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n0name newsletter #125 Fr., 29.02.2008 16:31 CET *Inhalt/Contents* 1. Nick. _Roman_ (Fortsetzungsroman) Teil 84 & 85 2. Ideologische Militarisierung des Inneren "Das kauf ich euch ab" 3. Rezension von Sabine Nuss. _Copyright & Copyriot_ 28 16 KB, ca. 6 DIN A4-Seiten ------------------------------------------------------------------------ Edit/non-or(i)al Beim allgemeinen Versand des letzten n0name #124 fehlte der vierundachtzigste Teil von Nick. _Roman_. Er wird hier zusammen mit dem fuendundachtzigsten Teil nachgeliefert. die Red. ------------------------------------------------------------------------ 1. Nick. _Roman_ (Fortsetzungsroman) Teil 84 & 85 Teil 84 Es blitzte! Teil 85 Es donnerte! Romans gruenes T-Shirt erzitterte. Teil 86 im n0name newsletter #126 ------------------------------------------------------------------------ 3. Ideologische Militarisierung des Inneren "Das kauf ich euch ab" Im Fernsehen von "Sat 1" rasen schwarze Limousinen der "GSG 9" durch die Strassen der deutschen Hauptstadt. In "Folge: 3 Todesspiel" vom "Do., 28.02.2008" um "20:15" geraten jugendliche Hacker zwischen die gute heimische Staatsmacht und eine kriminelle auslaendische Macht. Kurz nach der Sendung sagte der Komiker Olli Dittrich fuer den Media Markt "Das kauf ich euch ab". Das Unheil (http://www.sat1.de/filme_serien/gsg9/folgen/), welches die Elitetruppe verhindern soll, kommt einem Heil der zu verdummenden Bevoelkerung gleich. Zitat: Die GSG 9 wurde nach der blutig verlaufenen Geiselnahme von München bei den Olympischen Spielen (Angriff am 5. September 1972) am 26. September 1972 aufgestellt. Während der Spiele nahm ein palästinensisches Terrorkommando israelische Sportler als Geiseln. Beim misslungenen Zugriff durch reguläre Polizeikräfte [...] am Flugplatz Fürstenfeldbruck starben alle neun Geiseln, fünf der acht Terroristen und ein Polizeibeamter. Ulrich Wegener, Offizier im Bundesgrenzschutz, wurde daraufhin von Innenminister Hans-Dietrich Genscher mit der Aufstellung einer schlagkräftigen Antiterroreinheit beauftragt. (http://de.wikipedia.org/wiki/GSG_9_der_Bundespolizei) Zitat: Mit Erlaß des Bundesinnenministeriums vom September 1972 wurde die Aufstellung der "Anti-Terror"-Einheit beim Bundesgrenzschutz (BGS), der paramilitärischen Truppenpolizei des Bundes, angeordnet; laut Dienstanweisung soll die Truppe vor allem auf die Bekämpfung von "Mord und Totschlag, Menschenraub, Geiselnahme und räuberische Erpressung" spezialisiert sein. Aber auch bei "schweren Ausschreitungen, Demonstrationen und zum Schutz besonders gefährdeter Staatsgäste und deutscher Politiker" wird die GSG 9 eingesetzt. Sie hat einen "offensiven Zugriffsauftrag in Fällen von besonderer Bedeutung" und ist in ständiger Alarmbereitschaft. Sie besteht ausschließlich aus Freiwilligen und hat eine Soll-Stärke von 220 Mann; die Ist-Stärke 1992: 180; inzwischen sollen auch Frauen zugelassen werden, was die Sache nicht besser machen wird. Der damalige Bundesinnenminister Hans-Dietrich Genscher (FDP) gilt als "Vater" der Spezialtruppe. Einem anderen hohen Verfassungsschützer (nicht Genscher, wie vielfach behauptet) werden die aufmunternden Worte zugeschrieben: die GSG 9 müsse "Elitebewußtsein entwickeln" und "mit dem Willen kämpfen, den Gegner zu vernichten" - "kampfunfähig schießen ist Quatsch". Und Hessens früherer FDP-Innenminister Hanns-Heinz Bielefeld ergänzte einfühlsam: "Auch Terroristen sind Menschen, sie totzuschießen will geübt und gelernt sein". Solchermaßen moralisch gestärkt ging die GSG 9 unter Führung ihres ersten Kommandeurs Ulrich Wegener ans Werk. Bald war sie die bestausgerüstete und -ausgebildete Spezialeinheit der Bundesrepublik und auch international gehörte sie zur "Spitze" ihrer Spezies. Vier GSG-9-Einheiten wurden aufgestellt: zwei Observationseinheiten, eine Fallschirmspringer-Einheit und später die nach der Entführung des italienischen Luxus-Kreuzfahrtschiffes "Achille Lauro" (1985) geschaffene "GSG-9-Marine" - GSG 9 also zu Wasser, zu Lande und in der Luft. Die Einheiten sind gegliedert in Führungs- und Spezialeinsatztrupps mit jeweils fünf Leuten; dieses operative Konzept mit kleinsten taktischen Einheiten ist dem "Minihandbuch des Stadtguerilleros" des Brasilianers Carlos Marighella entlehnt. Hinzu kommen technische Einheiten, wie die "Fernmelde- und Dokumentationseinheit", der auch die Beweissicherung und Einsatz-Dokumentation per Video obliegt [...]