EMBEDDED ART
Kunst im Namen der Sicherheit

Filmreihe im Zeughauskino
im Rahmen der gleichnamigen Ausstellung in der Akademie der Künste am Pariser 
Platz
Kuratiert von Florian Wüst



Das Thema Sicherheit betrifft längst nicht mehr nur den Schutz vor natürlichen 
Gefahren, Unfällen oder militärischen Angriffen, sondern ist zu einem 
Lebenstil, zu einer Wachstumsbranche geworden. Kommerzielle Sicherheitsdienste 
und staatliche Exekutivorgane profitieren von einer gesellschaftlichen 
Situation, in der sich die vorrangig nukleare Bedrohung des Kalten Krieges hin 
zur Angst vor terroristischen Anschlägen verschoben hat. Deren 
Unkalkulierbarkeit wird mit neuen Überwachungstechnologien und der 
schrittweisen Beschränkung von Bürgerrechten und Privatsphäre begegnet. Doch 
ebenso wie Sicherheit und Kontrolle einen zentralen Gegenstand nationaler und 
internationaler Politik bilden, lassen sie sich als Grundformeln der Moderne 
begreifen: das Leben zu standardisieren, planbar, effizient, frei und sicher zu 
machen. Die die gleichnamige Ausstellung in der Akademie der Künste am Pariser 
Platz begleitende Filmreihe kombiniert genreübergreifende Kurz-, Dokumentar- 
und Spielfilme, um auf diese Weise die aktuelle Brisanz der Debatte um Innere 
Sicherheit, Angst und Terror, Protestkultur und Ausgrenzung historisch zu 
kontextualisieren und Fragen nach den psychologischen wie sozialen 
Implikationen zu stellen.



Programm 3/6
Dienstag, 24.02.

20.00
"Fünf Meilen westlich", Konstantin Kalser, A: Volkswagen AG, BRD, 1958, 13'
"The House in the Middle", P: Federal Civil Defense Administration, USA, 1954, 
7'
"Auch wir helfen", A: Bundesluftschutzverband, BRD, ca.1955, 2'
"Scannex Man", John Watt, CA, 1981, 6'
"Neue Heimat", Ebba Jahn, BRD, 1982, 15'
"Protect and Survive - Casualties", P: Central Office of Information, UK, 1976, 
2'
"In Order Not to Be Here", Deborah Stratman, USA, 2002, 33'

Während des Kalten Krieges wurden die Bevölkerungen in Ost und West in 
unzähligen Aufklärungsfilmen daran erinnert, auf einen nuklearen Erstschlag 
vorbereitet zu sein. Dennoch schien über jeder Maßnahme der scheußliche 
Verdacht zu schweben, niemand könne einen Atomkrieg überleben. Betrachet man 
Filme wie "The House in the Middle", die englische Zivilschutz-Serie "Protect 
and Survive" oder frühe Werbefilme des Bundesluftschutzverbandes, so wirken sie 
auf lächerliche Weise unzulänglich und propagandistisch. Statt der möglichen 
Katastrophe rückt der Aspekt der sozialen Kontrolle in den Vordergrund und 
entpuppt sich als das wahre Sujet. "Neue Heimat", Ebba Jahns Beitrag zu dem vom 
SFB und dem Literarischen Colloquium ko-produzierten Episodenfilm "Aus heiterem 
Himmel" (1982), wendet sich gegen das atomare Wettrüsten der 1980er Jahre. Die 
Kamera folgt der Protagonistin in den U-Bahnhof Pankstraße, der als 
multifunktionaler Schutzbunker gebaut worden war und auch heute noch als 
solcher besteht. Das Programm verbindet diese Filmdokumente einer vermeintlich 
längst vergangenen Zeit mit dem Bild einer Gesellschaft, die dem Glauben an den 
technischen Fortschritt verfallen ist - von der Autostadt Wolfsburg als Symbol 
des westdeutschen Wirtschaftswunders in "Fünf Meilen westlich" über die düster 
inszenierte Vermarktung häuslicher Überwachungssysteme in "Scannex Man" bis zur 
leblosen Hermetik amerikanischer Vorstädte in Deborah Stratmans "In Order Not 
to Be Here". Einführung: Florian Wüst



Programm 4/6
Mittwoch, 25.02.

20.00
"Leben - BRD", Harun Farocki, BRD, 1990, 83'

Harun Farocki montiert ein Sittenbild der Bundesrepublik mit dokumentarischen 
Aufnahmen von Szenen, in denen Leben geübt wird. Wohin man sieht, treten 
Menschen als Schauspieler ihrer selbst auf, nehmen Rollen ein. Ein Spiel im 
Lebenstheater aus Schulungskursen, Tauglichkeitstests von Dingen und Menschen. 
Sei es im Geburtsvorbereitungskurs für künftige Eltern, beim Trainieren von 
Verkaufsgesprächen oder auf dem militärischen Übungsplatz, überall ist das 
unentwegte Bemühen zu verspüren, auf die Gefahren des Alltags vorbereitet zu 
sein. "Man könnte Farockis filmischen Reflexionen den Baudrillardschen Gedanken 
zuordnen, dass heute nicht mehr, wie noch in einer Erzählung von Borges, eine 
Landkarte an ein bestimmtes Gebiet angeglichen wird, sondern dass jene der 
Wirklichkeit als Simulakrum vorausgeht. Dies veranschaulicht Farocki 
insbesondere in "Leben - BRD". Menschenkörper agieren dort wie Maschinen oder 
schließen sich an Maschinen an, während Puppen und Gestelle anstelle von 
Menschen proben. Ob Autoschlüssel, Waschmaschinen, Hebammen, Fahrschüler oder 
Versicherungsvertreter, alle fügen sich in die moderne und absurde Welt einer 
"Risikogesellschaft": ein einziges Proben für den Ernstfall, den Notfall, den 
Unfall in allen Sektoren des wirtschaftlichen und sozialen Lebens." (Christa 
Blümlinger) Einführung: Florian Wüst



Vorschau



Programm 5/6
Dienstag, 17.03.

20.00
"World Trade Center", Korpys/Löffler, D, 1997, 7'
"Chic Point", Sharif Waked, IL, 2003, 7'
"Sa Nule", Marjoleine Boonstra, NL, 1996, 9'
"Limes - Aktion Limes", Erwin Wagenhofer, A, 2002, 27'
"Tongues of Vipers", John Orentlicher, CA, 2002, 6'30''
"Bollhagen", Markus Bertuch, D, 2008, 9'
"All Right", Aleesa Cohene, CA, 2003, 7'



Programm 6/6
Mittwoch, 18.03.

21.00
"Punishment Park", Peter Watkins, USA, 1971, 89'


Zeughauskino
Deutsches Historisches Museum
(Zeughausgebäude Eingang Spreeufer)
Unter den Linden 2
10117 Berlin
030-20304-770
http://www.zeughauskino.de




EMBEDDED ART
Kunst im Namen der Sicherheit



Ausstellung der Akademie der Künste und der Künstlergruppe BBM
24. Januar bis 22. März 2009, Di bis So 11-20 Uhr
Immer freitags im Clubraum "Bar zur Inneren Sicherheit"
Künstlergespräche / Vorträge / Filmvorführungen
Zur Ausstellung erscheint ein englischsprachiger Katalog im Verlag argobooks.

Akademie der Künste, Pariser Platz 4, Berlin-Mitte, Tel. 030.20057-1000
http://www.adk.de/embedded_art


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