HyperKult 18
»The Cloud«

Rechenzentrum der Leuphana Universität Lüneburg
21332 Lüneburg
2.-4. 7. 2009
Fachgruppe »Computer als Medium« im
Fachbereich »Informatik und Gesellschaft« der Gesellschaft für Informatik e.V.

Call for Participation

The Cloud – irgendwo und irgendwie wird gerechnet, liegen die Daten, kümmert sich jemand um die computationellen Bedürfnisse einer Firma, einer Behörde, der Öffentlichkeit, der Nation, gar der ganzen Welt. Was technisch eine Frage der Lastverteilung, der Virtualisierung und der Inanspruchnahme leistungsfähiger Netze und Serverfarmen ist, bedeutet ökonomisch einen weiteren Schub der Rationalisierung von IT- Dienstleistungen. Daten werden nicht mehr auf der eigenen Festplatte aufbewahrt, Applikationen nicht mehr vom eigenen Prozessor ausgeführt, weil Rechnerleistung gleichsam Schüttgut geworden ist, von Discountern als Massenware in der Cloud angeboten wird. »The network is the computer«, im Zusammenschluss vieler Prozessoren und Festplatten entstehen globale Computer mit mehr Speicher und Rechenkapazität als Großrechner sie je hatten. Neue Balancen zwischen verteilter und lokaler Informationsverarbeitung entstehen. Applikationen wie Proteinfaltungen, Wettermodelle, Kryptoanalyse oder die Suche nach außerirdischem Leben werden von Firmen-Datacenters in Zeiten niedriger Last berechnet. Mobile Computer, die leistungsschwach aber überall sind, können mit Cloud Computing ihre Möglichkeiten erweitern. Persönliche Daten wie Webseiten, Bilder, Emails, Kontakte, Texte, Kontoauszüge oder medizinische Diagnosen werden auf entfernten Festplatten gespeichert und stehen online überall zur Verfügung. Die neuen Clouds vermieten Speicherplatz und Rechenzeit an alle Anwender und an jede Anwendung. Dabei begünstigt die Wolkigkeit der Benennung den Eindruck, es spiele keine Rolle mehr, wo die Server stünden. Der metaphorische Überschuss der »Wolke« liefert einen Assoziationshof der Widerstandslosigkeit, der Beliebigkeit, der Unfassbarkeit, wie er sich auch im Labeling der Anbieter widerspiegelt.
Mit den neuen Supercomputern entstehen neue Fragen:
Wie ist juristisch auf die globalen Herausforderungen für den Datenschutz und das Urheberrecht zu reagieren? Wer trägt noch Verantwortung für die Daten der Bürgerinnen und Bürger in der Wolke? Was bedeutet die Verwahrung des Wissens der Menschheit durch börsennotierte Firmen für Wissenschaft und Öffentlichkeit?
Wie ändern sich ästhetische Strategien kultureller Produktionen?
Wie entsteht eine Ethik, die mit der Verantwortungslosigkeit des Wolkigen verträglich wäre? Wie verträgt sich die Unbekümmertheit der Wolke mit der Selbstbestimmung über die eigenen Daten?
Sind Wolken kontrollierbar? Was emergiert aus ihnen?
Wir begrüßen Beiträge in Form von wissenschaftlichen und künstlerischen Präsentationen und Installationen, die diese und ähnliche Fragen aus technischer, ökonomischer, kulturwissenschaftlicher oder ästhetischer Sicht beleuchten und von verschiedenen Seiten Einblicke ins Innere der Wolken ermöglichen.

Programmkomitee
Lena Bonsiepen (Berlin)
Wolfgang Coy (Berlin)
Rolf Großmann (Lüneburg)
Jochen Koubek (Berlin)
Andreas Möller (Lüneburg)
Claus Pias (Wien)
Martin Schreiber (Lüneburg)
Georg Christoph Tholen (Basel)
Georg Trogemann (Köln)
Martin Warnke (Lüneburg)

Termine
Senden Sie bitte ein- bis zweiseitige Zusammenfassungen Ihres Beitrags zum Workshop HyperKult 18 (wissenschaftliche Vorträge, Demonstrationen technischer oder künstlerischer Art)
bis zum 31. März 2009
an
Universität Lüneburg
Rechenzentrum
HyperKult
21332 Lüneburg

oder

mailto:[email protected]

Sie werden bis zum 10. Mai 2009 über die Annahme Ihres Beitrags informiert.

Organisation
Rolf Großmann
Martin Schreiber
Martin Warnke

Internet
http://www.leuphana.de/hyperkult

Fachgruppe »Computer als Medium«
Im Rahmen der HyperKult 18 wird auf einer Mitgliederversammlung am 4. 7. 2009 über die Arbeit der Fachgruppe und thematische Schwerpunktsetzungen der HyperKult beraten.

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