Ich bin nun nicht dieser Meinung und halte Wikipedia für eines der ganz wenigen wirklich gelungenen Projekte des webs.
Hier nund as neoliberatistische Argumente GEGEN freies Wissen: ---------- Weitergeleitete Nachricht ---------- Von: Sven Lewandowski <[email protected]> Datum: 22. Dezember 2008 19:20 Betreff: Re: Re-entry - Wikipediaartikel An: [email protected] Sehr geehrter Herr Sander, liebe Liste, in der Wissenschaft geht es ja nicht nur um hehre Wissenschaft und in der Kultur nicht nur um hehre Kultur. So gibt es nicht nur Menschen, die Wissenschaft ausschließlich als Berufung verstehen, sondern auch solche, die Wissenschaft (oder Wissensvermittlung) als Beruf betreiben und auch solche, die eben davon leben müssen. Und die kulturelle, symbolische und ökonomische Entwertung des Wissens durch Wikipedia u.a. trifft vor allem letztere. Warum soll man Geld für Wissen ausgegeben, wenn man es umsonst haben kann? Und wie soll man einen Lebensunterhalt durch Wissensverbreitung verdienen können, wenn Wissen nicht auch ökonomisch und/oder symbolisch gewürdigt wird. Ich denke der Niedergang des Brockhaus spricht in dieser Hinsicht – nun ja: Bände. Ich glaube auch, mit der Vermutung nicht falsch zu liegen, dass die Produktion und Weitergabe von Wissen (zumal an anonyme Personen) ein außerwissenschaftliches Anreizsystem benötigt – sei es Geld oder das Versprechen von Reputation. Zweifelsohne gibt es Einzelpersonen, die aus anderen Gründen oder Motivationen tätig werden, aber die reicht m.E. kaum um so etwas wie ein Wissenschaftssystem oder nur ein geregeltes System der Wissensvermittlung zu betreiben. Im Übrigen scheint es mir auch kein Zufall zu sein, dass es offensichtlich gerade nicht die jeweilige Fachöffentlichkeit ist, die Artikel für Wikipedia schreibt. Das alles impliziert noch kein Urteil über die Qualität von Wikipedia (die ich als nicht sonderlich hoch bzw. zuverlässig einschätze), aber mein zentrales Argument war ja auch die Entwertung des Wissens bzw. der nicht nur, aber auch durch Wikipedia hervorgerufene Eindruck, Wissen dürfe nichts kosten und folglich müsste die Leistung jener, die dieses Wissen produzieren und bereitstellen, auch nicht (ökonomisch) honoriert werden. Systemtheoretisch formuliert: Mir scheint, dass sich mit Wikipedia ein System der Wissensgenerierung etabliert, das mit dem Wissenschaftssystems allenfalls locker strukturell gekoppelt ist, dessen Entwicklung für letzteres sich aber langfristig ebenso negativ auf die Wissenschaft auswirken wird wie auf die traditionellen Medien. Kurz gesagt: mir scheint Wikipedia eher so etwas wie ein Parasit… Mit freundlichen Grüßen Sven Lewandowski P.S.: Als überaus anregend, wenn auch polemisch, habe ich folgendes Buch zum Thema in Erinnerung: Keen,A.,2008: The Cult of The Amateur. How blogs, MySpace, YouTube, and the rest of today's user-generated media are destroying our economy, our culture, and our values. New York/ London / Toronto/ Sydney/ Auckland: Doubleday. Am 22.12.2008 um 16:07 schrieb Rudi Sander: Lieber Frederik Weitz, Lieber Sven Lewandowski, lieber Franz Hoegl, zwar habe ich den gepackten Koffer fast schon in der Hand, doch der Zug nach Berlin fährt erst morgen früh: Wie so oft (oder wie immer), habe ich impulsiv geantwortet; wenn Sie, Herr Weitz, nun generell zustimmen, kann ich nur zufrieden