THE THING Hamburg freut sich, seine LeserInnen heute mit einem dreiteiligen Beitrag in ein bisher ungeschriebens Stück Hamburger Kunstgeschichte einweihen zu dürfen: 2004 begleiteten Herbert Hossman, Nana Petzet und Cornelia Sollfrank den Abbruch des Schimmelmuseums von Dieter Roth. Mit einer Pressekampagne versuchten sie damals die gewaltsame Zerstörung des Kunstwerks publik zu machen, dessen Prinzip die organische Selbstauflösung war.

Eindringlich dokumentiert Nana Petzets Bildbeitrag den Abriss des Schimmelmuseums und macht so auf die Verletzbarkeit von und Differenz zu Dieter Roths Kunst des Verfalls aufmerksam:
"Wenn die Katze fort ist, tanzen die Mäuse": 
http://www.thing-hamburg.de/index.php?id=897

In dem aktuellen Interview, das Herbert Hossman, langjähriger Freund des 1998 verstorbenen Künstlers, mit dem Leiter der Dieter-Roth- Foundation Dirk Dobke führte, wird Roths künstlerischer Ansatz in seiner gesamten Reichweite verstehbar. Aus der Perspektive persönlicher Zeugenschaft wird erläutert, wie zielgenau Dieter Roth über die Umkehr der Bewahrlogik des Museums das Wertesystem des Kunstmarktes zu unterwandern und in seiner Agressivität hervorzukehren verstand:
"Wahnsinn in Tüten": http://www.thing-hamburg.de/index.php?id=895

Cornelia Sollfrank folgte dieser Spur auf der Ebene der Veröffentlichung. Die von ihr initiierte Pressekampagne lancierte das Thema u.a. dorthin, wo es aus einer kulturkonservativen Sicht heraus nicht hingehört und doch seinen Platz gefunden hat: In den Katalog gefährdeter Kulturgüter, herausgegeben von ICOMOS, der internationalen Organisation, die sich weltweit für Schutz und Pflege von Denkmälern und die Bewahrung des historischen Kulturerbes einsetzt.
"The Schimmel Files": http://www.thing-hamburg.de/index.php?id=838

Die Reste dieser Geschichte wahrnehmbar zu machen und die Erinnerung an sie wach zu halten, scheint weiterhin die Aufgabe jener zu sein, die sich mit der oft unrühmlichen Rolle lokaler (Kultur-)Politik nicht abfinden wollen.

Rahel Puffert
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