. (http://www.nadir.org/nadir/archiv/Repression/bad_kleinen/30pannen. html) Ulrich Wegener - Gruender GSG9 http://www.sat1.de/imperia/md/images/filme_serien/gsg9/content/ making_of/bilder/making_of_21_500_404_Sat1.jpg Die Gemeinde Bischofsgruen unterhaelt eine Patenschaft zur GSG 9. (http://www.gsg9.de/cms/front_content.php?idart=94#Grusswort) Bilder von der GSG 9 / 070812_11_Ladiescup Bischofsgrün 039 Skiclub Bischofsgrün 18.08.2007 http://www.oka-service.de/SCB/180807/GSG9/pages/070812_11_Ladiescup% 20Bischofsgr%FCn%20039.htm In Minute 30:31 der Folge geht der Terrorist am S-Bahnhof Wahrschauer Strasse in Berlin direkt an den als 'normale Menschen' getarnten Paramilitaers vor einer Imbissbude, die nur im Film dort steht, vorbei auf eine Plakatwerbung von irgendwas fuer 88,- des Media Markt zu. Ist das der deutsche Militaerisch-Konsumistische Komplex? Bin ich die Komparsin im weiszen Kleid, die die Szene umkreist? Die einmal wie zufaellig hinter dem Polizisten in Zivil und mit dem Ruecken zu diesem steht, vor dem Terroristen in gleicher Laufrichtung durchs Bild geht und ihm dann entgegenkommt? Die Frage ist, ob die Leute das tatsaechlich abkaufen. Susi Meyer ------------------------------------------------------------------------ 3. Rezension von Sabine Nuss. _Copyright & Copyriot_ 28 Erleben wir eine wirkliche Verschiebung vom Industriekapitalismus zum Dienstleistungs- oder Konsumkapitalismus? "Ein neues Eigentumssystem entsteht, das eher die Produkte der Subjektivitäten der immateriellen ArbeiterInnen kontrolliert als die Produktionsmittel, die die Subjektivität der immateriellen ArbeiterInnen als solche ist (der Konsumkapitalismus ist zu einem großen Teil das Resultat dieser Entwicklung)." http://eipcp.net/transversal/1106/tsianospapadopoulos/de Damit waeren die Koepfe und Herzen und Koerper der Konsumentinnen und Arbeiter (der konsumierenden Arbeiter und arbeitenden Konsumenten) im Feld des Konsums, also die aufgewendeten psychosomatischen Energien waehrend oder im Verbund mit der Konsumierung (Verzehr und Genuss) Produktionsmittel, und die konsumierten Produkte waeren die Produkte, wobei die letzteren im Kapitalismus ja schon immer vom Arbeiter eben nicht kontrolliert wurden[1]. Hier wird nichts mehr auseinandergehalten aber verwechselt. Also bleibt es bei der Enteignung der Arbeiter, wobei die Produktionsmittel zwar auch die Arbeitskraft (die Arbeitszeit) der Arbeiterinnen ist, was aber lediglich die (zur Produktion notwendige) Arbeit ist. Die restlichen Produktionsmittel (Maschinen, Fabriken, Netze) bleiben Eigentum des Kapitals. Es entsteht also kein neues Eigentumssystem, es entsteht eine neue Verwirrung aufbauende Pseudoanalyse des Systems aus privatem Eigentum, abhaengiger Lohnarbeit und Verwertung des Werts, die behauptet, die Produkte der Subjektivitaeten am Bildschirm oder im Freizeitpark waeren Produkte der Arbeiter, wobei es doch Dienstleistungen sind, die von den Arbeitern bezahlt werden aus ihren Lohnbudgets. Alle "sozialen Netze" und Web 2.0-Blasen (Facebook) sind bezahlte Dienstleistung und die Nutzer nutzen diese offenbar bis zur Ununterscheidbarkeit von Konsum und Arbeit, doch beziehen sie keinerlei Lohn und erzielen nie Profite, stattdessen bezahlen sie ihre DSL-Leitungen und ihre Konsummaschinen, sprich PCs. Dass mit diesen privaten Maschinen hier und da kleine Kapitalien aufgebaut werden koennen, speist die utopische Kreativen-Juristerei. Ist es eine Fetischisierung der sog. Koerpermaechte zu behaupten, "Der verkörperte Kapitalismus arbeitet mit Körpern, nicht mit Geistern." (ebda.)