sein, aber: inzwischen habe ich die schöne, durch Dich, lieber Franz, vermittelte Vorlesung von Norbert Boltz in Ruhe angehört. Zwar brauche ich danach meine grundsätzliche Auffassung nicht ändern oder bedeutend einschränken, ich muss aber hier sofort den Anlauf nehmen, und mich bei Ihnen, lieber Herr Lewandowski, entschuldigen, falls meine viel zu schnelle und zu kurze Bemerkung sie verletzt haben könnte. Das läge mir vollkommen fern. Nach den Ausführungen des Norbert Boltz zur Differenz Autorität/Authentizität in Netzwerken brauche ich hier nur noch zu bemerken: d'accord. Wie alle Hilfsmittel: Auch Wikipedia will gekonnt benutzt sein. Mancher Schüler oder Student mag da gewiss ein nachweisbares Manko haben, wenn er eine gedankenlos kompilierte Arbeit abliefert, die inhaltlich sofort und umfassend auf WIKIPEDIA abstellt, ohne dass man spürt, es sei bei der gedanklichen Kombination auch ein wenig reputationsgestützte Methodik mit eingeflossen. Und der Referent Boltz, nachdem er ausführlich den gedankengebärenden Netzwerkmechanismus dargestellt, gebilligt und gelobt hat, er hat abschliessend auch unwiderleglich klar gemacht: Der Mensch, als Vorbild, Leitbild und hinweisend helfender Meister ist nun einmal - für den willigen Schüler - unverzichtbar. Mit weihnachtlichen Grüssen von Rudi K. Sander: 65307 Bad Schwalbach; www.sinnweltentheorie.de hier: BLOG -----Ursprüngliche Nachricht----- Von: Diskussionsforum zur soziologischen Systemtheorie Niklas Luhmanns [mailto:[email protected]] Im Auftrag von Frederik Weitz Gesendet: Montag, 22. Dezember 2008 15:05 An: [email protected] Betreff: Re: AW: Re-entry - Wikipediaartikel Liebe Liste! Wikipedia hat ein Problem, und da muss ich in gewisser Weise Herrn Lewandowski recht geben. Ich kämpfe zum Beispiel seit vier Jahren immer mal wieder um einen bestimmten Artikel, den ich geschrieben hatte und der zum Teil dermaßen verunstaltet wurde, dass ich ihn komplett neu eingestellt habe. Derzeit möchte mich ein Mitautor gelöscht wissen, der zum Beweis meiner Untauglichkeit auf ein philosophischen Wörterbuch aus dem Jahr 1904 [sic!] hinweist. Dabei behandelt mein Artikel vorrangig einen psychologischen Aspekt. Nichtsdestotrotz gebe ich Herrn Sander insgesamt recht. Wikipedia ist in vielen Artikeln sehr brauchbar. Über die Kontingenz des Wissens brauchen wir uns in dieser Liste nicht weiter zu unterhalten. Dass viele Studenten heute weder eine brauchbare Methodik noch eine entsprechende Arbeitshaltung besitzen, kann nicht das Problem von wikipedia sein. Und immerhin gibt es Diskussionsseiten und Admins, und der eine oder andere der Admins und Mitbenutzer geht gestärkt und differenzierter aus einer solchen Diskussion hervor. Machen wir in der Liste etwas anderes? Schöne Weihnachten wünscht Frederik Weitz http://www.SvenLewandowski.de [email protected] -- Book: http://www.formatlabor.net/html/Medientheorie-fuer-Kuenstler.htm http://www.formatlabor.net/html/aesthetik-des-wissens.htm About Book: http://www.formatlabor.net/medientheater Theory: http://www.formatlabor.net/blog/ Art: http://www.formatlabor.net/lara Film/Multimedia: http://www.fade-to-black.net/ Links: http://del.icio.us/formatlabor.net Me: http://www.tnvh.de Home: http://formatlabor.net Vita: http://www.formatlabor.net/tnvh
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