EMBEDDED ART
Kunst im Namen der Sicherheit

Filmreihe im Zeughauskino
im Rahmen der gleichnamigen Ausstellung in der Akademie der Künste am Pariser 
Platz
Kuratiert von Florian Wüst



Das Thema Sicherheit betrifft längst nicht mehr nur den Schutz vor natürlichen 
Gefahren, Unfällen oder militärischen Angriffen, sondern ist zu einem 
Lebenstil, zu einer Wachstumsbranche geworden. Kommerzielle Sicherheitsdienste 
und staatliche Exekutivorgane profitieren von einer gesellschaftlichen 
Situation, in der sich die vorrangig nukleare Bedrohung des Kalten Krieges hin 
zur Angst vor terroristischen Anschlägen verschoben hat. Deren 
Unkalkulierbarkeit wird mit neuen Überwachungstechnologien und der 
schrittweisen Beschränkung von Bürgerrechten und Privatsphäre begegnet. Doch 
ebenso wie Sicherheit und Kontrolle einen zentralen Gegenstand nationaler und 
internationaler Politik bilden, lassen sie sich als Grundformeln der Moderne 
begreifen: das Leben zu standardisieren, planbar, effizient, frei und sicher zu 
machen. Die die gleichnamige Ausstellung in der Akademie der Künste am Pariser 
Platz begleitende Filmreihe kombiniert genreübergreifende Kurz-, Dokumentar- 
und Spielfilme, um auf diese Weise die aktuelle Brisanz der Debatte um Innere 
Sicherheit, Angst und Terror, Protestkultur und Ausgrenzung historisch zu 
kontextualisieren und Fragen nach den psychologischen wie sozialen 
Implikationen zu stellen.



Programm 5/6
Dienstag 17.03.

20.00
"World Trade Center", Korpys/Löffler, D, 1997, 7'
"Chic Point", Sharif Waked, IL, 2003, 7'
"Sa Nule", Marjoleine Boonstra, NL, 1996, 9'
"Limes - Aktion Limes", Erwin Wagenhofer, A, 2002, 27'
"Tongues of Vipers", John Orentlicher, CA, 2002, 6'30''
"Bollhagen", Markus Bertuch, D, 2008, 9'
"All Right", Aleesa Cohene, CA, 2003, 7'

Eine Gruppe junger Leute in einer brachen Landschaft. Sie bauen ein Camp, üben 
Sitzblockaden, das Bilden einer Menschenkette, die Festnahme durch die Polizei. 
Herausgelöst aus der lauten Umgebung der Straße untersucht Markus Bertuchs 
Video Bollhagen die Mechanismen und Choreografien innerhalb des sozialen 
Aktionsfeldes der Anti-Globalisierungsbewegung. Eine ähnliche Form der 
Inszenierung liegt Chic Point von Sharif Waked zugrunde: palästinensische 
Männer führen Modeentwürfe vor, die auf die Kontrollpraktiken und 
Leibesvisitationen an israelischen Checkpoints abgestimmt sind. Um die 
Auswirkungen einer vielfach geteilten Welt auf Körper und Sprache dreht sich 
diese internationale Auswahl zeitgenössischer, künstlerischer wie 
dokumentarischer Videos. Der Fokus liegt einerseits auf dem historischen Moment 
des 11. September 2001, dessen unterschwellige Erahnung in World Trade Center 
sowie die seitherige mediale Zuspitzung religiöser Fundamentalismen, aufgezeigt 
in Tongues of Vipers. Andererseits zeigt das Programm die alltägliche 
Wirklichkeit von Grenz- und Immigrationspolitiken. Aleesa Cohenes 
Found-Footage-Collage setzt Kanadas restriktive Einwanderungspraxis im 
Beziehung zu kollektiven Angstvorstellungen, Limes - Aktion Limes begleitet 
österreichische Grenzsoldaten an der seinerzeitigen EU-Außengrenze zu Ungarn. 
Marjoleine Boonstra konfrontiert schließlich den Betrachter mit den 
Lebensbedinungen in einem Flüchtlingslager in Ex-Jugoslawien und den 
gebrochenen Identitäten der dort untergebrachten Menschen, die von der 
Filmemacherin gefragt werden, ihr eigenes Spiegelbild zu kommentieren.
Einführung: Florian Wüst



Programm 6/6
Mittwoch 18.03.

21.00
"Punishment Park", Peter Watkins, USA, 1971, 89'

Im Hinblick auf das Verhältnis von Dokumentation und Fiktion, Vergangenheit und 
Gegenwart ist Peter Watkins einer der wichtigsten und dennoch selten gezeigten 
Filmemacher der letzten 40 Jahre. Nachdem Watkins mit der BBC-Produktion The 
War Game (1967) einen Skandal ausgelöst hatte, verließ er England und arbeitete 
fortan in Skandinavien, Frankreich oder den USA. Kurz nach dem 
Kent-State-Massaker im Mai 1970 und zu einem Zeitpunkt, als der Vietnamkrieg 
eskalierte, drehte Watkins mit Punishment Park eine pseudo-dokumentarische 
Allegorie auf die repressive Politik Richard Nixons. Der Film entwirft ein 
einfaches und doch schockierend glaubhaftes Szenario: Im Klima des Protests 
gegen die amerikanische Politik in Südostasien werden Hunderte von Menschen 
arrestiert und in Schnellgerichten wegen der Anstachelung politischer Unruhen 
verurteilt. Sie haben die Wahl zwischen langen Gefängnisstrafen oder drei Tagen 
im so genannten Punishment Park, einem unwegsamen Streifen kalifornischer 
Wüste. Dort werden die Gefangenen freigesetzt und gezwungen, eine viele Meilen 
entfernte amerikanische Flagge zu Fuß zu erreichen. Wem das nicht gelingt, 
wandert ins Gefängnis. Allerdings gibt es mehr Hindernisse als die unwirtlichen 
klimatischen Bedingungen: Punishment Park wird als Trainingsgelände für 
Polizeioffiziere genutzt, deren Aufgabe darin besteht, den Flüchtenden 
nachzusetzen und sie gegebenenfalls zu erschießen.
Einführung: Florian Wüst



Zeughauskino
Deutsches Historisches Museum
(Zeughausgebäude Eingang Spreeufer)
Unter den Linden 2
10117 Berlin
030-20304-770
http://www.zeughauskino.de



EMBEDDED ART
Kunst im Namen der Sicherheit



Ausstellung der Akademie der Künste und der Künstlergruppe BBM
24. Januar bis 22. März 2009, Di bis So 11-20 Uhr
Immer freitags im Clubraum "Bar zur Inneren Sicherheit"
Künstlergespräche / Vorträge / Filmvorführungen
Zur Ausstellung erscheint ein englischsprachiger Katalog im Verlag argobooks.

Akademie der Künste, Pariser Platz 4, Berlin-Mitte, Tel. 030.20057-1000
http://www.adk.de/embedded_art


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