? Denn er arbeitet mit beidem! Alle Verkehrsnetze, informatorisch-medial oder physikalisch, sind grundsaetzlich und unaufhebbar gekoppelt an Netze der Energiezufuhr und weiterer materieller Netze. Die im Fruehjahr 2008 wohl abgewendete Zerschlagung groesser europaeischer Stromkonzerne wie e.on -- weil der die Trennung von Stromerzeugung und -transport zu vollziehen bereit ist[2] -- zeigt das hohe, letztlich notwendige Masz der Intergrierung von Produktion und Distribution der Ware in der Zentralisierung und wie zwar die eigentums*rechtlichen* Verhaeltnisse, nicht aber die Eigentumsverhaeltnisse unter der staatlichen Aufsicht der Kartelle veraendert werden. So ist auch die Lessig'sche Logik aufgebaut, sie kann in der kapitalistischen Produktionsweise nicht vom national(!)staatlich garantierten Privateigentum absehen, weil die Grundlagen der privaten Produktion -- hier des Creative Commons-Mittelstandes -- damit verloren gingen: "[Ver]fechter eines schrankenärmeren Informationsflusses das Anreizargument, so zum Beispiel Lessig, der sich gegen ein vollständig privatisiertes Eigentumsregime im Netz wendet: „Auch wenn manche Autoren ohne Bezahlung schreiben, brauchen wir dennoch gewisse Urheberrechte. Wenn das Recht den Autor gar nicht schützte, gäbe es bald weniger Auto-ren. Das Recht hat einen Grund, Urheberrechte zu schützen, und sei es nur, um den Autoren einen gewissen Anreiz zu bieten" (Lessig 2001: 237, Herv. i. 0.; vgl. auch Steinvorth 2004; Liebig 2001).40" Wobei zu fragen ist, ob es sich hier um ein philosophisches "Paradigma" handelt, etwa im Sinn von Thomas Kuhn's sich abwechselnder Vorbildmuster, wie Sabine Nuss scheinbar referiert, oder um etwas ganz anderes, naemlich eine Gesetzmaeszigkeit aus den Bedingungen der in die Zirkelprozesse verquickten Produktion und Distribution fuer Profit heraus -- oder entsteht Eigentum im Kopf?: Hier wird klar, wenn auch in abgemilderter Form, von einer Anreiztheorie ausge-gangen. Diese wird nicht prinzipiell hinterfragt, sondern nur graduell schwächer vertreten.41 Dies macht deutlich, was generell für die Debatte um geistiges Eigen-tum gilt: Die beiden Pole der Auseinandersetzung um geistiges Eigentum im Zeit-alter unendlicher Reproduzierbarkeit von Informationen und Wissen liegen gar nicht so weit auseinander, wie es die Heftigkeit des Konflikts vermuten lassen würde. Die Uneinigkeit besteht in einem Mehr oder Weniger an Schranken für das private Eigentum an geistig-kreativer Schöpfung, nicht aber in einer grundsätzlichen Infra-gestellung von Privateigentum überhaupt. Gemeinsam ist beiden Positionen das vorherrschende Eigentumsparadigma (wie im Verlauf der Untersuchung noch deut-licher werden wird). Dieses Paradigma findet sich ausformuliert in der maßgeblich von John Locke begründeten bürgerlichen Eigentumstheorie. Die moderne Fas-sung hat in der Property Rights Theorie ihren Ausdruck gefunden. _______________ 40 So auch Lunney: „(w)idespread private copying in the aggregate could radically reduce the incentive to create any given work of authorship" (Lunney 2001: 818). 41 So auch Patterson: „With the specific intent of encouraging the production and distribution of new works for the public, copyright provides incentive for creators by granting them exclusive rights to reproduce and distribute their work. But these rights are subject to important limitations - nearly all of them related to the basic purpose of advancing knowledge for the general welfare of society" (Patterson/Lindberg 1991: 2). 