > it includes the dynamic of the participation of human beings and the > realization of communication. What you cannot predict is the flow of > communication, but you can predict the nature of the closed system. > This you can have. This was our discrepancy, because we gave a seminar > together in which we always were encountering this discrepancy. > > HEISELER: If you take the concept of Autopoiesis and transfer it to > the field of social system, what is transferred? Is it just a metaphor > or does this lead to hard science like the biological idea of > Autopoiesis, if this would be called hard science? > > MATURANA: It is a metaphor, because it leads to believe in something > what it is not. I remember that Heinz von Foerster when he first heard > about Autopoiesis, he said: "Fantastic! - This solves the problem, > because social systems are autopoietic systems." I said if social > systems are autopoietic systems, I want to get out immediately. > Because if that is so, then a social system is an embodiment of > totality. And I don't want to be a part of an embodiment of totality. > > HEISELER: So you still believe in a subject, in a way. I ask this, > because we have a lot of theories in the 20th Century, speech theory, > discourse analysis, media theory which excludes in a way the human > being. > > MATURANA: I don't think that they solved the question. > > HEISELER: Okay, that is what I wanted to know. Thank you. > > MATURANA: Thank you to you, too. > > Eben die Frage der Totalität der Systeme werden wir weiter unten im > Bezug auf den Begriff des Autors diskutieren. Wir werden sehen, dass > uns hier die Theorie der Evolution der sozialen Systeme weiterhelfen > wird. Denn wenn die Evolution, wie Luhmann vorschlägt, zunächst einer > Variation bedarf, dann steht genau diese Variation der Totalität des > Systems, der Totalität der Selektion, entgegen. Totalität ist > systemtheoretisch die Totalität der symbolisch generalisierten > Kommunikationsmedien innerhalb der gesellschaftlichen > Funktionssysteme, die sie erschaffen und durch die sie erschaffen > werden. Die Systemtheorie ist genaugenommen eine Selektionstheorie der > Kommunikation. Über die autopoietisch geschaffenen Selektionskriterien > (symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien) kann die > Gesellschaft als Kommunikation beschrieben werden. Luhmann erklärt > Gesellschaft also aus den Selektionskriterien der Kommunikation. Dass > diese nun vorauseilend (von der Kommunikation {laut Luhmann} bzw. von > den Kontrollierten {laut Deleuze}) erfüllt werden, ist die zeitgemäße > Antwort auf die alte soziologische Frage: „Wie ist gesellschaftliche > Ordnung möglich?" > Luhmanns große und erhellende Setzung - die darin besteht, dass er der > Kommunikation selbst Sinnverwendung unterstellt und das psychische > System als Umwelt des Sozialen konstruiert, wodurch er zwangsläufig zu > seiner berühmten paradoxen Tautologie: „Die Kommunikation > kommuniziert" kommt - gerät in dem Moment logisch in Schwierigkeiten > wenn damit Interaktion oder gesellschaftliche Entwicklungen erklärt > werden sollen. (Deshalb schließt Luhmann hier mit zwei > unterschiedlichen und nur bedingt mit der eigentlichen Systemtheorie > kompatiblen Theorien an.) In Bezug auf Luhmanns gewagte, geniale > Setzung stellt sich für uns nicht die Frage von wahr oder unwahr, denn > jede Theorie abstrahiert (und es kommt in der Wissenschaft eben auf > „die richtige" Reduktion an), sondern die Frage, was mit ihrer Hilfe > sichtbar wird und was durch sie verdeckt wird. Wenn es so etwas wie > soziologische Aufklärung gibt, dann besteht diese in der Aufklärung > über die Selektionsmechanismen einer Gesellschaft. Der Ausstieg aus > dem sozialen System indes würde den Ausstieg aus jeglicher > Kommunikation bedeuten und selbst dann würde der Aussteiger die > Sinnunterscheidungen der Gesellschaft, ihre Sprache und Differenzen > teilweise zumindest weiter verwenden. Der wirkliche Ausstieg aus der > Totalität des gesellschaftlichen Systems wäre gleichsam ein Ausstieg > aus dem Medium Sinn. Damit würde dann allerdings auch eine Dimension > des Menschen aufgegeben. Die menschliche Freiheit besteht deshalb > nicht im Ausstieg aus Sinn und Gesellschaft, sondern in der Selektion > und Beschränkung der angenommenen Kommunikation und damit in der Wahl > einer besonderen Unfreiheit. > > glück zu allen! > till > > -- > http://www.formatlabor.net/blog > http://www.formatlabor.net > http://www.tnvh.de > -- http://www.formatlabor.net/blog http://www.formatlabor.net http://www.tnvh.de
-- rohrpost - deutschsprachige Liste zur Kultur digitaler Medien und Netze Archiv: http://www.nettime.org/rohrpost http://post.openoffice.de/pipermail/rohrpost/ Ent/Subskribieren: http://post.openoffice.de/cgi-bin/mailman/listinfo/rohrpost/
