Die Suche des Dichters nach Gefühl: Das Langpoem Fredy Neptune erstmals auf der 
Bühne


Das poesiefestival berlin bringt am 5.7.2009 das Langpoem "Fredy Neptune" von 
Les Murray auf die Bühne.

Sein Held spürt nichts mehr: "Kein Schmerz und keine Lust. Nur wie ein Schemen 
von dem Sinn,/ der meldet, wo ein Teil von einem ist". Die Gräuel des 
Jahrhunderts haben Fredy Neptune gefühllos gemacht. Das poesiefestival berlin 
bringt am 5.7.2009 in der Akademie der Künste Les Murrays monumentales Langpoem 
auf die Bühne. Leopold von Verschuer inszeniert das Werk mit der 
"eindringlichen, bildhaften Poesie mit hohem Schimpf- und Fluchanteil" 
(Süddeutsche Zeitung). Es durchzieht die großen Arenen des 20. Jahrhunderts und 
reicht von den Wirren des 1. Weltkrieges über Dresden im Bombenhagel, Berlin, 
die Schützengräben, die Häfen und Bordelle bis nach Nordafrika und Hollywood, 
um schließlich in Australien zu enden. 

Unter der Regie von Leopold von Verschuer schaffen vier Schauspieler eine 
Stimmensymphonie, einen gemeinsamen Erzählstrom, akzentuiert durch chorische 
Passagen, wobei die Schauspieler die Erzählstimme im Wechsel übernehmen. Der 
Bühnenbildner Jean-Baptiste Bellon erzeugt mit alten Film- und Diaprojektoren 
und von ihm bearbeiteten Filmspulen einen flimmernden Lichtraum für diese 
aberwitzige Erzählung, übersetzt von Thomas Eichhorn.

Inspiriert von Derek Walcotts "Omeros" schrieb der Australier Les Murray ein 
Werk, das Bezüge sowohl auf Homer, die Bibel, Heiligenlegenden ebenso wie Don 
Juan und Don Quixote aufweist. Er erzählt dabei allerdings keine persönliche 
Leidensgeschichte, sondern eine irrwitzige Odyssee. Als er die Verbrennung 
armenischer Frauen mit ansehen muss, verliert Les Murrays Held Fredy Neptune, 
ein Australier deutscher Herkunft, jegliches Schmerzgefühl. Er macht sich auf 
eine Suche nach Empfindung. Das Schicksal treibt ihn nach Amerika, wo er erst 
in einer als Irrenanstalt getarnten Luxusresidenz landet, später kommt er als 
Landstreicher nach Hollywood und begegnet Marlene Dietrich. Aber Les Murray 
orientiert sich nicht am Epos, als das er sein Werk auch nicht bezeichnet 
wissen will, sondern am Film, am Action-Movie, an Comic-Strips und 
Fernsehserien. Er schlägt dabei einen lässigen, humorvollen, sehr direkten Ton 
an, dessen balladeske Leichtigkeit von der Kraft der Umgangssprache, von Slangs 
und derben Dialogen geprägt ist, der sich aber immer wieder in klarer 
Dichtkunst bricht und schließlich nach der Wirkung von Poesie fragt: "wie gut 
is dein Gedicht? Kann es sie wieder/ lebendig machen nach dem Tanz in Kerosin?"

Leslie Allan Murray (*1938, Nabiac, Australien) ist der wichtigste 
zeitgenössische Dichter Australiens. Seine Werke wurde in zehn Sprachen 
übersetzt. Seinen ersten Gedichtband brachte er 1965 zusammen mit Geoffrey 
Lehman heraus (The Ilex Tree), zahlreiche Werke folgten. Über sein Schaffen 
sagt er: "Die poetische Erfahrung scheint letztendlich eine Erfahrung der 
Ganzheit zu sein. Wenn ein Gedicht echt ist, ist es unerschöpflich; es lässt 
sich nicht zusammenfassen oder in andere Worte übertragen. Es ist 
gekennzeichnet durch eine merkwürdige Simultanität von Stille und rasender 
Erregung"

Er wurde u.a mit dem Petrarca-Preis (1995) und dem T.S. Eliot-Preis (1996) 
ausgezeichnet, 1999 erhielt er die Queens Gold Medal for Poetry.

Das poesiefestival berlin wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds und 
findet statt in Kooperation mit der Akademie der Künste.

So, 5.7.2009, 20.00 Uhr

Langpoem: Fredy Neptune

Von Les Murray, Übersetzung: Thomas Eichhorn

Akademie der Künste, Hanseatenweg 10

Mit: Eva Brunner, Kirsten Hartung, Leopold von Verschuer, Klaus Wildermuth

Regie: Leopold von Verschuer

Bühne und Kostüme: Jean-Baptiste Bellon
 

 

Boris Nitzsche
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Literaturwerkstatt Berlin
Knaackstr. 97
10435 Berlin
Tel: +49. 30. 48 52 45-24
Fax: +49. 30. 48 52 45-30
E-Mail: [email protected] 
<mailto:[email protected]> 
www.literaturwerkstatt.org <http://www.literaturwerkstatt.org/> 


poesiefestival berlin 27.6.-5.7.2009

 

 

 

 

 

 

 

 

<http://www.lyrikline.org/> 

<http://www.poesiefestival.org/>  

 

 

 
--
rohrpost - deutschsprachige Liste zur Kultur digitaler Medien und Netze
Archiv: http://www.nettime.org/rohrpost 
http://post.openoffice.de/pipermail/rohrpost/
Ent/Subskribieren: http://post.openoffice.de/cgi-bin/mailman/listinfo/rohrpost/

Antwort per Email an