112 Teil II Die historische Spezifik des bürgerlichen Eigentums 4 Das herrschende eigentumstheoretische Paradigma Die Analyse von Eigentum ist nicht einer bestimmten wissenschaftlichen Diszi-plin vorbehalten. U.a. die Sozialanthropologie, die Geschichtswissenschaften, die Soziologie, die Politikwissenschaften, die Wirtschaftswissenschaften und allen voran die Rechtswissenschaften setzen sich aus je verschiedener Perspektive und Er-kenntnisinteresse mit Eigentum auseinander. Die Ideen- und Philosophiegeschichte des Eigentums, in denen untersucht wird, welches Eigentumsverständnis beispiels-weise Aristoteles, Platon, Locke, Hume, Rousseau, Kant etc. formuliert haben, zeigt, dass die Auseinandersetzung mit Eigentum häufig einer Erörterung über die best mögliche Gesellschaftsordnung gleichkommt (vgl. eine Auswahl solcher Abhandlungen: Brandt 1974; Kessler/Loos 2000; Brocker 1987; 1992; Margedant/Zimmer 1993; Künzli 1986; Hecker 1990). Dies ist auch in den modernen Ab-handlungen nicht anders. Die Frage „was ist Eigentum" und die Frage „wie soll die Eigentumsordnung beschaffen sein" werden zumeist nicht streng getrennt. Grundsätzlich hat sich bei den modernen Abhandlungen der westlich liberale Eigentumsbegriff als herrschendes Paradigma durchgesetzt: „Er (dieser Begriff, SN) existiert in unzähligen Varianten, im Kern meint er jedoch die absolute, ungeteil-te, willkürliche und souveräne Herrschaft einer natürlichen Person über Sachen" (Siegrist/Sugarman 1999: 23). Verbunden ist dieser Eigentumsbegriff untrennbar mit einer Konzeption von Freiheit,' welche ihre Wurzeln in der mit der französi- schen Revolution herauf ziehenden bürgerlichen Gesellschaft hat. Dieses bürger-liche, moderne westlich-liberale Eigentumsverständnis hat mit dem Ende des Ost-West-Konflikts in den 90er Jahren endgültig die Vorherrschaft gewonnen. Die Transformation in den Ländern des ehemaligen Ostblocks hin zu „Demokratie und Marktwirtschaft" war wesentlich ein Wandel der Eigentumsverhältnisse und das liberale Eigentumsverständnis stellte in Gestalt der Property Rights Theorie die Folie dar, vor welcher diese Eigentumsverhältnisse umgestaltet wurden (vgl. Nuss 1999). Sie kann als wirkmächtiger Ausdruck der modernen, bürgerlichen Eigentumstheorie gelesen werden, wobei neben der analytischen auch die norma-tive Dimension eine zentrale Rolle spielt: Die Property Rights Theorie analysiert nicht nur private Eigentumsrechte sondern legitimiert sie zugleich. _______________ 1 Vertragsfreiheit, Freiheit des Willens, Freiheit mit seinem Eigentum nach freiem Willen zu verfahren usw. 114 _____ [1] Gab es da vor ein paar Wochen nicht diese Autowerbung mit dem Spruch, das Auto die Kontrolle uebernehmen zu lassen? Und rebellieren neue Oekos nicht momentan gegen das Grossverbraucher-Auto welches das Allgemeingut Luft verpeste? [2] "Deutschland und sieben weitere EU-Mitglieder wollen dagegen eine eigentumsrechtliche Trennung von Netz und Produktion verhindern." (Deutschlandradio 18 Uhr Nachrichten vom 28. Februar 2008) Ali Emas/Matze Schmidt Auf dieses OCR wie immer keine Gewaehr. Sabine Nuss. _Copyright & Copyriot: Aneignungskonflikte um geistiges Eigentum im informationellen Kapitalismus_. Muenster: Westfaelisches Dampfboot, 2006. 269 S. - EURO 19,90. Erschienen: Oktober 2006 Volltext-Archiv aller im Buch verwendeten elektronischen Quellen (ca. 20 MB): http://wbk.in-berlin.de/wp_nuss/wp-content/uploads/2007/01/ lit_linksklein.pdf ======================================================================== Sie erhalten den n0name newsletter, weil sie da sind!/You get the n0name newsletter, because you are there! *Bitte weiterleiten!/Please forward!* (c) 1999-2008 n0name, die Autorinnen & Autoren und die Maschinen Unterstuetzt von XPECT MEDIA http://www.xpect-media.de Sponsored by FONDS Dank an >top e.V. ------------------- Ende des n0name newsletter #125 -------------------- -- GMX startet ShortView.de. Hier findest Du Leute mit Deinen Interessen! Jetzt dabei sein: http://www.shortview.de/[EMAIL PROTECTED]
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